Konzern gab Übernahme verspätet bekannt
Ärger über Informationspolitik der Telekom

Experten beäugen die Deutsche Telekom kritisch. Ein Grund dafür liegt laut Analysten in der "unglücklichen Kommunikation" im Zusammenhang mit dem Kauf der restlichen Anteile am Debis Systemhaus. Zudem wüchsen erneut Zweifel am geplanten zügigen Abbau des riesigen Schuldenberges.

FRANKFURT/M. Der Telekomanalyst einer britischen Großbank in London wählte drastische Worte: "Anleihekäufer fühlen sich von der Telekom hintergangen", sagte er gestern. Das sei der Hauptgrund für den Kursverfall der Aktie, die am Montag zeitweise über 4 % verlor.

Anleihen platziert ohne detaillierte Informationen

Am Freitag hatte die Deutsche Telekom AG mitgeteilt, dass sie die restlichen Anteile von Daimler-Chrysler am Technologie-Dienstleister Debis Systemhaus (heute: T Systems - ITS GmbH) kauft. "Die Telekom muss aber schon früher von dem bevorstehenden Verkauf gewusst haben", sagte der Londoner Analyst. Die Transaktion kommt laut Daimler jetzt zustande, weil der Autokonzern eine Verkaufsoption zum 1. Januar 2002 ausgeübt hat. Die Telekom hatte im Jahr 2000 zunächst 50,1 % an der Daimler-Tochter gekauft und sie in ihre Beratungssparte T-Systems integriert.

Die Telekom platzierte dem Londoner Analysten zufolge vergangene Woche Anleihen ohne explizit auf die Daimler - Transaktion hinzuweisen. "Einige Anleihekäufer sind jetzt wütend, was die Aktie belastet", sagte er.

Telekom weist Kritik als "konstruiert" zurück

Die Telekom hatte in ihrem Schuldenabbauplan bis Ende 2002 Kosten für die Systemhaus-Übernahme von 4 Mrd. Euro eingeplant, wie Telekomanalyst Frank Roth von der Privatbank Sal. Oppenheim anmerkte. Daimler erwartet Einnahmen von 4,6 Mrd. Euro aus dem Verkauf, so dass nun eine ungeplante Lücke von 600 Mill. Euro bleibe. Telekom-Sprecher Hans Ehnert nannte die Kritik von Analysten und Investoren "sehr konstruiert". "Wir haben letztes Jahr schon mitgeteilt, dass der Verkauf dieses Jahr kommt", betonte Ehnert.

Oppenheim-Analyst Rothauge sprach von einer "unglücklichen Kommunikation". Offenbar hätten einige Anleger die Debis-Transaktion schlicht vergessen. Auch Anleiheanalyst Stephan Molt von der Landesbank Baden-Württemberg erfuhr erst am Freitag von der vorgezogenen Debis-Übernahme. Als die Telekom in den Tagen zuvor Anleihen platzierte, hätten Marktteilnehmer noch "wild spekuliert", wofür das Geld benötigt werde. Am Freitag sagte Telekom-Finanzchef Eick dem Handelsblatt, ein Teil der Einnahmen diene der Finanzierung der Daimler-Transaktion.

Den Verkaufsdruck für die T-Aktie sieht Oppenheim- Analyst Rothauge vor dem Hintergrund zweier negativer Trends: "Zum einen kommen auf die Telekom neue Ausgaben zu, auf der anderen Seite gibt es Unsicherheit auf der Einnahmenseite." Zur Debis-Übernahme komme womöglich der Einstieg beim tschechischen Telekomanbieter Cesky Telekom (Handelsblatt vom 11.1.).

Börsengang der Tochter bedeutend für T-Aktie

Unsicher sei indes der geplante Verkauf des Fernsehkabelnetzes an Liberty Media. Und auch der angekündigte Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobil steht angesichts des schlechten Börsenklimas unter keinem guten Stern "So wachsen Zweifel, ob die Telekom beim Schuldenabbau wie geplant vorankommt", sagte Rothauge. Die Reduzierung des 66 Mrd. Euro hohen Schuldenberges ist eine zentrale Forderung vieler Telekom-Aktionäre.

Dennoch bleibt Rothauge bei seinem optimistischen Anlageurteil "Outperform" - auf Grund der mittelfristig positiven Ertragsaussichten im Mobilfunk- und Festnetzgeschäft. Der Londoner Telekomanalyst warnt hingegen, ein enttäuschender Börsengang von T-Mobil könne einen erneuten Kurseinbruch der T-Aktie auslösen. "Man muss sich nur anschauen, was mit France Télécom nach dem Börsengang der Mobilfunktochter Orange passiert ist", sagt er. Die Aktie der Muttergesellschaft verlor nach der missglückten Orange-Emission zeitweise 40 % an Wert.

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