Konzern legt kurzfristig Sanierungsplan für amerikanische Lkw-Tochter Freightliner vor
Chrysler macht Daimler neue Sorgen

Die Sanierung der angeschlagenen US-Pkw-Sparte wird für Daimler-Chrysler zum Kraftakt. Nach dem 11. September könnte die für 2002 geplante Rückkehr in die Gewinnzone schwierig werden. Merrill Lynch senkte die Erwartungen.

ajo/ga STUTTGART/TOKIO. Die Folgen des Terrorangriffs auf die USA könnten Daimler-Chrysler bei der Sanierung seiner US-Pkw-Sparte einen Strich durch die Rechnung machen. Bei der Vorlage des Konzeptes im Februar hatte Daimler den Anlegern in Aussicht gestellt, dass Chrysler schon 2002 in die Gewinnzone zurückkehren werde. Jetzt hat Chrysler-Chef Dieter Zetsche eine Überarbeitung des Sanierungsplans nicht mehr ausgeschlossen.

Zetsche, der vergangenes Jahr zur Sanierung nach Detroit geschickt wurde, erklärte bei der Eröffnung eines Händlerzentrums nahe Detroit, dass man an der Umsetzung des Sanierungsprogramms fest halte. Doch in Teilen könnte es "beschleunigt und intensiviert" werden. So hält es Zetsche für möglich, dass die Absatzprognosen für 2002 nach unten revidiert werden müssen. Zudem sei es aus Wettbewerbsgründen schwierig, bei dem nach dem 11. September aufgelegten Finanzierungprogramm zurückzurudern.

Mit diesem teuren Programm hat Daimler-Chrysler den Vorstoß der US-Konkurrenten General Motors und Ford beantwortet und bietet nun ebenfalls eine zinslose Finanzierung beim Autokauf an. Die Programme haben in den USA im Oktober zu einer Erholung der Absatzzahlen geführt. "Wir haben zusätzliche Herausforderungen auf der Einnahmenseite", sagte Zetsche. Man müsse daher Gegenmaßnahmen entwickeln. Details wollte er nicht nennen. Am 23. Oktober legt der Konzern den Zwischenbericht vor.

Das US-Geschäft ist derzeit die große Unbekannte von Daimler-Chrysler. Denn weitere Belastungen drohen aus dem Sanierungsplan der US-Nutzfahrzeugtochter Freightliner. Details des Vorhabens wird der Konzern kurzfristig vorlegen. Freightliner leidet neben dem Einbruch des US-Schwerlastermarktes unter hohen Abschreibungen auf Leasingverträge. Der Verlust wird ohne Sanierungsaufwendungen auf etwa 1 Mrd. Euro geschätzt. Erwartet wird, dass der Sanierungsplan Gehaltskürzungen und auch Fabrikschließungen vorsieht.

Hingegen zeigt sich Rolf Eckroth, der als Vizechef zur ebenfalls angeschlagenen japanischen Beteiligung Mitsubishi Motors entsandt wurde, optimistisch, dass der japanische Autobauer operativ im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnschwelle erreichen wird. Allerdings werde der US-Absatz etwa 6 % unter dem Plan liegen. Dagegen will MMC in Japan die Präsenz auf dem Mini-Car-Markt massiv ausbauen. Der Marktanteil soll hier von 12 auf 18 % wachsen. Dazu hat MMC jetzt den neuen eK Wagon in Tokio vorgestellt.

Die Finanzmärkte bleiben zurückhaltend. Nach dem Vorbild einiger Konkurrenten nahm auch das US-Investmenthaus Merrill Lynch seine Gewinnschätzungen am Donnerstag zurück. Die Analysten halten es für möglich, dass Chrysler 2001 einen operativen Verlust von 2,8 bis 3 Mrd. Euro ausweisen wird. Damit würde Chrysler das eigene Ziel einer Verlustbandbreite von 2,2 bis 2,6 Mrd. Euro nicht erreichen. Für 2002 rechnet Merrill Lynch sogar mit 1 Mrd. Euro Verlust, während die Deutsche Bank für 2002 bei Chrysler einen Verlust von 500 Mill. Euro erwartet.

Dennoch legte die Daimler-Chrysler-Aktie am Donnerstag auf Grund des günstigen Umfeldes um gut 3 % auf knapp 40 Euro zu. Die von der EU-Kommission am Mittwoch auferlegte Buße von 72 Mill. Euro wegen Verstößen gegen den Wettbewerb beeindruckte kaum. Daimler-Chrysler hat bereits angekündigt, gegen die Strafe vor dem europäischen Gerichtshof zu klagen.

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