Konzern rechnet mit Gewinnrückgang
Pharma setzt Bayer unter Druck

Die Bayer AG hat mit ihrer Gewinnwarnung den Finanzmarkt nur in einem Punkt überrascht: Neben der Konjunkturschwäche und dem hohen Ölpreis machen dem Konzern unerwartet starke Produktionsprobleme im Pharmageschäft Sorgen. Den Gang an die New Yorker Börse wagt Bayer damit nicht in bester Verfassung.

bef DÜSSELDORF. Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat mit der Auslieferung seines Medikamentes Kogenate wesentlich größere Schwierigkeiten als zunächst erwartet. Die anhaltenden Probleme bei der Produktion des Blutgerinnungsmittels in den USA sind neben der Konjunkturschwäche und dem hohen Ölpreis Hauptgrund dafür, dass Bayer gestern für das Geschäftsjahr 2000 eine Gewinnwarnung ausgeben musste.

Bayer rechne nicht mehr damit, den operativen Gewinn aus fortzuführenden Geschäften in diesem Jahr zu steigern, teilte das Unternehmen mit. Im Mai hatte das Management noch ein einstelliges Wachstum prognostiziert, zuvor war von zweistelligem Plus die Rede. Der Konzern erwartet nun einen operativen Gewinn "in der Größenordnung von 3 Mrd. ?" nach 3,34 Mrd. ? im vorigen Jahr.

Unerwartete Schwierigkeiten bei Arzneimittel-Produktion

Überraschend für den Finanzmarkt kam nicht die Gewinnwarnung selbst. Analysten hatten damit gerechnet, nachdem BASF vorigen Donnerstag eine Gewinnstagnation im zweiten Quartal mitgeteilt hatte. Die Bayer-Aktie hatte danach deutlich an Wert verloren, notierte gestern Abend bei 43,63 ? aber wieder etwas stärker. Unerwartet waren die größeren Probleme mit Kogenate. "Es ist überraschend, dass einer der Hauptgründe für die Gewinnwarnung aus dem Pharmageschäft kommt", sagte Ludger Mues, Analyst bei der Bank Sal. Oppenheim.

Bislang war Bayer davon ausgegangen, dass die Probleme bei der Auslieferung von Kogenate im September beseitigt seien und sich ein Gewinnausfall in Höhe von allenfalls 250 bis 300 Mill. ? ergebe. Nach Angaben des Konzerns werden die technischen Probleme nun erst gegen Jahresende behoben sein und den Gewinn noch stärker belasten. Genaue Zahlen dazu gab Bayer nicht bekannt. Mit Kogenate erzielte Bayer voriges Jahr einen Umsatz von 491 Mill. ?, es ist das viertstärkste Medikament in der Pharmasparte.

Bakterielle Verunreinigung

Die Lieferengpässe von Kogenate ziehen sich bereits seit Monaten hin. Grund: Die Herstellung des Mittels in einem US-Werk wurde nach einer Inspektion durch die US-Arzneimittelbehörde FDA heruntergefahren, da in Teilen der Produktion Spuren einer bakteriellen Verunreinigung entdeckt worden waren. Die Anlage wurde danach auf Sicherheit und Hygiene überprüft.

Der Neustart der Produktion gilt als schwierig, weil das Medikament gentechnisch hergestellt wird. "Die Probleme mit Kogenate könnten sich noch bis ins erste Quartal 2002 hineinziehen, weil die Anlage zunächst in kleinerem Umfang gefahren werden muss", befürchtet Analyst Mues.

Hoher Ölpreis drückt auf Gewinne

Im Arbeitsgebiet Gesundheit wird Bayer eigenen Angaben zufolge sein Vorjahresergebnis nicht erreichen. Große Schwierigkeiten hat der Konzern momentan auch im Arbeitsgebiet Polymere, in dem etwa Kunststoffe für Autos sowie Rohstoffe für Lacke hergestellt werden. Neben der Konjunkturschwäche drückt hier der anhaltend hohe Ölpreis auf die Gewinne. Bayer muss zur Herstellung der Kunststoffe teure, auf Öl basierende Vorprodukte einkaufen und kann die Kosten wegen der schwachen Konjunktur kaum über Preiserhöhungen weitergeben.

Im Gegensatz zu BASF will Bayer aber nun keine Standorte schließen und kündigte auch keine neuen, größeren Schritte zur Kostensenkung an. "Wir halten an den geplanten Ausgaben für Investitionen sowie für Forschung und Entwicklung unverändert fest", sagte ein Sprecher.

US-Börsengang nicht in optimaler Verfassung

Positiv entwickeln sich laut Bayer die Arbeitsgebiete Agrochemie und Chemie. Dort zeigten sich die Produkte der Aroma- und Riechstofftochter Haarmann & Reimer robust. Das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln habe sich im April und Mai verbessert.

Wegen der Konjunkturschwäche und den unerwarteten Pharmaprobleme geht Bayer in den kommenden Wochen nicht in optimaler Verfassung auf Roadshow bei Investoren in den USA. Der Konzern will Ende September in New York an die Börse gehen. "Die Investoren werden von den Problemen nicht begeistert sein", vermutet Analyst Mues. "Der Vorteil ist aber, dass nun alle schlechten Nachrichten von Bayer bekannt sein dürften."

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