Konzern sieht sich für 2002 im Plan
Thyssen-Krupp überrascht die Analysten

Die Thyssen-Krupp AG hat im dritten Quartal 2001/02 vor Steuern zwar weniger verdient als vor einem Jahr, dabei aber deutlich besser abgeschnitten als von Experten erwartet. Für den weiteren Verlauf rechnet der Konzern mit einer anhaltend positiven Entwicklung.

Reuters DÜSSELDORF. Nach dem konjunkturbedingt schwachen ersten Halbjahr habe die Geschäftsentwicklung im Zeitraum April bis Juni "spürbar angezogen" und bei allen Segmenten des Mischkonzerns zu einem Gewinn geführt, teilte Thyssen-Krupp am Donnerstag mit. Den höchsten Beitrag habe die Stahlsparte geleistet, die im ersten Halbjahr noch Verluste verbucht hatte. Die Finanzverbindlichkeiten seien netto zum 30. Juni auf 6,3 Milliarden Euro reduziert worden nach 7,3 Milliarden Euro Ende März. Die Aktie legte um sechs Prozent auf 14,10 Euro zu.

Weiter positive Entwicklung erwartet

Thyssen-Krupp habe den Tiefpunkt überwunden, hieß es weiter. Wenngleich das vierte Quartal auf Grund normaler saisonaler Effekte schwächer als das Vorquartal ausfallen werde, erwarte der Vorstand trotz anhaltend schwacher Konjunktur eine positive Entwicklung. Das Quartalsergebnis werde aber durch Restrukturierungsaufwendungen in der Automobilzulieferung einmalig mit 100 Millionen Euro belastet.

Dennoch sei im Gesamtjahr bei einem Umsatzrückgang auf 36 (Vorjahr: 38) Milliarden Euro ein bereinigtes Ergebnis vor Steuern von 400 Millionen Euro realisierbar. 2000/01 hatte Thyssen-Krupp ein Ergebnis vor Steuern von 876 Millionen Euro ausgewiesen. Ohne Sondereinflüsse waren es rund 500 Millionen Euro gewesen.

Drittes Quartal über den Einschätzungen der Analysten

Für den Zeitraum April bis Juni wies Thyssen-Krupp ein Ergebnis vor Steuern und Anteilen Dritter von 316 (435) Millionen Euro aus. Damit übertraf der Konzern selbst die höchsten Prognosen der Experten, die im Mittel ein Ergebnis vor Steuern von 145 Millionen Euro erwartet hatten. Die höchste Schätzung hatte bei 231 Millionen Euro gelegen.

Der Überschuss ging nach Konzernangaben auf 202 (331) Millionen Euro zurück. Der Umsatz blieb mit 9,6 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Analysten hatten hier im Schnitt mit 9,3 Milliarden Euro gerechnet. Der Auftragseingang habe mit 9,4 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahr gelegen. Kumuliert ergab sich für die ersten neun Monate ein Umsatz im Konzern von knapp 27 (Vorjahreszeitraum: 28,4) Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Steuern von 440 Millionen Euro nach 1,0 Milliarden Euro im Jahr zuvor.

Wieder Gewinne mit Stahl

Nach Verlusten im ersten Halbjahr von 65 Millionen Euro erzielte Thyssen-Krupp im Stahlgeschäft im dritten Quartal einen Gewinn vor Steuern von 121 (Vorjahresquartal: 346) Millionen Euro. Die Nachfrageerholung auf dem internationalen Stahlmarkt wirke sich zunehmend positiv aus, hieß es. Der Auftragseingang lag im Zeitraum April bis Juni mit 3,1 Milliarden Euro um zwei Prozent über dem Vorjahreswert, der Umsatz mit ebenfalls 3,1 Milliarden Euro um ein Prozent leicht darunter.

Mögliche Risiken infolge der verhängten US-Schutzzölle wertete Thyssen-Krupp als gering ein. Zum einen sei der direkte wirtschaftliche Einfluss ohnehin begrenzt, da das Liefervolumen von 200 Millionen Euro in die USA nur zwei Prozent der Stahlexporte ausmache. Zum anderen habe der Konzern bei seinen Anträgen auf Freistellung seiner US-Lieferungen von den Zöllen erste Teilerfolge erzielt. Insgesamt seien für die gesamten 360 000 Tonnen Ausnahmegenehmigungen beantragt worden, die von den Schutzzöllen betroffen sind.

Wachstum in Sicht

Unter Analysten hieß es einhellig, die Erwartungen seien übertroffen worden. Die Zeichen stünden nun vor allem in dem für den Konzerngewinn wichtigsten Geschäftsbereich Stahl auf Wachstumskurs. Darüber hinaus erweitere die Reduzierung der Finanzverbindlichkeiten dem Konzern Spielraum für Akquisitionen, hieß es bei der Bankgesellschaft Berlin. Das Bankhaus Merck Fink, das die Aktie derzeit mit "Marketperformer" bewertet, will sein Rating möglicherweise anheben. Die Aussichten für Thyssen-Krupp seien "sehr gut", hieß es zur Begründung.

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