Konzept der Unternehmen ist einfach
Kläger setzen zunehmend auf Prozessfinanzierer

Immer mehr Kapitalanleger greifen bei ihren Klagen gegen börsennotierte Unternehmen auf die finanzielle Hilfe von Prozessfinanzierern zurück. Dieser Trend dürfte sich nach Ansicht der Finanziers vor dem Hintergrund der Infomatec-Gerichtsentscheidung am Montag noch verstärken.

Reuters FRANKFURT. In dem Prozess gegen die Gründer der Augsburger Infomatec AG hatte ein Gericht erstmals den Schadenersatzanspruch eines Anlegers wegen falscher Pflichtmitteilungen des Unternehmens anerkannt. Auch Anlegerschützern zufolge erhöht das Urteil die Chancen für ähnliche Klagen.

"Wir finanzieren einer großen Zahl von Anlegern die Klage gegen das Medienunternehmen EM.TV", bestätigte Gerrit Meincke, Sprecher der Foris AG am Mittwoch. Seit Mitte 1998 finanziert das am Neuen Markt notierte Unternehmen Rechtsstreitigkeiten. Der gewerbliche Geldgeber zahlt die Kosten der Verfahren vorab und profitiert hinterher im Erfolgsfall anteilig vom Prozessergebnis. Insbesondere wenn Rechtsschutzversicherungen passen, etwa bei Spekulationsgeschäften, sind die gewerblichen Prozessfinanzierer bei Klägern gefragt.

"Ein Anspruch ohne Urteil ist manchmal wie ein Ölvorkommen ohne Bohrturm - man kommt nicht ran", fasst Roberto De La Cruz, Sprecher des Prozessfinanzierers Juragent AG das Problem seiner Kunden zusammen. Wer zu seinem Recht kommen wolle, müsse die Mittel haben, es zu erstreiten. "Allzu oft jedoch haben berechtigte Anspruchsinhaber das Nachsehen, und eine Klage wird nicht geführt".

"Im Vergleich zum Vorjahr haben die Anfragen von Anlegern deutlich zugenommen", sagt Meincke. "Inwieweit die fremdfinanzierten Auseinandersetzungen dabei von Erfolg gekrönt sind, lässt sich derzeit noch nicht sagen", räumt der Foris - Sprecher ein. Eine Vielzahl der Prozesse laufe noch. Auch die Verbraucherzentralen haben nach eigenen Angaben noch keine Erkenntnisse zum Geschäft mit den gewerblichen Geldgebern. Aussagekräftige Zahlen über Erfolg oder Misserfolg erwarten Experten frühestens Anfang nächsten Jahres.

Das Konzept der Prozessfinanzierer ist einfach: Die Gesellschaft finanziert das Verfahren. Wird der Prozess verloren, trägt sie alle Kosten. Bei einem Sieg erhält der Geldgeber dagegen eine Erfolgsbeteiligung von 20 bis 50 Prozent der durch die Klage erzielten Summe nach Abzug etwaiger Verfahrenskosten.

Doch der Handel mit den gewerblichen Geldgebern funktioniert nur, wenn es sich um eine berechtigte finanzielle Forderung handelt. "Es muss in jedem Fall ein Anspruch vorliegen, der sich auf eine Geldzahlung bezieht", erläutert De La Cruz von der Juragent. Dieser wird in Form einer Klageschrift vom zuvor eingeschalteten Anwalt formuliert. Dafür muss der klagewillige Anleger je nach Höhe des Streitwertes zwischen 300 und 1500 Mark bezahlen. Kosten, die der Betroffene zu tragen hat, wenn der Prozessfinanzierer das nötige Kleingeld für das Gerichtsverfahren verweigert. Darüber hinaus würden nur aussichtsreiche Verfahren mit einem Streitwert von mindestens 100 000 Mark finanziert, sagt Kai Schulze, Vorstandsmitglied des Prozessfinanzieres Acivo AG. Erst wenn diese Kriterien erfüllt sind, übernimmt die Gesellschaft das wirtschaftliche Risiko des Prozesses.

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