Konzern nutzt die dramatische Talfahrt der High-Tech-Aktien in den USA zum Einstieg
Kommentar: Siemens geht auf Einkaufstour zu Schnäppchenpreisen

Das Leiden der Anleger ist groß: Die Aktien der High-Tech-Unternehmen an der US-Wachstumsbörse Nasdaq, insbesondere von Internet-Firmen, sind auf Talfahrt. Manche der hochspekulativen Papiere befinden sich seit Wochen fast im freien Fall. Die Verluste an der Börse erreichen schwindelnde Milliardenhöhen. Auch die Großen der Branche können sich dem Trend nicht entziehen.

Des einen Leid ist des anderen Freud. Der Siemens-Konzern geht nämlich jetzt auf Einkaufstour und will dabei die günstigen Schlussverkaufs-Preise nutzen. Dabei haben die Münchener insbesondere die USA ins Visier genommen. Gestern gab Konzernchef Heinrich von Pierer auf der Hauptversammlung den jüngsten Coup bekannt. Für rund 1,5 Milliarden Dollar übernimmt Siemens den Breitband-Spezialisten Efficient Networks, eine der weltweit führenden Firmen in diesem Spezialmarkt. Der Zeitpunkt scheint günstig, ist doch die Efficient-Aktie an der Nasdaq seit dem vergangenen Sommer von über 180 Dollar auf zuletzt nur noch 13 Dollar dramatisch gefallen. "Schnäppchen" könnte man so etwas nennen.

Und die Übernahme von Efficient Networks soll nur der Anfang sein. "Wir sind da nicht am Ende", sagte gestern von Pierer seinen Aktionären und kündigte weitere Zukäufe an. Das Timing ist gut. Nicht nur die Preise sind im Keller. Auch die Siemens-Kriegskasse ist durch die Verkäufe einiger Geschäftsbereiche, insbesondere durch die Börsengänge von Infineon und Epcos, prall gefüllt. Zum anderen steht der Gang des Konzerns an die New Yorker Börse an. Am 12. März will Siemens die Notierung an der Leitbörse der Welt aufnehmen - und bekommt damit eine wertvolle Akquisitionswährung in die Hand. Damit könnten dann auch größere Akquisitionen in den USA bezahlt werden.

Siemens-Chef von Pierer hat in den vergangenen beiden Jahren für seine konservative Zukauf-Strategie viel Prügel einstecken müssen. Denn er betonte immer wieder, die Preise, gerade im High-Tech-Bereich in den USA, seien zu hoch. Akquisitionen würden sich nicht rechnen. Analysten warfen ihm vor, er würde mit seinem Zögern die Zukunft verspielen und bald hoffnungslos den Anschluss verlieren. Die Siemens-Konkurrenten, allen voran Cisco, aber auch Alcatel, gingen nämlich gleichzeitig mit Milliarden auf Einkaufstour und zahlten fast jeden Preis. Die Folge: Jetzt drücken hohe Schulden. Die Abschreibungen auf die Zukäufe lasten auf der Ertragslage.

Doch den schnellen und dramatischen Absturz der High-Tech-Werte haben damals nicht einmal die größten Pessimisten vorausgesehen. Insofern hat Siemens natürlich auch Glück. Die Herausforderung liegt jetzt darin, die wenigen echten "Perlen" in den USA zu finden. Denn viele Aktien sind zu Recht in den Keller gerauscht, zu gering ist die Substanz manches Hoffnunsgwertes.

Dazu kommt: Siemens hat in einigen Zukunftstechnologien, etwa im Internet-Datenverkehr, wertvolle Zeit verloren. Der Aufholprozess wird kräftezehrend. Doch dabei hat von Pierer Erfahrung. Auch bei Handys war der Münchener Konzern vor gut zwei Jahren kurz vor dem Aus. Mit einem Kraftakt hat Siemens aber den Anschluss geschafft und ist in Europa zur Nummer Zwei aufgestiegen.

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