Konzern rüstet sich für Zukäufe
Siemens überrascht mit Milliardenanleihe

Mit einer überraschenden Milliardenanleihe rüstet sich der Siemens-Konzern für mögliche Zukäufe. Konkrete Pläne für eine Übernahme besitzt der Münchener Industriekonzern nach Aussage eines Firmensprechers derzeit jedoch nicht.

Reuters MÜNCHEN. Siemens gab am Donnerstag die Ausgabe einer Wandelanleihe über 2,5 Mrd. ? mit einer Laufzeit von sieben Jahren bekannt. Damit wolle der Konzern von den derzeit niedrigen Zinsen und der hohen Volatilität an den Kapitalmärkten profitieren. Beides ist günstig für den Emittenten einer Wandelanleihe, bei der Schulden in Aktien zurückgezahlt werden können. "Der Erlös aus der Emission wird für allgemeine Unternehmenszwecke genutzt und zur Stärkung der finanziellen Flexibilität von Siemens verwendet", hieß es. Marktspekulationen über mögliche Übernahmeprojekte trat Siemens entgegen. "Wenn hier Spekulationen angestellt werden, kann ich sagen: Nein, es gibt keinen aktuellen Bezug", sagte ein Sprecher.

Auch in Branchenkreisen hieß es, hinter der Transaktion stecke kein konkreter Übernahmeplan. Siemens nutze vielmehr die günstigen Marktbedingungen. Allerdings könnten sich in den sieben Jahren Laufzeit der Anleihe verschiedene Chancen ergeben. Die Siemens-Aktie kam an der Frankfurter Börse unter Druck und verlor am Vormittag 2,6 % auf 38,41 ?. Händler begründeten den Kursrückgang mit der erwarteten Gewinnverwässerung durch die Ausgabe der jungen Aktien zur Rückzahlung der Anleihe.

Morgan Stanley und UBS betreuen Emission

Betreut werde die Emission von Morgan Stanley und UBS, teilte das Unternehmen weiter mit. Zielgruppe seien institutionelle Investoren außerhalb der USA. Das Papier werde von einer niederländischen Finanztochter von Siemens begeben und von Siemens selbst garantiert. Die Anleihe sei wandelbar in rund 45 Mill. Siemens-Aktien aus genehmigten Kapital. Dies entspricht rund fünf Prozent der aktuellen Aktienzahl des Konzerns. Der Kupon der zu 100 % (Par) ausgegebenen Anleihe soll zwischen 0,875 und 1,375 % liegen, die Wandelprämie zwischen 45 und 50 %.

Zeitpunkt für Analysten nachvollziehbar

Analysten sagten, der Zeitpunkt der Emission sei angesichts der günstigen Marktbedingungen nachvollziehbar. Allerdings sei die Erläuterung "für allgemeine Unternehmenszwecke" ein bisschen dünn, sagte Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck: "Ich weiß nicht, ob das dem Markt ausreicht." Andererseits sei es ziemlich eindeutig, dass Siemens mit der Anleihe die günstigen Marktbedingungen ausnütze. Auch Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz sprach von einem ganz normalen Geschäft. "Rückschlüsse auf den Zweck lässt dies nicht zu".

Erst bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Ende April hatte Siemens bestätigt, offen für günstigen Kaufgelegenheiten zu sein. "Wir schauen uns alles an, was zum Verkauf gestellt wird, ob es bei uns reinpasst", hatte Konzernchef Heinrich von Pierer gesagt. Dafür sei sicher noch Spielraum in der Bilanz.

Siemens ist für solche Zwecke gut mit Barmitteln ausgestattet, während Konkurrenten wie die französische Alstom oder kleinere Technologieunternehmen der New Economy ihre Bilanzen mit Verkäufen sanieren müssen. Zuletzt hatte Siemens im April den Kauf einer Turbinentochter von Alstom bekannt gegeben. Presseberichte, auch über die Bahnsparte von Alstom gebe es Kaufverhandlungen, hatte Siemens in der vergangenen Woche dementiert. Analysten sagten, Alstom habe noch andere für Siemens interessante Sparten, etwa die Stromübertragung.

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