Konzern sucht Partner für Handy-Sparte
Siemens baut schon wieder um

Der Siemens-Konzern hat erstmals offiziell bestätigt, dass für das kriselnde Handy-Geschäft ein Partner gesucht werde. Verhandlungen werden bereits geführt, kurzfristig ist aber nicht mit einem Ergebnis zu rechnen. Gleichzeitig soll angesichts der hohen Verluste der I & C-Bereich ein weiteres Mal umgebaut werden.

cbu MÜNCHEN. Noch vor einer Woche gab sich Siemens-Chef Heinrich von Pierer nach einer Aufsichtsrat-Sitzung zugeknöpft. Zu Spekulationen, Siemens plane im Handy-Geschäft eine Kooperation, schwieg er beharrlich. Nun ging Siemens-Vorstand Volker Jung überraschend an die Öffentlichkeit. "Bei Telefonen sehe ich Handlungsbedarf ", sagte er der "Financial Times Deutschland, "wir führen Gespräche mit mehreren Herstellern über eine Zusammenarbeit." Ein Siemens-Sprecher fügte an, kurzfristig sei aber kein Abschluss zu erwarten. Jung ließ auch durchblicken, dass er einen japanischen Partner bevorzugen würde. Ob Siemens das Handy-Geschäft unter Umständen auch ganz aufgeben würde, blieb offen. Von Pierer hatte zuletzt jedoch mögliche Desinvestitionen im Konzern angekündigt.Verhandlungen über eine Handy-Kooperation mit dem US-Konzern Motorola waren zuletzt auf Eis gelegt worden. Danach hatte sich auch Toshiba den Münchenern angeboten. Spekuliert wird zusätzlich über Panasonic, NEC und Mitsubishi. Keiner dieser Partner würde für Siemens jedoch einen signifikanten Gewinn von Marktanteilen bringen.

Das Handy-Geschäft ist für Siemens seit Anfang 2001 alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Zuletzt gab es einen herben Rückschlag. Im 3. Quartal 2001 rutschten die Münchener auf Platz fünf hinter den Konkurrenten Nokia, Motorola, Ericsson und Samsung ab. Der Siemens-Marktanteil ging von 8,6 % auf 7,2 % zurück. Erklärtes Ziel ist jedoch mindestens Rang drei. Ein Siemens-Sprecher zweifelt die Zahlen jedoch an und sagte, die Berechnungen des Marktforschungsinstituts Dataquest seien nicht nachvollziehbar. Siemens liege nach internen Berechnungen vielmehr vor Ericsson.

Im Geschäftsjahr 2000/01 hatte Siemens nur 28,7 Millionen Handys verkauft, weniger als die Hälfte des Plans. Ursprünglich hatte Bereichschef Rudi Lamprecht als Ziel 60 Millionen Geräte ausgegeben. Zudem wurden hohe Verluste eingefahren und die Kapazitäten deutlich reduziert. Der Verkaufsstart in den USA verlief äußerst schleppend. Auch im laufenden Jahr werden die Renditeziele voraussichtlich deutlich verfehlt.

Die Siemens-Aktie lag nur leicht im Minus. Analysten erklärten, dass Siemens im Handy-Bereich auf Partnersuche ist, sei keine Überraschung. Positiv sei, dass der Konzern alle Möglichkeiten auslote. Bereits in der vergangenen Woche hatte von Pierer Entschlossenheit gezeigt und bessere Zahlen versprochen. Die Aktie ging nach oben.

Jung kündigte zudem einen erneuten Umbau des Bereichs "Information & Communications" (I & C) an, der im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Minus von über 1,4 Mrd. Euro erwirtschaftet hatte. Zu I & C gehörte neben dem Mobilfunk das Netzwerk-Geschäft ICN und die IT-Beratung SBS. Jetzt soll bei SBS ein Bereich Unternehmenskunden gegründet werde, der dann auch das Netzwerk-Geschäft umfasst. Zudem wird auch für optische Netzwerke ein Partner gesucht. Erst im vergangenen Jahr wurde das lukrative Geschäft mit Mobilkfunknetzen umorganisiert. Zudem werden bei I & C derzeit rund 17 000 Stellen gestrichen.

Die Unruhe bei den Mitarbeitern ist bereits sehr groß. Zuletzt mussten ICN-Chef Roland Koch und SBS-Chef Friedrich Fröschl ihre Posten räumen. Mobilfunk-Chef Rudi Lamprecht sitzt offenbar noch fest im Sattel. Auch über Jung selbst, der im Siemens-Konzernvorstand den I & C-Bereich verantwortet, gab es zuletzt Spekulationen. Dass er jetzt öffentlich die neue Strategie verkündet, spricht dafür, dass auch seine Position derzeit gefestigt ist. Konzernintern hat er bereits den Spitznamen "Teflon-Mann" bekommen, weil an ihm alle Krisen abperlen.

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