Konzern fährt Verlust in Milliardenhöhe ein
Markenstrategie belastet Telekom

Die Deutsche Telekom hat 2001 das schlechteste Ergebnis seit ihrem Börsengang erwirtschaftet: Unter dem Strich hat der Konzern einen Verlust von 3,5 Mrd. Euro eingefahren und das trotz Erträgen aus dem Verkauf von Beteiligungen. Analysten loben jedoch die operative Ertragskraft. Im laufenden Geschäft konnte die Telekom klar zulegen.

slo DÜSSELDORF. Für die Deutsche Telekom sind schwarze Zahlen in den nächsten Jahren nicht in Sicht. Investitionen in den Wachstumsmarkt Mobilfunk bescherten dem Konzern im vergangenen Jahr einen Verlust von 3,5 Mrd. Euro. Das geht aus den gestern vorlegten vorläufigen Eckdaten der Telekom hervor. Analysten gehen davon aus, dass die Telekom bis etwa 2005 weiter im Minus bleiben wird. So rechnet Credit Suisse First Boston sogar damit, dass der Verlust der Konzerns in diesem Jahr auf mehr als 5,3 Mrd. Euro steigen und erst danach sinken wird.

Verkäufe von Beteiligungen haben die Telekom im vergangenen Jahr vor noch höheren Defiziten bewahrt. Der Konzern hat unter anderem seinen Anteil an der US-Telekommunikationsgesellschaft Sprint verkauft und damit 1,9 Mrd. Euro erlöst. Hinzu kommt ein Buchgewinn von knapp 1 Mrd. Euro aus dem Verkauf des TV-Kabels in Baden-Württemberg an den US-Kabelnetzbetreiber Callahan.

Die Verluste sind etwa 1 Mrd. Euro höher ausgefallen als Analysten vorhergesagt hatten. Diese hatten in ihren Prognosen die Abschreibungen auf den Wert der Markennamen einiger Telekom-Mobilfunktöchter allerdings nicht berücksichtigt. Die sind notwendig geworden, da der Bonner Konzern in Ländern mit einer Mehrheitsbeteiligung im Mobilfunk wie One2One in Großbritannien und Max.Mobil in Österreich die Dachmarke T-Mobile etablieren will.

Konzernchef Ron Sommer hat den Finanzmarkt auf die in den nächsten Jahren absehbaren Milliardenverluste Ende 2001 vorbereitet und sie als bewusste Folge der Telekom-Wachstumsstrategie verteidigt. Sommer erklärte daher das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) zum entscheidenden Rentabilitätskriterium des Konzerns. Hier konnte die Telekom im vergangenen Jahr tatsächlich zulegen. Vor allen in der Mobilfunksparte ist das Ebitda gestiegen - von 1,4 Mrd. Euro in 2000 auf 3,1 Mrd. Euro.

Analysten sehen Ertragssteigerungen

Analysten erwarten 2002 eine weitere Steigerung. "Allein im Mobilfunk wird sich das Ebitda um 1 Mrd. Euro erhöhen", sagt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Damit werde auch der Cash-Flow steigen. Der lag im vergangenen Jahr bei 16,3 Mrd. Euro. Angesichts dieser Ertragsgröße sei die Verschuldung der Telekom nicht besonders dramatisch, sagte Joeri Sels, Analyst bei Julius Bär.

Beim Abbau ihrer Verbindlichkeiten machte der Konzern kleine Fortschritte. Ende 2001 hatte das Unternehmen Schulden von 62,1 Mrd. Euro. Im dritten Quartal waren es noch etwa 3 Mrd. mehr. Die Telekom will den Schuldenberg Ende des laufenden Jahres auf etwa 50 Mrd. Euro senken. Dieser Plan gerät ins Stocken, da das Unternehmen sein TV-Kabel nicht wie geplant für 5,5 Mrd. Euro an das US-Unternehmen Liberty Media verkaufen konnte. Das Bundeskartellamt hat das Geschäft untersagt. Auch der für dieses Jahr geplante Börsengang der Mobilfunksparte T-Mobile könnte sich bei anhaltend schlechtem Börsenklima erneut verschieben. Damit würden dem Unternehmen 10 Mrd. Euro zum Schuldenabbau fehlen.

Die Telekom hofft auf Erlöse aus dem Verkauf von Immobilien. Die sollen dem Konzern in diesem Jahr etwa 2 bis 3 Mrd. Euro einbringen. Bis zu 1 Mrd. Euro könnte das Geschäft mit Antenneninfrastruktur abwerfen. Die dafür gegründete Gesellschaft soll für die Beteiligung Dritter geöffnet werden.

"Die Verschuldung erlaubt dem Konzern zur Zeit keine großen Sprünge", sagt Rothauge. Wachstum über den Zukauf anderer Unternehmen sei aber vor allem in den USA notwendig. Dort ist die Telekom-Tochter Voicestream trotz eines enormen Kundenwachstums Ende 2001 mit etwa 7 Millionen Nutzern weiterhin die Nummer sechs auf den US-Mobilfunkmarkt. Voicestream soll in diesem Jahr auf Ebitda-Basis erstmalig schwarze Zahlen schreiben.

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