Konzept für eigene Billig-Airline in der Schublade
Billigere Konkurrenz macht Lufhansa zu schaffen

Die britischen Billigflug-Gesellschaften haben Deutschland entdeckt. Noch liefert sich Lufthansa mit ihnen einen aggressiven Wettbewerb auf Einzelstrecken. Mehr und mehr aber scheint sich bei Lufthansa die Erkenntnis durchzusetzen, dass es sinnvoller ist, durch einen Einstieg bei einer Billig-Airline selber von diesem Markt zu profitieren.

HB DÜSSELDORF. Die Billig-Airlines stürmen auf den deutschen Markt: Ryanair fliegt von London nach Hahn und Lübeck. Virgin Express landet in Berlin. Buzz verbindet Berlin, Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf mit London. Und vom 14. September an nimmt auch die British-Airways-Tochter Go die zwischenzeitlich eingestellte Strecke München-London wieder auf.

Doch die Deutsche Lufthansa, deren Heimatmarkt dieser Angriff gilt, sieht die Entwicklung mit der "notwendigen Gelassenheit", wie Lufthansa-Vorstand Ralf Teckentrup im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärte. Der Vorstand, zuständig für Netzmanagement und Marketing, ist sich sicher: "Wir müssen uns mit unserem Produkt und unserem Preis-Leistungs-Verhältnis nicht verstecken."

Die Abwehrstrategie von Lufthansa beschränkt sich bisher auf aggressiven Wettbewerb auf den betroffenen Strecken. So fliegt Lufthansa neben London-Heathrow seit kurzem auch London-Stansted an, den Heimatflughafen von Ryanair, Go und Buzz. Und auch bei den Preisen ist Lufthansa nicht zimperlich: Als Go im vergangenen Jahr erstmals nach München flog, unterbot Lufthansa die Briten auf der Strecke beim Ticketpreis sogar um 50 Pfennig.

EU-Beschwerde gegen Lufthansa

Sowohl Go als auch Ryanair haben mittlerweile bei der EU Beschwerde gegen Lufthansa eingelegt. Der Vorwurf: Die Fluggesellschaft missbrauche ihre Marktmacht und arbeite mit nicht kostendeckenden Preisen. Dies weist Teckentrup jedoch zurück. "Jede Strecke muss das Potential haben, in absehbarer Zeit wirtschaftlich zu sein", sagt er, räumt aber zugleich ein: "Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit zählt auch der Beitrag, den die Strecke zum Gesamtnetz liefert." Im Klartext: Einige der Strecken decken ihre Kosten nicht, werden aber dadurch rentabel, dass sie Passagiere zu den Langstreckenflügen ex Frankfurt und München bringen.

Nach Einschätzung von Lufthansa werden die Billig-Airlines trotz des Widerstandes der etablierten Gesellschaften in Europa ihren Anteil an den Passagieren in den nächsten vier bis fünf Jahren von drei auf sechs Prozent erhöhen. "Doch im Durchschnitt sind die Renditen im Markt für Billigflieger noch beängstigend gering", hat Teckentrup festgestellt. In der Tat können erst zwei der neuen Gesellschaften schwarze Zahlen vermelden: Ryanair und Easyjet, das britische Flugunternehmen des ehrgeizigen griechischen Reeder-Sohnes Stelios Haji-Joannou.

"Neues Geschäftssystem"

Mittelfristig aber, das ist auch Lufthansa klar, kann sie sich dem wachstumsstarken Billig-Markt nicht verschließen. So legt Ryanair jährliche Wachstumsraten von rund 25 % vor - ein Wert von dem etablierte Gesellschaften nur träumen. Doch noch zögert Lufthansa mit einem Gegenkonzept. Während British Airways mit Go und KLM mit ihrer Tochter Buzz bereits die Newcomer mit ihren eigenen Waffen bekämpfen, schlummert bei Lufthansa der Entwurf einer eigenen Billig-Airline weiter in der Schublade. Das intern "Neues Geschäftssystem" genannte Konzept sieht nach Handelsblatt-Informationen vor, einen Teil der Boeing-737-Flotte von Lufthansa in einer getrennten Gesellschaft mit einem eigenen Markenauftritt auszugliedern. Das Netz soll nicht sternförmig um einen zentralen Flughafen aufgebaut sein, sondern Passagiere auf so genannten "peripheren Strecken" im Shuttle-Betrieb befördern. "Wir haben uns vor zwei Jahren intensiv damit beschäftigt, sind aber nicht an den Start gegangen", erklärt Teckentrup. "Es war keine ordentliche Verzinsung für unsere Aktionäre in Sicht." Und fügt hinzu: "Allein um eine neue Marke aufzubauen, muss man 40 bis 80 Mill. DM investieren."

Deswegen beginnt sich jetzt bei Lufthansa die Erkenntnis durchzusetzen, dass es sinnvoller ist, mit einer bestehenden Billig-Airline zusammenzuarbeiten. Teckentrup will das nicht bestätigen, sagt aber: "Das wäre eine interessante Option." Eine Kooperation allein, so Teckentrup, würde aber keinen Sinn machen. "Notwendig wäre dann auf jeden Fall eine finanzielle Beteiligung an einer Billig-Airline, um die Renditen im Markt abschöpfen zu können." Auf die Frage, ob schon entsprechende Gespräche mit Billig-Airlines stattgefunden haben, antwortet er mit einem schroffen "kein Kommentar".

Einstiegsmöglichkeiten böten sich mehrere. So sind sowohl Ryanair als auch Virgin Express börsennotiert. Und auch Easyjet will im Herbst Kapital an der Börse platzieren, um seine Expansion zu finanzieren.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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