Konzern erhöht Dividende auf 1,50 Euro – Ergebnis auf 5,8 Mrd. Euro vervierfacht: Daimler hat Chrysler wieder im Griff

Konzern erhöht Dividende auf 1,50 Euro – Ergebnis auf 5,8 Mrd. Euro vervierfacht
Daimler hat Chrysler wieder im Griff

Daimler ist wieder profitabel. Denn der Automobilkonzern hat seine Großbaustellen in den Griff bekommen: die US-Töchter Chrysler und Freightliner sowie die Beteiligung am japanischen Autobauer Mitsubishi. Die Aktionäre können sich auf eine um 50 Prozent höhere Dividende freuen - auch ein Zeichen dafür, dass es aufwärts geht.

HANDELSBLATT, 5.2.2003 ajo STUTTGART. Daimler-Chrysler ist im abgelaufenen Jahr trotz Konjunkturflaute aus den roten Zahlen gekommen und kann sich eine höhere Dividende leisten. Der weltweit drittgrößte Automobilkonzern wies für 2002 einen Jahresüberschuss von 4,7 Mrd. Euro aus. Das ist eine sehr deutliche Verbesserung gegenüber 2001, als der Konzern mit 662 Mill. Euro erstmals seit 1995 wieder Verluste geschrieben hatte. Die Aktionäre mussten vor einem Jahr eine drastische Dividendenkürzung von 2,35 Euro auf 1 Euro hinnehmen.

Mit dem Vorschlag, die Dividende auf 1,50 Euro zu erhöhen, hat der Vorstand nach Expertenmeinung zugleich das positive Signal gesetzt, dass es auch in diesem Jahr weiter aufwärts gehen wird. Eine Prognose für 2003 will Konzernchef Jürgen Schrempp aber erst auf der Bilanzpressekonferenz am 20. Februar geben. Doch Finanzchef Manfred Gentz hat bereits bei der Autoshow in Detroit Anfang Januar eine Gewinnsteigerung in Aussicht gestellt.

Die höhere Ausschüttung stimmte auch Analysten zuversichtlich. "Die Dividende ist ein starkes Signal der Zuversicht durch das Management", sagte Michael Raab, Autoanalyst bei Sal. Oppenheim. Die Daimler-Spitze rechne offensichtlich damit, trotz der schwierigen Marktverhältnissen erfolgreich wirtschaften zu können. Die Dividendenerhöhung ist zudem Balsam für die gebeutelten Aktionäre. "Mit der Dividendenrendite von 5,5 % liegt Daimler-Chrysler im Spitzenfeld", erklärte Frank Biller von der Baden Bank. -Württembergischen

Nach der Veröffentlichung der Zahlen zog die Daimler-Aktie zeitweise auf über 29 Euro an, gab später aber unter dem Eindruck der allgemein schlechten Stimmung an der Börse aber wieder nach. Analysten bezweifeln zudem, dass die Dividendenerhöhung eine nachhaltige Kurserholung bringen könnte. Die Daimler-Aktie hat seit der Fusion von Daimler-Benz mit Chrysler im Jahr 1998 stetig an Wert verloren - mehr als zwei Drittel.

Das Betriebsergebnis mit 5,8 Mrd. Euro liegt in etwa im Durchschnitt der Analysten-Prognosen. Dies ist gleichwohl viermal mehr als die 1,35 Mrd. Euro des Vorjahres. Der Umsatz stagnierte im vergangenen Jahr bei 149,6 Mrd. Euro.

Mit dem Ergebnis hat Schrempp zumindest den halben Weg zur alten Ertragsstärke geschafft. Im ersten Jahr nach der Fusion mit Chrysler konnte der Stuttgarter Konzern immerhin ein Betriebsergebnis von 10,3 Mrd. Euro vorweisen. Damals, im Jahr 1999, hatte Schrempp den Aktionären noch vollmundig den profitabelsten Automobilkonzern der Welt versprochen. Noch lässt Schrempp offen, wann der Konzern zu seiner alten Ertragsstärke zurückkehren wird. Auch ist unklar, ob dies unter der Ägide des 58jährigenKonzernschefs sein wird. Sein derzeitiger Vertrag läuft zur Hauptversammlung 2005 aus.

Der Daimler-Konzern gab gestern zwar noch keine Spartenergebnisse bekannt. Doch so viel ist klar: Die drei Sorgenkinder Chrysler, Freightliner und Mitsubishi Motors sind spätestens seit Herbst wieder in den schwarzen Zahlen. Allerdings überraschte Daimler Chrysler - jetzt mit Einmalaufwendungen für Umstrukturierungen in der europäischen Nutzfahrzeugsparte in Höhe von 452 Mill. Euro.

Chrysler-Chef Dieter Zetsche, der im Herbst 2000 von Schrempp als Sanierer in die USA geschickt worden war, hat das Unternehmen aus der Krise geführt. "Zetsche hat einen guten Job in Amerika gemacht", sagte Analyst Biller. Der Sanierungsplan vom Februar 2001 sah neben Werksschließungen den Abbau von 26 000 Stellen vor. Der Plan ist weitgehend erfüllt.

In diesem Jahr geht es darum, die Kosten weiter zu senken. Zetsche hat bereits durchblicken lassen, dass er trotz der schwierigen amerikanischen Autokonjunktur und den heftigen Rabattschlachten mit Chrysler mindestens 2 Mrd. Euro verdienen will.

Die Entwicklung bei Chrysler wird auch das Ergebnis des Konzerns 2003 bestimmen Die Mercedes-Benz-Pkw - Sparte dürfte an die guten Vorjahresergebnisse anschließen. Die Analysten rechnen im Schnitt mit knapp 7 Mrd. Euro Betriebsergebnis im Konzern. Von den ursprünglichen "Meilensteinen" des Chrysler-Sanierungskonzeptes hat sich Daimler allerdings schon vergangenes Jahr verabschiedet. Ursprünglich wollte der Konzern 2003 nämlich einen Betriebsgewinn von mindestens 8,5 Mrd. Euro erzielen.

Quelle: Handelsblatt

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