Konzern sucht nach neuem Geschäftskonzept
Start der Mobilcom-Bank verzögert sich

Der Büdelsdorfer Telekomanbieter Mobilcom AG hat den Marktstart ihrer Mobilbank GmbH verschoben. Das Gemeinschaftsunternehmen mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Stuttgart, soll voraussichtlich erst Anfang nächsten Jahres in Betrieb gehen und nicht im Herbst dieses Jahres, wie ursprünglich geplant.

lip HAMBURG. Das Geschäftsmodell des Joint Ventures werde überarbeitet, begründet ein Mobilcom-Sprecher die Verzögerung. Denn angesichts der gegenwärtigen schlechten Entwicklung an den Börsen könne der geplante Aktienhandel per Mobiltelefon (Mobile Brokerage) langfristig nicht rentabel betrieben werden. Er war neben der Bezahlung von Gütern und Dienstleistungen via Handy einer der wichtigsten Umsatz- und Ertragsbringer der neuen Bankgesellschaft. "Es gibt derzeit für den Aktienhandel per Handy keinen Markt", betonte der Mobilcom-Sprecher. Das zeigten auch die Probleme von Direktbrokern. Diese hätten wegen der Situation an den Börsen erhebliche Geschäftseinbußen. Die Zahl der Kunden, die den Wertpapierhandel über das Internet betreiben, gehe zurück.

Die Mobilcom AG sucht derzeit nach alternativen Geschäftsmodellen, um den geplanten Dienst für seine fünf Millionen Mobilfunkkunden und die Kunden der LBBW attraktiv zu gestalten. Die Büdelsdorfer haben dafür die Unternehmensberatung Roland Berger eingeschaltet. "Wir haben uns bereits alternative Geschäftsideen ausgedacht, über die wir aber noch nicht berichten können", sagte ein Mobilcom-Sprecher. Für die am Neuen Markt notierte Telekomgesellschaft sind die mobilen Bankdienstleistungen eine wichtige Säule, um das künftige Geschäft mit dem neuen Mobilfunkübertragungsstandard UMTS voranzutreiben. Die Gesellschaft will ihren Kunden Mitte 2002 die neue Technologie anbieten.

In Unternehmenskreisen heißt es, dass Mobilcom die geplanten mobilen Bankdienstleistungen zunächst über das Mobilfunknetz des Konkurrenten E-Plus anbieten werde, um später leichter auf das eigene UMTS-Netz umstellen zu können. Mobilcom hat ein Abkommen geschlossen, um das bestehende Netz von E-Plus nutzen zu können.

Ob für Mobilcom die Gründung einer Bank noch sinnvoll ist, darüber sind Analysten geteilter Meinung. "Die Euphorie im Mobile Banking ist angesichts der Lage an den Aktienmärkten vorbei. Ohne ein neues Geschäftsmodell, womit Mobilcom im mobilen Zahlungsverkehr Kunden anzieht, hat das geplante Gemeinschaftsunternehmen keine Chance", meint Karsten Rahlf, Analyst bei der Hamburger Vereins und Westbank - AG (V+W).

Anders sieht dies BHF-Analyst Werner Staeblein. Die Renditen im mobilen Zahlungsverkehr seinen ausreichend, um die Dienstleistung wirtschaftlich zu betreiben. Sollte sich Mobilcom entschließen, den Aktienhandel per Handy nicht weiter zu verfolgen, hätte dies keine Auswirkungen auf das künftige UMTS-Geschäft.

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