Konzern und Anleger beurteilen die Zukunftsaussichten sehr optimistisch
Die Ericsson-Aktie läuft zu weit voraus

Investoren, die Aktien des Mobilfunkausrüsters Ericsson halten, werden froh sein, wenn sich das Jahr 2002 dem Ende neigt. Denn im Verlauf dieses Jahres sind die Aktien des Netwerkspezialisten und Handyausrüsters um rund 80 % gefallen. Die Gretchenfrage lautet: Verheißt das neue Jahr 2003 eine Besserung? Legt man den aktuellen Aktienpreis zu Grunde - und der ist seit dem Tief Ende September um mehr als 100 % gestiegen - scheinen einige Investoren zu diesem Schluss zu kommen: "Ja, 2003 wird besser!"

LONDON. Doch es könnte sein, dass sie ihre Erwartungen auf bessere Zeiten zu früh äußern. Die große "Wir-habens-geschafft-Party" bei Ericsson steigt frühestens Sylvester 2003, wenn überhaupt. Denn für die Schweden wird auch 2003 ein Jahr der Neuorientierung werden, und das Management wird weiterhin Kosten einsparen müssen, um die Gewinnzone zu erreichen. Ob das Unternehmen dieses Ziel erreicht, seine Investoren vielleicht sogar positiv überraschen kann, das hängt jetzt davon ab, ob der Konzern es weiterhin schafft, seine Kosten einzudämmen - und natürlich davon, wie tief der Markt für Mobilfunk- Netzwerke künftig noch fällt.

Ericsson hat in den vergangenen 18 Monaten die Welt durch eine rosarote Brille gesehen. Demzufolge erwartet der Konzern jetzt auch, dass für das kommende Jahr der Markt für Mobilfunkequipment weltweit entweder gar nicht zurückgeht oder allenfalls um 10 % nachgibt, nachdem die Umsätze dieses Jahr um 20 % fallen sollen. Viele Analysten sind für die Zukunft weniger optimistisch: Sie glauben, dass der Markt um bis zu 15 % einbrechen könnte.

"Wenn Ericsson eine flache Kurve bei den Umsätzen erwartet, so ist das unrealistisch", meint Tim Daubenspeck, Analyst bei SG Cowen Securities, der Ericsson Anfang diesen Monats auf "underperform" (unterdurchschnittlich) zurückgestuft hatte. Er prognostiziert, dass der Markt für Mobilfunkausrüster im Jahr 2003 um 14 % schwächer wird. "Wir haben noch nicht den Boden erreicht, und wir sind auch noch nicht an dem Punkt, an dem wir vorhersagen können, wann der Boden erreicht sein wird".

Mit Schuld an Ericssons Optimismus sind die Erwartungen des Konzerns, dass Mobilfunkbetreiber ihre Ausgaben im kommenden Jahr aufstocken müssen, weil sonst die Qualität der Netzwerke leiden würde. Dieses Argument führen die Schweden schon seit einer Weile an, doch bislang hat es sich nicht bewahrheitet. Und aktuelle Daten zur Qualität von Mobilfunk-Netzwerken in Großbritannien, deuten eher auf das Gegenteil hin, wie eine aktuelle Studie von Lehman Brothers beweist. So solle die Qualität der Netzwerke derzeit eher ansteigen, so das Investmenthaus. Lehmans Schlussfolgerung: Der Markt für Mobilfunkausrüstung könnte im Jahr 2003 noch mehr als erwartet einbrechen.

Wenn sich diese pessimistische Prognose bewahrheiten sollte, dann werden die Ericsson-Investoren Anfang 2003 eine böse Überraschung erleben. Die Auftragsbücher des Konzerns werden voraussichtlich nicht gut gefüllt sein, wenn die Company die Ergebnisse für das erste Quartal vorlegt. Und der saisonale Aufschwung, der die Erwartungen für das vierte Quartal nach oben geschraubt hatte, wird in der ersten Hälfte 2003 wahrscheinlich einer dürftigeren Geschäftsentwicklung weichen müssen.

Trotz dieser Aussichten haben sich die Investoren während der letzten Rally der Ericsson-Aktien anderen Punkten zugewandt: Sie haben sich darauf konzentriert, dass sich die Bilanzen des Konzerns während der vergangen beiden Quartale verbessert haben - dank einiger Aktienverkäufe des Konzerns im September - und dass es bei den Kostensparmaßnahmen Fortschritte gegeben hat.

Fairerweise soll erwähnt werden, dass Ericsson nicht der einzige Mobilfunkausrüster ist, dessen Aktienkurs gestiegen ist. Auch Alcatel, Lucent, Nortel und Siemens haben zum Jahresende eine Rally hingelegt. Doch hinsichtlich der Bewertung des schwedischen Unternehmens und im Vergleich zur Konkurrenz werden die Ericsson-Papiere derzeit zu einem Premiumpreis gehandelt. Dieser ist nicht ge- rechtfertigt.

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