Konzern aus Singapur übernimmt Optus
Singtel sticht Vodafone in Australien aus

Die Übernahmeschlacht um die australische Telefongesellschaft Optus ist vorbei. Der Singapurer Telekomkonzern Singtel hat die britische Vodafone übertrumpft und rückt damit zu einem der größten Mobilfunkanbieter im asiatisch-pazifischen Raum auf. Singtel will nach der Optus-Übernahme weiter expandieren. Analysten kritisierten den Kaufpreis.

juf/dp SINGAPUR. Die Singapore Telecommunications Ltd. (Singtel) hat den wochenlangen Übernahmekampf um die australische Telefongesellschaft Cable & Wireless Optus Ltd. gewonnen. Singtel unterbreitete den Optus-Aktionären gestern eine kombiniertes Angebot aus eigenen Aktien, einem Baranteil und Anleihen, das die Optus-Anteilsscheine jeweils mit bis zu 4,57 australischen Dollar bewertet. Insgesamt hat die Offerte damit ein Volumen von rund 17,2 Mrd. australischen Dollar (rund 9,5 Mrd. Euro). Die britische Cable & Wireless Plc, mit 52,5 % Hauptaktionär von Optus, hat den Aktionären die Annahme des Angebotes empfohlen.

Durch die Übernahme entsteht ein Telekommunikationskonzern mit einer Marktkapitalisierung von 24 Mrd. US-$. Die kombinierte Singtel-Optus-Gruppe hätte im Geschäftsjahr 1999/2000 (31. 3.) einen Umsatz von 4,8 Mrd. US-$ und einen Vorsteuergewinn von 1,1 Mrd. US-$ erreicht. Mit rund 9,5 Mill. Mobilfunkkunden setzt sich das Unternehmen nach eigenen Angaben in der Region Asien-Pazifik (außerhalb Japans) an die Spitze. Hinzu kommen 4,2 Millionen Festnetz-Kunden. Der Konzern ist unter anderem in Singapur, Hongkong, Indien, Indonesien, den Philippinen, Taiwan, Thailand und Australien aktiv.

Optus ist die zweitgrößte Telefongesellschaft Australiens und bietet wie Singtel Mobilfunk- und Festnetztelefonie sowie Datendienste an. Das Unternehmen hat auf dem australischen Mobilfunkmarkt mit insgesamt zehn Millionen Kunden einem Anteil von einem Drittel.

"Australien ist einer der größten Telekommunikationsmärkte in der Region und neben Singapur, Hongkong und Japan einer der wichtigsten", sagte Lee Hsien Yang, Präsident und Chief Executive Officer (CEO) von Singtel. Sein Unternehmen erhoffe sich "großartige Wachstumschancen" von der Übernahme.

Singtel bietet den Optus-Aktionären pro Anteilschein entweder 1,66 eigene Aktien oder eine Kombination aus eigenen Aktien plus einer Barkomponente und Anleihen. Die Offerte eines Baranteils dürfte nach Einschätzung von Analysten für den Zuschlag entscheidend gewesen sein. Singtel verfügt über Barreserven von rund 7,2 Mrd. Singapur-Dollar (4,5 Mrd. Euro) und kündigte gestern an, zur Finanzierung von Optus eine Anleihe aufzulegen.

Der Aktienanteil wird offensichtlich zu einem großen Teil aus dem Besitz des Staates Singapur kommen. "Mit der Transaktion wird sich der Staatsanteil auf 65 bis 69 % verringern", kündigte Singtel-Chef Lee gestern an. Die hohe Staatsbeteiligung von 78 % war während des Bieterverfahrens kritisiert worden.

Der Übernahmekampf um Optus hatte sich über mehrere Wochen hingezogen. Als Singtels härtester Konkurrent galt Vodafone Pacific, die Tochter des britischen Mobilfunkriesens Vodafone Plc. Der Vodafone-Konzern zog am Sonntag sein Angebot aber offiziell zurück. "Wir wollen in Australien profitabel arbeiten. Die Transaktion entspricht einfach nicht unseren Ertragskriterien", sagte Vodafone-Pacific-Chef Brian Clark.

Kaufpreis verstört Analysten

Analysten reagierten auf Singtels Ankündigung zurückhaltend und kritisierten den Kaufpreis. Laut Gillem Tulloch von Nomura Securities bezahlt Singtel zu viel: "Durch den Zukauf wird Shareholder-Value zerstört." Singtel folge dem europäischen Modell des Wachstums über Zukäufe. Und genau dieses Vorgehen habe dort die Aktienkurse belastet. Tjandra Kartika von G.K. Goh Securities äußerte sich zwar auch über den Preis besorgt, sieht aber Synergien, vor allem im Mobilfunk- und Internetbereich. Die Börse reagierte enttäuscht. Der Singtel-Aktienkurs in Singapur gab über 10 % nach. In den vergangenen zwei Wochen hatte die Aktie 9 % verloren. Die Optus-Aktien verloren mehr als 5 %.

Singtel war bislang mit seiner Expansionsstrategie nicht vorangekommen. Vor einem Jahr scheiterte die achtgrößte Telefongesellschaft Asiens an der Übernahme der Hongkong-Tochter von Cable & Wireless. Wenig später misslang der Kauf des malysischen Telekomanbieters Time Engineering. Singtel, der Marktkapitalisierung nach Singapurs größtes Unternehmen, muss international expandieren, weil es auf dem heimischen Markt zunehmend starken Wettbewerbern ausgesetzt ist und der Markt für einen regionalen Player zu eng wird. Chairman Koh Boon Hwee kündigte gestern an, Singtel wolle weiter expandieren.

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