Konzern baut Feinchemiegeschäft in Asien aus
Degussa will Umsatz in China verdreifachen

Angespornt durch den baldigen Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation WTO erhöhen deutsche Chemie-Unternehmen ihre Investitionen im bevölkerungsreichsten Land der Erde. Während die chemische Industrie in Europa ihre Wachstumsprognose kräftig nach unten revidiert, setzen die europäischen Konzerne ihren Ablegern in China ehrgeizige Ziele.

HB DÜSSELDORF. Die Degussa AG, weltgrößter Spezialchemiekonzern, rüstet sich in China für den Kampf um die Marktführerschaft. "Wir wollen unser Engagement im asiatisch-pazifischen Raum ausbauen. China ist dabei von großer Bedeutung", sagte Utz-Hellmuth Felcht, Vorstandschef des Düsseldorfer Konzerns, dem Handelsblatt. "Der WTO-Beitritt wird die Einbindung Chinas in die Chemieindustrie einleiten."

Der Konzern will in den nächsten vier Jahren seinen Marktanteil in Asien von 9 auf 25 % steigern. Bis 2004 strebt Degussa eine Verdreifachung des China-Umsatzes von derzeit etwa 210 Mill. Euro an, sagte Eric Baden, China-Chef von Degussa. "Das bedeutet mittelfristige Investitionen von einigen hundert Millionen Euro."

Der Konzern plant, die Standorte in China künftig zur Versorgungsbasis für Südostasien auszubauen. Ähnlich wie in Europa will der Konzern in dem asiatischen Land den Bereich Feinchemie zu verstärken, der Wirkstoffe und Zusätze für Arznei- und Pflanzenschutzmittel sowie für Kosmetika herstellt. "Aminosäuren, Klebstoffe und Insektizide haben derzeit eine Wachstumsrate von zehn Prozent", erklärte Peter Nagler, Chef des Degussa-Feinchemiegeschäfts. "Feinchemie bietet anders als die Basis-Chemie eine besonders starke Mehrwertschöpfung", bestätigt Sibylle Bischofberger, Analystin bei der Schweizer Bank Vontobel.

Der chinesische Wachstumsmarkt könnte zur Rettung für die westliche Chemieindustrie werden. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt soll nach Schätzungen der Unternehmensberatung Roland Berger in den nächsten Jahren um durchschnittlich 7 % zulegen. Für den Chemiemarkt in Asien wird ein jährliches Wachstum von über 5 % erwartet - nahezu doppelt so viel wie in Nordamerika oder Europa.

Nach dem WTO-Beitritt locken in China große Wachstumschancen für westliche Chemie-Unternehmen: Durch den Abbau von Zollabgaben, Mehrwertsteuer und anderer Eintrittshürden, die chemische Substanzen beim Import derzeit um bis zu 31,5  % verteuern, werden chinesische Wettbewerber unter erheblichen Preisdruck geraten. "Es steht ein Ausleseprozess bevor, aus dem wesentlich leistungsfähigere Produzenten hervorgehen werden", urteilt Christine Pu von der Deutschen Bank in Hongkong.

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