Konzentrationsprozess wird erwartet
Globalisierung zwingt Logistikbranche zum Wandel

Die Logistikbranche präsentiert sich auf der Hannover Messe trotz Konjunkturkrise zuversichtlich. Sie wächst, befindet sich aber zugleich im Umbruch. Wer den Wandel zum globalen Netzwerkanbieter verschläft, ist gefährdet, warnen Branchenexperten.

Reuters HANNOVER. Die Globalisierung der Wirtschaft ebenso wie der elektronische Handel erfordern immer aufwendigerer Systeme für Material- und Produkttransporte in der Industrie wie im Handel und beschleunigen den Wandel der Logistik. Gefragt sind weltweit einsetzbare und zugleich maßgeschneiderte Lösungen, die zudem nicht von einer einzigen Betriebssoftware abhängig sind.

Ein Beispiel dafür ist das Ersatzteillager des Triebwerkspezialisten MTU Maintenance in Langenhagen bei Hannover. Eine Teilbereich des Lagers wird direkt vom amerikanischen Lieferanten AAR Group betrieben - allerdings nicht in Deutschland. Sämtliche Auslieferungen und Fahrbefehle werden in Chicago gesteuert. "Dafür braucht man globale Netzwerke und kompatible Software-Lösungen", sagt Horst Ruser von der Firma Coglas. Der 32-Mann-Betrieb aus der Nähe Hannovers hat die Software bei MTU entwickelt. Informationstechnologien seien zur entscheidenden Größe der gesamten Logistik-Branche geworden, sagt Ruser.

Das Marktvolumen der Logistik liegt nach einer aktuellen Studie des Dortmunder Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) in Europa bei 450 Mrd. Euro, davon allein 125 Mrd. Euro in Deutschland. Eine ausgereifte Logistik gilt inzwischen als wichtiger Erfolgsfaktor in einer zunehmend globalisierten Wirtschaft. Wer die Preisvorteile durch weltweite Beschaffung nicht gefährden wolle, brauche ein äußerst rationelle Logistik, heißt es in der Studie.

Die Zeiten, in denen Unternehmen sich Komplettpakete für sämtliche Bereiche von der Finanzbuchhaltung bis hin zur Steuerung von Materialien und Produktien andienen ließen, sind jedoch vorbei. "Man darf nicht nur auf eine Softwarewelt setzen, ob von SAP oder anderen", sagt Betriebswirt Ruser. "Da sind in der Vergangenheit viele Millionen Mark versenkt worden."

Nur wenige Logistikdienstleister bieten globale Netzwerke

"Bisher aber gibt es nur wenige Logistikdienstleister, die globale Netzwerklösungen anbieten", sagt IML-Leiter Michael ten Hompel. Das vor wenigen Jahren auch in dieser Branche euphorisch gefeierte Internet sei nur der Anfang. "Das Internet ist eine Plattform, löst aber noch keines der Probleme." Denn der wachsende Anteil elektronisch abgewickelter Geschäfte (E-Business) erfordere neue Standards und Softwareprodukte für den anschließenden Vertrieb der Waren. Negative Erfahrungen vieler Unternehmen mit Anbietern von Betriebssoftware wie SAP haben zu einem Umdenken geführt. "Auch SAP hat erkannt, dass sein System Anpassungen an die spezifischen Anforderungen der Unternehmen braucht", sagt ten Hompel.

Dabei werden der Logistikbranche gerade in der Krise Chancen eingeräumt. Diese beschleunige den Trend bei vielen großen wie kleinen Unternehmen, die Organisation der Materialbeschaffung und die Vertriebsabwicklung auszulagern, sagt ten Hompel. Sein Institut rechnet EU-weit in diesem Jahr mit einem Anstieg fremdvergebener Logistikaufträge um 18 bis 22 %. Krisen wie jüngst bei der am Neuen Markt notierten D.Logistics sieht man beim IML als eher hausgemacht an.

Konzentrationsprozess in der Logistik erwartet

Die Expansions-Pläne des amerikanischen Paketdienstes United Parcel Service (UPS) in Europa haben in der Branche allerdings diverse Übernahmespekulationen ausgelöst, unter anderem für Thiel Logistik. Bislang ist die Logistikbranche europaweit noch sehr zersplittert. "In jedem Fall ist ein Konzentrationsprozess zu erwarten", schätzt IML-Chef ten Hompel. Viele traditionelle Anbieter versuchen, Softwareunternehmen aufzukaufen, um ihr Angebot zu erweitern.

Coglas-Manager Ruser sieht diese Entwicklung skeptisch. "Jeder sollte bei seinen Kernkompetenzen bleiben. Ich halte Partnerschaften für sinnvoller." Im übrigen würden viele Hersteller von Lagern und Verteilsystemen einen falschen Weg einschlagen. "Da versuchen einige Logistikanbieter, mit Eigenentwicklungen von Software, die nicht kompatibel sind, Kunden an sich zu binden", sagt Ruser. "Das machen international agierende Konzerne nicht mit. Da wird dann mitunter die Umsetzung eines Logistiksystems in letzter Minute gekippt."

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