Konzern bevorzugt den Einstieg eines industriellen Partners
Wacker Chemie lehnt Aufspaltung ab

Wenn beim Münchener Chemiekonzern Wacker vom nächsten Jahr an nur noch die Familiengesellschafter das Sagen haben, soll vor allem die Stabilität gewahrt bleiben. Der neue Firmenchef Peter-Alexander Wacker will mit der momentanen Aufstellung auf Investorensuche gehen und im Ausland wachsen.

DÜSSELDORF. Bei der Münchener Wacker Chemie GmbH mehren sich die Zeichen, dass der Konzern zur Stärkung seiner Kapitalbasis den Einstieg eines Industriekonzerns favorisiert. Der neue Wacker-Chef Peter-Alexander Wacker sagte zwar im Gespräch mit dem Handelsblatt, das Unternehmen schließe einen Börsengang weiterhin nicht aus. Wacker sei aber eher an langfristig denkenden Kapitalgebern interessiert, die dem weltweit zweitgrößten Hersteller von Siliziumscheiben (Wafern) für Halbleiter-Chips Stabilität geben würden.

"An der Börse gehen langfristige Strategien wegen der Kurzatmigkeit oft verloren", sagte Wacker, der das Unternehmen seit April führt und auch zu den Gesellschaftern gehört. "Unser Ziel heißt aber langfristige Steigerung des Vermögens und nicht kurzfristige Optimierung." Laut Wacker will sich der Konzern, der 2000 einen Umsatz von 3,1 Mrd. Euro machte, bei der Entscheidung nicht unter Druck setzen lassen, doch sehe man sich bereits nach Partnern um.

Der Wacker-Konzern muss mittelfristig seine Kapitalbasis stärken, um das angestrebte weltweite Wachstum finanzieren zu können. Die Eigenkapitalquote des Konzerns war im vergangenen Jahr von 36 % auf 22 % gefallen. Hintergrund ist, dass die Familie Wacker bis Sommer 2002 den Wacker-Anteil vom Pharmakonzern Aventis zurückkaufen will und Wacker deswegen bereits eine Sonderausschüttung zahlen musste.

Dass eine Familie einen Konzern wieder komplett zurückkaufe, sei in Deutschland "ein einmaliger Vorgang", betont Wacker. Die Familiengesellschafter wollen die industrielle Führung künftig nicht mehr teilen, nachdem Wacker jahrzehntelang als 50-zu-50 Joint Venture mit dem Aventis-Vorgänger Hoechst geführt worden war. Ein industrieller Partner müsste sich bei Wacker mit einer Minderheitsposition begnügen, was die Suche erschweren dürfte. Wacker gibt sich aber flexibel: "Ein Partner muss nicht unbedingt aus einer speziellen Branche kommen." Die Beteiligung von Finanzinvestoren lehnt er wegen deren kurzfristiger Orientierung aber ab.

Ob Konzernbeteiligung oder Börsengang - in jedem Fall will Wacker die bisherige Struktur des Unternehmens beibehalten, das in vier Bereichen neben Siliziumscheiben auch Bauchemikalien, Silikondichtungen, Farbzusätze oder Isolierkunststoffe herstellt. "Es wird in absehbarer Zeit keinen einschneidenden strategischen Umbau geben", kündigte Wacker an und folgt damit nicht dem Trend der Konzentration auf Kerngeschäfte, die von vielen Chemianalysten gefordert wird. "Wir gehören in unseren Sparten zu den größten drei Firmen weltweit. Das ist Fokussierung genug."

Ohnehin hält der Wacker-Chef wenig von zu starker Fokussierung und wirbt für die Verbindung mehrerer Chemiebereiche: Wacker habe viele Synergien, etwa in der Forschung und Produktionstechnik. Zudem sei eine breitere Aufstellung für den Konzern wegen des schwankungsreichen Geschäfts als Halbleiter-Zulieferer als Ausgleich wichtig, um weiter investieren zu können.

Für Wacker kommt es daher nicht in Frage, den Konzern aufzuspalten. Er könnte dadurch für einzelne Sparten wie das Wafer-Geschäft kapitalkräftige Partner suchen oder diese Sparten an die Börse bringen. "Ich halte nichts vom Vergolden von Einzelteilen, denn in der Regel geht dabei etwas kaputt. Meine Aufgabe ist die Stärkung des bestehenden Portfolios", sagte er. Sein Ziel für das Jahr 2004 ist ein Umsatz von 4 Mrd. Euro und eine Rendite von 12 % gemessen am Gewinn vor Steuern und Finanzergebnis (Ebit). Dies will er vor allem durch Wachstum im Ausland erreichen. "Wir wollen näher an die Märkte und müssen daher verstärkt im Ausland investieren", kündigte Wacker an. Vorrangige Region sei Asien, wo Wacker auf Gemeinschaftsunternehmen mit lokalen Anbietern setzt. "Wir haben für die Weiterentwicklung derzeit ausreichend Finanzmittel", erläutert er.

Wegen des Einbruchs auf dem Halbleitermarkt und der schwachen Chemiekonjunktur rechnet Wacker in diesem Jahr mit Stagnation beim Umsatz und einem Gewinn, der deutlich unter dem Vorjahresergebnis liegt. Im Halbleiterbereich werde Wacker mit Kapazitätsanpassungen, also auch mit Kurzarbeit oder Stellenabbau reagieren. Eine Belebung dieses Marktes erwartet der Konzern nicht vor dem kommenden Jahr.

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