Konzern erhält für die Sanierung weitere Kapitalspritze
Vogel überwacht Mobilcom-Umbau

Dieter Vogel soll neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Mobilcom AG in Büdelsdorf werden. Der frühere Thyssen-Chef soll nach der Einigung mit dem französischen Großaktionär France Télécom S.A. die weitere Sanierung des norddeutschen Firma überwachen.

abo/lip HAMBURG/PARIS. Vogel hatte im Auftrag der Bundesregierung nach mehreren Wochen die Verhandlungen zwischen Mobilcom und dem France Telecom am Freitag erfolgreich beendet. Daraufhin legte die Notierung von France Télécom um knapp 10 % auf 15,39 Euro zu, der Kurs von Mobilcom gab um 6,77 % auf 5,92 Euro nach.

France Télécom ist mit der am Wochenende unterzeichneten Vereinbarung knapp in dem Rahmen geblieben, den sie sich durch ihre Risikorückstellungen von gut 7,3 Mrd. Euro für das zweite Halbjahr selbst gesetzt hatte. Dieser Einmalposten könnte France Télécom im Geschäftsjahr 2002 abermals einen Fehlbetrag von mehreren Milliarden Euro einbringen. "Angesichts dessen, was wir da durchgemacht haben, haben wir das Beste für France Télécom herausgeholt", sagte ein Sprecher des Konzerns. "Von Mobilcom sind keine weiteren schlechten Nachrichten zu erwarten."

Neben der seit langem unstrittigen Übernahme von 4,7 Mrd. Euro Schulden bei einem Bankenkonsortium, die auf Mobilcoms Erwerb der UMTS-Lizenz zurückgehen, trägt der französische Telefonkonzern auch 1,1 Mrd. Euro Verbindlichkeiten bei den Lieferanten Nokia Oy und Ericsson AB. Außerdem verzichten die Franzosen darauf, dass Mobilcom ihnen ein Gesellschafterdarlehen von rund 1 Mrd. Euro zurückzahlt.

Darüber hinaus ließ sich France Télécom einen Betrag von maximal 580 Mill. Euro abhandeln, der Mobilcom in mehreren Raten zur Einfrierung des UMTS-Geschäfts und zur vorzeitigen Beendigung des Roaming-Abkommens mit E-Plus dient. Dieser Betrag war in den vergangenen Wochen zwischen den Partnern heftig umstritten gewesen. France Télécom geht nach früheren Angaben davon aus, dass von der Summe nur gut die Hälfte tatsächlich gezahlt werden muss.

Im Gegenzug haben sich die Franzosen 90 % aller Erlöse gesichert, die Mobilcom durch Verkäufe von UMTS-Aktiva möglicherweise erzielt. Dies schließt die Lizenz ausdrücklich ein. Derzeit sind die deutschen UMTS-Lizenzen nicht handelbar. Aber in Konzernkreisen gab es Hinweise auf Bemühungen, einen entschädigungslosen Rückfall der Mobilcom-Lizenz an die Regulierungsbehörde zu vermeiden.

Bereits der damalige France-Télécom-Chef Michel Bon hatte angekündigt, dass sich sein Unternehmen von Mobilcom trennen wolle. Nun konkretisieren sich die Pläne über eine mögliche Zweitplatzierung des Anteils an der Börse. Spekulationen darüber, dass der Konzern etwa bei der vorgesehenen Rekapitalisierung seinen Anteil von 28,5% an Mobilcom abgeben wolle, hat France Télécom jedoch als verfrüht bezeichnet.

Analysten in Paris rechnen damit, dass sich die Gruppe im Rahmen des Sanierungsplanes ihres neuen Vorstandsvorsitzenden Thierry Breton auch auf eine neue Deutschlandstrategie festlegen wird. Diese Pläne sollen spätestens Anfang nächster Woche dem Aufsichtsrat vorgelegt werden.

Mit der Entschuldung erhält Mobilcom zur Sanierung ihres Kerngeschäfts Finanzhilfen von 162 Mill. Euro. Davon sind bereits 50 Mill. Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geflossen. Die Sanierung wird nun zügig umgesetzt: Sie sieht unter anderen den Abbau von 1 850 Arbeitsplätzen vor. Der Firmengründer Gerhard Schmid äußerte sich erleichtert über die gelungene Rettung.

Quelle: Handelsblatt

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