Konzern plant Zukäufe
Tchibo prüft Aufbau einer Franchise-Kette

Bislang verkauft der Tchibo Kaffee (Tchibo, Eduscho) und Gebrauchsartikel (TCM) nur über eigene Filialen sowie über Verkaufsstellen im Einzelhandel und in Bäckereien. Um sein Netz auszuweiten, will Tchibo nach Informationen aus Bankenkreisen auch auf Franchise-Nehmer zurückgreifen.

HAMBURG. Damit ließe sich die Expansion gegenüber dem Aufbau einer eigenen Niederlassungskette beschleunigen, hieß es in den Kreisen. Dies gelte sowohl für das Geschäft im Inland wie im Ausland. Der Konzern hat Erfahrung im Umgang mit Franchise-Ketten: Tchibo-Miteigentümer Michael Herz gehört die Franchisekette "Blume 2000", für deren Leistung er jüngst mit einem Preis in der Branche ausgezeichnet worden ist.

Die Tchibo Holding, Großaktionärin des Kosmetikkonzerns Beiersdorf (Nivea, Hansaplast, Tesa), sucht zudem verstärkt nach neuen Beteiligungs-Möglichkeiten. Dies bestätigen unternehmensnahe Kreise. Im Fokus stehen kleinere Anteile an Markenartiklern oder stark handelsorientierten Unternehmen. Tchibo werde sich auf die Geschäfte konzentrieren, in denen der Konzern Erfahrung habe, heißt es aus den gleichen Quellen.

Vorstandschef Reinhardt Pöllath hat gegenüber Managern des Konzerns zu verstehen gegeben, dass er auf Risikostreuung setzt. Der Kauf eines größeren Paketes an einem anderen Unternehmen komme aber nicht in Frage.

Tchibo verfügt aus dem Verkauf der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH (Marke: West) an die britische Imperial Tobacco Group über eine Kriegskasse von gut 6 Mrd. Euro. Bislang galten diese Mittel allein reserviert für eine Erhöhung des Anteils an Beiersdorf. Das Interesse an dem Nivea-Hersteller besteht auch weiterhin: Tchibo hat immer klargestellt, dass sich der Konzern von seiner 30,1 %igen Beteiligung nicht trennen will.

Doch ist die Neuordnung der gesamten Beiersdorf-Beteiligungen ins Stocken geraten. Der Münchener Versicherungsriese Allianz hält 43,6 % an Beiersdorf. Alle Bemühungen der Allianz, einen Käufer für das Beiersdorf-Paket zu finden, sind bisher gescheitert. So hat in den zurückliegenden Wochen der französische Kosmetikkonzern L?Oreal ebenso abgewinkt wie der US-Konzern Procter & Gamble.

Schuld daran sind offenbar nicht nur die Preisvorstellungen der Allianz. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen hätten Interessenten keine Möglichkeit gesehen, an der nicht verkaufswilligen Tchibo Holding vorbei zu operieren. Zusammen mit den gegenüber Tchibo positiv gestimmten Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat kann Beiersdorf-Großaktionär Tchibo Neueinsteiger bei wesentlichen Entscheidungen blockieren.

Angesichts der Unsicherheit über die Zukunft der Beiersdorf AG hat deren Chef Rolf Kunisch die Eigenständigkeit des ertragreichen Beiersdorf-Konzerns hervorgehoben und in ungewohnt offener Form an die Hauptaktionäre plädiert. Die aus seiner Sicht bewährte Anteilseignerstruktur bei Beiersdorf solle unverändert gelassen werden, damit der Konzern nicht "der Zockerei" anheim falle, sagte Kunisch. Dieser Appell sei vorrangig an die Allianz gerichtet, betonen Beiersdorf nahe stehende Kreise.

Quelle: Handelsblatt

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