Konzern feilt an Inhaltestrategie
T-Online will den Fernsehschirm erobern

Mit 12 Millionen Abonnenten ist die Internettochter der Deutschen Telekom der größte Online-Dienst in Europa. Ab dem nächsten Jahr soll das Internetportal auch über den Fernseher zugänglich werden. Unterdessen spekulieren die Märkte weiter über einen Teilverkauf des Internetanbieters. Das Interesse von Finanzinvestoren wächst.

tnt FRANKFURT/M. Im kommenden Jahr will T-Online sein Internetportal auch über Fernsehgeräte verfügbar machen. Auf der Computermesse Cebit wird der Online-Dienst die Technologie vorstellen. Das kündigte Vorstandschef Thomas Holtrop im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

Hat T-Online damit Erfolg, könnte das einen enormen Schub für die sogenannten Portalumsätze bedeuten, zu denen neben Werbung und Internethandel auch kostenpflichtige Inhalte gehören. Bereits Anfang des Jahres startete der Internetdienst sein breitbandiges Portal T-Vision, auf dem T-Online neben kostenlosen Inhalten auch Bezahl-Inhalte wie Live-Mitschnitte von Konzertübertragungen anbietet.

Allerdings ist selbst T-Online - mit 2,3 Millionen DSL-Kunden europaweit mit Abstand größter Anbieter von Hochgeschwindigkeits-Internetzugängen - bei der Markteinführung kostenpflichtiger Inhalte noch nicht über das Versuchsstadium hinaus gekommen. Wie viel die Darmstädter tatsächlich mit bezahlten Inhalten umsetzen , will das Unternehmen erst Ende des Jahres bekannt geben. Die Einnahmen dürften allerdings im Verhältnis zu einem von Goldman Sachs 2002 auf 1,6 Mrd. Euro geschätzten Gesamtumsatz, kaum in relevanter Größenordnung ausfallen. Man müsse sich aber immer vor Augen halten, dass "dieser Markt gerade erst entsteht" , sagt Holtrop. "In diesem Jahr wollen wir ausloten, in welchen Bereichen wir erfolgreich sein können. Ab 2004 werden wir höhere Umsätze mit Bezahlinhalten machen", ergänzt der T-Online-Chef.

T-Online-Travel ist auf gutem Weg

Im zweiten Quartal stiegen die Portalumsätze von T-Online im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres um 19 %, was viele Analysten positiv überraschte. Ein Erfolg, der neben der Online-Werbung vor allen Dingen im weit verzweigten Netz von Beteiligungen und Tochtergesellschaften im Feld des E-Commerce erzielt wird. T-Online-Travel sei auf einem guten Weg und auch der Bereich rund um das Auto bleibe interessant.

"Im Markt für Online-Spiele stellen wir ebenfalls eine hohe Zahlungsbereitschaft der Nutzer fest", sagt Guido Weishaupt, der bei T-Online das Portalgeschäft leitet. Zukunft habe darüber hinaus das Thema E-Learning. Eine Zweitverwertung der Fußballbundesliga schließt Holtrop für die nähere Zukunft dagegen aus. "Wir sind an Premiuminhalten wie Fußball interessiert. Allerdings sind die Rechte zu teuer", urteilt er.

Finanzmärkte spekulieren weiter über Teilverkauf

Unterdessen brodeln die Gerüchte über einen bevorstehenden Teilverkauf des Unternehmens an Finanzinvestoren. Die Deutsche Telekom prüft derzeit Möglichkeiten, wie der Schuldenberg von aktuell 66 Mrd. Euro abgetragen werden kann. Sowohl ein Telekom-Sprecher als auch der T-Online-Chef lehnen dazu allerdings eine Stellungnahme ab. Dennoch gehen selbst Managementkreise der Telekom davon aus, dass darüber nachgedacht wird, "ob eine Beteiligung in Höhe von 81 % an T-Online notwendig ist, oder ob nicht beispielsweise 50,1 % ausreichend sind".

Nach Schätzungen von Branchenexperten könnte die Telekom durch eine Platzierung von 30 % der T-Online-Aktien bei institutionellen oder privaten Anlegern zwischen zwei und drei Mrd. Euro erlösen, ohne die unternehmerische Führung aus der Hand zu geben. "Wir haben im Laufe der vergangenen zwölf Monate ein höheres Interesse institutioneller Investoren in Internetportale wie T-Online und Wanadoo festgestellt", sagt Internetanalyst Kai Kaufmann, Internetexperte der Investmentbank Dresdner Kleinwort. So geht der Analyst davon aus, dass T-Online vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) "weiterhin schwarze Zahlen schreiben wird".

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