Konzept der „Multispezialbank“ lanciert
Unicredito drängt in die Europa-Spitze

Die größte Bankengruppe Italiens, der Unicredito Italiano, verabschiedet sich vom Konzept der Universalbank. Mit der Neuausrichtung will das Institut in Europa neue Maßstäbe setzen.

mab MAILAND. Die Unicredito-Gruppe gibt sich durch eine weit reichende Umstrukturierung ein vollkommen neues Gesicht und will mit dem Modell einer "Multispezialbank" die Rolle eines Trendsetters in Europa übernehmen. Das Konzept beinhaltet die Schaffung dreier selbständiger Institute, die lediglich über eine schlanke Dachgesellschaft zusammengehalten werden: eine Retailbank (Massengeschäft) mit Sitz in Bologna, ein Institut für die vermögende Privatkundschaft (Private Banking), das in Turin angesiedelt wird, und eine Bank für Unternehmen (Corporate) mit Sitz in Verona. Die Holding bleibt in Mailand.

Die Struktur unterscheidet sich von herkömmlichen Organisationsformen. Anders als beispielsweise beim Zwei-Säulen-Modell der Deutschen Bank bekommen die Sparten eine eigene Rechtspersönlichkeit (Aktiengesellschaften) und haben nicht mehr den Charakter interner Abteilungen. Analysten in Mailand glauben, dass Unicredito durch den Schritt bei Akquisitionen oder möglichen grenzüberschreitenden Fusionen in der Zukunft eine gewichtigere Rolle als bislang spielen kann.

Vorstandschef Alessandro Profumo präsentierte die Pläne gestern den Marktteilnehmern in Mailand und erntete vornehmlich Beifall. An der Börse legte die Aktie den zweiten Tag in Folge deutlich zu. "Der Hintergrund für das Konzept der Multispezialbank ist die Erkenntnis, dass spezialisierte Institute höhere Wachstumsraten aufweisen und rentabler sind als Universalbanken", so Profumo. Im Vorfeld habe man die Geschäftsmodelle europäischer Konkurrenten verglichen und sei zu diesem Ergebnis gekommen. Profumo sagte, dass Unicredito die erste Großbank in Europa sei, die dieses Modell umsetze und nannte als Vorbild den erfolgreichen, aber wesentlich kleineren Banco Comercial Portugues (BCP).

Durch die Restrukturierung will Unicredito bis 2004 den Nettogewinn jährlich um 15 % steigern. Das Konzernergebnis soll dann bei 3 Mrd. Euro liegen. Außerdem will Unicredito seine im europäischen Vergleich bereits brillante cost-income ratio (Verhältnis zwischen Kosten und Einnahmen) von heute 51 % auf dann 44 % senken. Die Eigenkapitalrendite (nach Steuern) soll von 20,8 % (2000) auf 24 % gesteigert werden. Die jährlichen Synergien beziffert das Institut in 2004 auf 720 Mill. Euro.

Lediglich 35 % davon sollen durch Sparmaßnahmen und Rationalisierungen von 1750 Arbeitsplätzen zustande kommen. Fast zwei Drittel resultiert aus sogenannten Wachstumssynergien - also durch Steigerung des Geschäftsvolumens.

Besonders akzentuiert wird dieser Effekt in der Retail-Bank sichtbar werden, die rund die Hälfte des angestrebten Betrages beisteuern soll. Die Restrukturierungsaufwendungen werden lediglich im kommenden Jahr die Synergien übersteigen. Mit einer Nachsteuerbelastung von 59 Mill. Euro hält sich der negative Effekt aber in engen Grenzen. Insgesamt beziffert das Institut die Einmalaufwendungen durch den Plan auf 275 Mill. Euro.

Der Zeitplan sieht vor, in einem ersten Schritt die sieben Banken, die gemeinsam den Unicredito bilden, zu verschmelzen. Dabei handelt es sich um den Credito Italiano, Rolo Banca sowie die Sparkassen von Verona, Turin, Treviso, Triest und Trient. Die Umtauschverhältnisse sind bereits festgezurrt woren. Gleichzeitig werden alle Bankaktivitäten wieder in einer eigenen Aktiengesellschaft ausgegliedert, wodurch die Holding vom operativen Geschäft getrennt wird.

In einem dritten Schritt werden bis Ende 2002 die drei Spezialbanken gegründet. Durch die Transaktion steigt der Anteil des Münchener Allianz-Konzerns am Unicredito von 4,9 % auf 5,2 %. Diverse Bankstiftungen bündeln nach der Fusion nur noch 34,2 %, bleiben aber die beherrschenden Anteilseigner, obwohl ihr Stimmrecht jeweils auf 5 % beschränkt bleibt. Von der Restrukturierung bleiben die vier Tochterbanken in Mittel- und Osteuropa fast unberührt. Sie werden in Sparten organisiert, spalten sich aber nicht in Spezialbanken auf.

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