Konzern mit 1 Milliarde Euro überschuldet
Babcock kann Insolvenz in Eigenverwaltung fortführen

Das Ergebnis der Gläubigerversammlung am Dienstag in Oberhausen war einstimmig. "Wir sind angespornt, auf diesem Wege weiterzumachen", sagte Vorstandschef Horst Piepenbrock.

HB/dpa OBERHAUSEN.

Die Gläubiger, die bislang Forderungen in einer Gesamthöhe von 4 Mrd. Euro angemeldet haben, dürfen nach bisheriger Schätzung von Vorstand und Insolvenzverwalter mit einer Quote von 10,8 % rechnen. "Ziel sind aber 20 bis 25 %", sagte Insolvenzverwalter Helmut Schmitz. Mehr als 3 Mrd. der 4 Mrd. Euro seien Bürgschaftsversicherungen, die nicht zum Tragen kämen, sagte Piepenbrock. Die realistischen Forderungen lägen bei 800 bis 900 Mill. Euro. Die Überschuldung gab Babcock mit 1 Mrd. Euro an. Darin seien Forderungen von Tochtergesellschaften enthalten.

Ein Abschluss des Insolvenzverfahrens wird nicht vor dem Jahr 2008 erwartet. Solange müssen sich auch die Gläubiger gedulden. Zum aktuellen Stand der Mitarbeiterzahl des Unternehmens mit ehemals 21 000 Beschäftigten wurden keine Angaben gemacht. 17 000 Arbeitsplätze in bestehenden oder verkauften Babcock-Gesellschaften seien aber gesichert.

Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen möglicher Insolvenzverschleppung, sagten Piepenbrock und Schmitz, es habe bereits zum 31. Dezember 2001 Anzeichen für Zahlungsprobleme gegeben. "Es spricht vieles dafür", sagte Piepenbrock. Aus Prüfungsberichten hätten sich für Vorstand und Aufsichtsrat "starke Indizien" für eine drohende Zahlungsunfähigkeit ergeben. Ob sich zum Beispiel Regressforderungen gegen den früheren Vorstandschef Klaus Lederer ergäben sei noch unklar. Gegen Lederer und andere Verantwortliche richtet sich die Anzeige der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Lederer hatte im Frühjahr Anteile an der Kieler Marinewerft HDW verkauft und damit Babcock in Schwierigkeiten gebracht. "Es gibt aber keine monokausalen Ursachen", sagte Schmitz. Der Aufsichtsrat mit Friedel Neuber an der Spitze sei zum Beispiel häufig spät informiert worden. Der Prüfbericht sei allerdings auch dem Aufsichtsrat zugänglich gewesen, sagte Schmitz.

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