Konzern erwartet Ergebniseinbruch
EADS kämpft mit der Luftfahrtkrise

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS erwartet 2002 einen Umsatzrückgang und einen Ergebniseinbruch. Vor allem die Nachfrageschwäche bei Passagierflugzeugen und die hohen Entwicklungskosten für den A 380 drücken auf die Gewinne. Der Konzern glaubt dennoch, die Krise zu überwinden zu können.

mwb AMSTERDAM. Dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS macht die Luftfahrtkrise zu schaffen. Entsprechend vorsichtig fallen die Prognosen für dieses Jahr aus. Die European Aeronautic Defence and Space Company N.V. rechnet mit Einbußen beim Umsatz und einem Gewinneinbruch. "Für 2002 erwarten wir bei gleich bleibendem Dollarkurs einen Umsatzrückgang um 2 %", sagten die gleichberechtigten Vorstandschefs Philippe Camus und Rainer Hertrich des in Paris ansässigen Unternehmens bei der Vorstellung der Bilanz in Amsterdam. Im vergangenen Jahr hatte der Umsatz vor allem durch die erstmalige Vollkonsolidierung der Tochter Airbus um 27 % auf 30,8 Mrd. Euro zugelegt.

Grund für den erwarteten Rückgang ist das schwierige Geschäft mit Passagierflugzeugen der EADS-Tochter Airbus. Die Konzernführung rechnet nur noch mit 300 Auslieferungen nach noch 325 im Vorjahr. Im vergangenen Jahr kamen nur noch 274 Aufträge netto herein. In diesem Jahr erwartet Hertrich einen weiteren Rückgang bei den Bestellungen. Im vierten Quartal 2001 war der Auftragseingang nach den Terroranschlägen in den USA völlig eingebrochen.

Einziger Trost, den US-Konkurrenten Boeing Co. aus Chicago hat es noch stärker erwischt. Erstmals seit 1999 überflügelte EADS Boeing wieder bei den Nettoaufträgen und sicherte sich einen Weltmarktanteil von 50,2 %. Das Airbus-Geschäft ist nach wie vor der wichtigste Geschäftsbereich mit einem Anteil von zwei Dritteln am Konzernumsatz. Fast der gesamte Konzerngewinn stammt zudem aus dem Airbus-Geschäft. Das Unternehmen hofft vor allem, durch das Auftragspolster von 1 575 Flugzeugbestellungen für eine Reichweite von fünf Jahren durch die Luftfahrtflaute zu steuern. Zudem will der Konzern seinen Kunden bei der Finanzierung der Flugzeuge stärker unter die Arme greifen als bisher. Die Mittel zur Absatzfinanzierung werden um fast die Hälfte auf 5,8 Mrd. Euro aufgestockt.

Im vergangenen Geschäftsjahr erhöhte sich der Konzerngewinn vor Steuern und Zinsen um 21 % auf 1,7 Mrd. Euro. Davon stammen nach Unternehmensangaben nur 5 % aus eigener Kraft und der überwiegende Teil wiederum aus der erstmaligen Vollkonsolidierung des Airbus-Geschäftes. In diesem Jahr wird mit einem Ergebniseinbruch auf 1,2 Mrd. Euro gerechnet. "Wir haben uns für 2002 ein Ertragsziel gesteckt, das die momentan unsichere Marktsituation berücksichtigt", erklärte EADS-Vorstandschef Hertrich. Analysten hatten im Vorfeld mit Umsatz und Gewinneinbußen gerechnet.

Den erwarteten Gewinnrückgang begründet Hertrich unter anderem mit der geplanten Aufstockung der Entwicklungskosten für das Großraumflugzeug A380 von 400 Mill. Euro auf 1 Mrd. Euro in diesem Jahr. Insgesamt erhöhen sich die Ausgaben für Forschungsentwicklung bei Airbus von 1,6 auf 1,9 Mrd. Euro. Axel Arendt, Finanzchef des EADS-Konzerns, kündigte wegen des operativen Gewinnrückgangs einen Jahresfehlbetrag an. Dafür seien Abschreibungen auf Firmenwerte und Wertberichtigungen auf Vorräte im Zusammenhang mit der EADS-Fusion im Jahr 2000 und der Gründung der Airbus-Gesellschaft im vergangenen Jahr verantwortlich. Im Vorjahr hatten Buchgewinne bei der Einbindung der britischen BAE Systems für einen Jahresüberschuss gesorgt.

Die Schwäche der zivilen Luftfahrt will der Konzern mit dem Ausbau des Militärgeschäfts gegensteuern. Dort soll der Umsatz bis 2004 vor allem durch den Beginn der Auslieferung der Eurofighter, der Kampfhubschrauber NH 90 und Tiger von derzeit 6,1 auf 9 Mrd. Euro steigen. Auch die Erträge der Militärsparte würden dadurch rasch steigen. Vorstandschef Hertrich geht davon aus, dass die Verträge über das Transportflugzeug A 400 M trotz der politischen Querelen in diesem Jahr in Kraft treten werden. Der Bau des Airbusses A 400 M ist mit einem Auftragsvolumen von 18 Mrd. Euro der größte Auftrag der Firmengeschichte.

Auch dadurch werde der Auftragseingang in diesem Jahr "deutlich höher" als der Umsatz ausfallen, sagte Hertrich. der EADS-Chef zeigte sich zuversichtlich, dass die Umstrukturierung der verlustreichen Raumfahrt und der Verteidigungssysteme greifen wird. Für 2001 will die EADS eine gleich bleibende Dividende von 0,50 Euro die Aktie zahlen.

An der Pariser Börse stieg gestern der Aktienkurs um knapp 5 % auf über 17 Euro. Zudem bekräftigte Hertrich, dass der Konzern kein Interesse an dem in Finanznöte geratene Regionalflugzeughersteller Fairchild Dornier habe.

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