Konzern-Chef Frenzel erwartet einstelliges Minus
Trendwende auch bei Tui

Europas Touristikindustrie erholt sich allmählich von der bislang schwerste Krise der Reisebrancheh. Einen Tag nach Thomas Cook gab am Mittwoch auch der Marktführer TUI vor seinen Aktionären eine deutliche Erholung des Reisegeschäfts bekannt. Tui-Chef Michael Frenzel musste sich dennoch massiver Kritik von Aktionärsvertretern und Fondsgesellschaften stellen.

Reuters HANNOVER. Der seit Ende des Irak-Kriegs laufende Aufschwung dauere an, sagte Tui-Chef Michael Frenzel auf der Hauptversammlung von Tui in Hannover. "Ich bin davon überzeugt, dass sich die positiven Entwicklungen der vergangenen Wochen fortsetzen werden", fügte er hinzu. Konzernweit habe sich der Rückstand der gebuchten Umsätze von rund 10 % Ende April auf aktuell 7,2 % zum gleichen Vorjahreszeitpunkt verringert. Für die umsatzträchtige Sommersaison ging das Umsatzminus von 15 % Ende April auf allerdings immer noch hohe 10,7 % zurück.

Auch Tui-Konkurrent Thomas Cook hatte am Dienstag von einer Trendwende auf allen europäischen Touristikmärkten berichtet. Tui-Chef Frenzel rechnet für die kommenden Jahre europaweit wieder mit Wachstumsraten von durchschnittlich 4 %. Deutlich stärker werde das Geschäft in Asien zulegen.

Konkrete Jahresprognose nach dem Sommergeschäft

Frenzel verzichtete aber vor den Aktionären auch nach Ablauf von fast sechs Monaten auf eine konkrete Prognose für das Geschäftsjahr 2003. Tui müsse den weiteren Verlauf der Sommersaison abwarten, ehe eine belastbare Prognose möglich sei, sagte Tui-Sprecher Kay Baden. "Es ist auch weiterhin offen, ob wir die Buchungsrückstände aufholen können", fügte er hinzu.

Frenzel bekräftigte die bisherigen Einschätzungen, dass das operative Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) in der Touristik trotz der Verluste zu Jahresbeginn deutlich positiv sein, aber unter dem Vorjahreswert von 332 Mill. Euro liegen werde. Das Gesamt-Ebta werde aufgrund guter Ergebnisse in der Logistik und der Sondererträge aus dem Verkauf der Energiesparte deutlich höher als 2003 (608 Mill. Euro) ausfallen.

Frenzel rechtfertigt Tui-Strategie

Ausführlich ging Frenzel bereits in seiner Rede auf die zuletzt in der Reisebranche wie an den Finanzmärkten gewachsene Kritik an der Tui-Strategie ein. Er verteidigte das Modell eines integrierten Touristikkonzerns, der alle Stufen abdeckt. Das Geschäft mit Billigreisen, das Tui in den vergangenen Wochen ausgebaut hat, werde weiter wachsen. Dennoch bleibe die qualitativ hochwertige Pauschalreise - bisher das Stammgeschäft bei Tui - auch künftig das Hauptstandbein. Jedoch sollen Kunden ihre Reise künftig individueller zusammenstellen können.

Tui-Aktionäre in Sorge um Aktienkurs und Ertragskraft

Aktionärsvertreter äußerten sich jedoch besorgt über die Zukunft des Touristikriesen, vor allem zur Ertragskraft, wenn künftig Sondererträge aus Verkäufen alter Industrietöchter nicht mehr möglich seien. "Wird es eine Traumreise oder wird es ein Survival-Trip", fragte Wolfgang Krafczyk von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Michael Gierse, Aktien-Fondsmanager bei Union Investment, verwies auf die schlechte Kursentwicklung der Tui-Aktie. Während andere internationale Touristik-Aktien in diesem Jahr um bis zu 33 % zugelegt hätten, habe Tui 21 % verloren. Hierfür müsse es einen Schuldigen geben. "Wir haben das Management von Tui ausgemacht", sagte Gierse unter starkem Beifall.

Der Fondsmanager kritisierte eine weiterhin fehlende Transparenz, die noch ungenügende Ertragskraft in der Touristik und nannte die Billigstrategie zu riskant. "Man muss nicht jede Modeerscheinung mitmachen", sagte Gierse und forderte das Ende der Airline HLX. Auch der Abgang der beiden Touristiker im Tui-Vorstand - des einzigen Ausländers im Tui-Vorstand, Charles Gurassa, und des in der Branche hochgeschätzten Ralf Corsten - sei alarmierend. Tui brauche zudem mehr Unabhängigkeit von ihrem Hauptaktionär Westdeutsche Landesbank.

Die Tui-Aktie legte bis zum Mittag 1,3 Prozent auf 14,30 Euro zu, hatte aber bereits an den Vortagen Kursgewinne verbucht.

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