Konzern schreibt operativ schwarze Zahlen
Ackermann bringt Deutsche Bank auf Kurs

Die Deutsche Bank hat überzeugt: Sie konnte im zweiten Quartal einen operativen Gewinn ausweisen und belehrte damit Pessimisten eines Besseren. Vorstandssprecher Josef Ackermann setzte sich erneut gegen Vorwürfe im Zusammenhang mit den Abfindungen an frühere Mannesmann-Vorstände zur Wehr.

pk/nw FRANKFURT/M. Die "Droge Beteiligungserlöse" verliert für die Deutsche Bank ihre Wirkung. "Ab Januar müssen wir ausschließlich operativ überzeugen", betonte der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz. Die Zeit der Verkäufe kann aber noch schneller zu Ende gehen. Der neue Vorstandssprecher warnte: Sollte die Börsenflaute anhalten, würden vorerst keine weiteren Anteilspakete veräußert. "Wir hoffen auf gute Kurse bei Daimler", sagte Ackermann in Anspielung auf das zur Disposition stehende Anteilspaket von gut 12 % am Automobilkonzern, das nach der Berechnung von Credit Suisse First Boston über 5 Mrd. Euro wert ist.

Trotz schwieriger Marktbedingungen bewährte sich nach den Worten von Ackermann das Geschäftsmodell der Deutschen Bank mit der Konzentration auf die Kernkompetenzen. Das Institut hat seinen Gewinn steigern können. Analysten hatten im Vorfeld der Halbjahreszahlen mit einer Gratwanderung gerechnet und teilweise einen operativen Verlust erwartet. Im zweiten Quartal wurde im Konzern aber ein operatives Ergebnis von 913 Mill. Euro erzielt, entsprechend einem Plus von 40 % gegenüber den 648 Mill. Euro in den ersten drei Monaten.

Der Gewinn vor Steuern stieg um 75 % auf 2,223 Mrd. Euro. Die Bank hat dabei stark vom Verkauf ihrer Beteiligungen an der Münchener Rück und der Allianz profitiert. Die Börse nahm den Zwischenbericht wohlwollend auf; die Aktie der Deutschen Bank lag am frühen Abend in einem sehr schwachen Gesamtmarkt nur um gut ein Prozent niedriger.

Mit Rendite und Effizienz der Bank ist Ackermann noch längst nicht zufrieden. Für das Gesamtjahr 2002 ergebe sich pro forma eine Aufwand-Ertrag-Relation von 77 % - das Ziel ist es, unter 75 % zu kommen. Die Eigenkapitalrendite läge pro forma bei 21 (Ziel: 25) % vor Steuern. Bisher hat der Deutschen die Börsenentwicklung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ackermann: "Um unsere Ziele zu erreichen, brauchen wir auch eine Erholung der Märkte."

Mit einer auf das Jahr hochgerechneten Eigenkapitalrendite nach Steuern von 7 % liegt die Deutsche Bank hinter vielen Konkurrenten, am größten ist der Abstand zur Citigroup (20 %) und Morgan Stanley (14 %). An den Zahlen der beiden Institute misst Ackermann die eigene Bank. Auch nach der Aufwand-Ertrag-Relation ist die Deutsche mit ihren 77 % schlechter als die wichtigsten Wettbewerber. Um einen Euro zu verdienen, muss das Institut also 77 Cent aufwenden. Bei der Citigroup und JP Morgan Chase sind es dagegen nur 54 bzw. 64 Cents.

Analysten pessimistischer

Einige Analysten konnten die schwarzen Zahlen im operativen Geschäft nicht nachvollziehen und errechneten teilweise erheblich schlechtere Ergebnisse. Georg Kanders von der Westdeutschen Landesbank kam auf einen kleinen Verlust im operativen Geschäft, Dieter Hein vom Credit Lyonnais sogar auf minus 200 Mill. Euro. Ihre Kritik: Die Überleitung des Vorsteuerergebnisses laut Gewinn- und Verlustrechnung hin zum bereinigten Gewinn nach US-Rechnungslegung US-Gaap sei zu weit gefasst. Deutsche-Bank-Finanzvorstand Clemens Börsig weist die Kritik zurück: "Wir halten uns exakt an die international übliche Abgrenzung", sagte er.

Insgesamt stiegen die Erträge des Konzerns im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten 2002 um 8 % auf 8,1 Mrd. Euro, wobei vor allem der Provisionsüberschuss - unter anderem durch die erstmalige Konsolidierung des US-Vermögensverwalters Scudder - mit 3,0 Mrd. Euro nach 2,6 Mrd. Euro deutlich höher ausfiel. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft wurde angesichts des schlechten Konjunkturumfelds auf 588 Mill. Euro mehr als verdoppelt. Das Kreditportfolio sei alleine im zweiten Quartal um 11 % oder 16 Mrd. Euro zurückgefahren worden, größere Einzelposten wolle man weiter reduzieren.

Vehement wehrte sich Ackermann gegen Vorwürfe im Zusammenhang mit Bonuszahlungen an ehemalige Führungskräfte der Mannesmann AG. Die Millionenabfindungen nach der Übernahmeschlacht mit Vodafone seien "rechtlich wie moralisch überhaupt nicht zu kritisieren". Wenn solche Boni für herausragende Leistungen in Deutschland nicht mehr möglich seien, werde dies auch im Ausland sehr negativ aufgenommen.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf, die wegen des Verdachst der Untreue gegen das Ex-Aufsichtsratsmitglied ermittelt, veranstalte ein "Scherbengericht über Führungsqualitäten der deutschen Wirtschaft", sagte Ackermann. Jetzt sei auch die Politik gefordert, um Schaden vom Standort Deutschland abzuwenden. Wenn die Neidkultur anhalte, würden Top-Investmentbanker abwandern, auch die Ertragszahlen der Deutschen Bank würden dann anders aussehen.

Quelle: Handelsblatt

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