Konzern wagt keine Prognose
Thomas Cook bringt Karstadt-Quelle in Verlustzone

Die Konjunkturflaute und die dadurch aufgetretenen Verluste bei der Reisetochter Thomas Cook haben Europas größten Warenhaus- und Versandhandelskonzern Karstadt-Quelle im ersten Quartal 2002 tiefer in die Verlustzone gezogen.

rtr DüSSELDORF. Europas größter Warenhaus- und Versandhandelskonzern Karstadt-Quelle will mit einem Sparprogramm auf die Konjunkturflaute reagieren und setzt auf das Geschäft mit Dienstleistungen. Im abgelaufenen ersten Quartal zog ein Fehlbetrag bei der Reisetochter Thomas Cook das Handelshaus tiefer in die Verlustzone.

"Die Lage im deutschen Einzelhandel stand in der Zeit des Jahreswechsels und in den ersten Monaten dieses Jahres im Zeichen ungünstiger Rahmenbedingungen. Diese sind in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte bislang ohne Beispiel", sagte Karstadt-Quelle-Chef Wolfgang Urban am Mittwoch in Düsseldorf und zeigte sich skeptisch, ob es gelingen werde, das in der langfristigen Ergebnisplanung für 2003 vorgesehene Ergebnisziel zu erreichen. Die gegenwärtige Flaute biete große Chancen, um dringend notwendige Maßnahmen umzusetzen und festgefahrene Strukturen zu verändern, sagte Urban.

Für 2002 keine Umsatz- und Egebnisprognose

Auf Grund der "außergewöhnlichen" Kaufzurückhaltung der Verbraucher und der "unklaren wirtschaftlichen Lage" hält es Urban derzeit nicht für seriös, Umsatz oder Ergebnis für das Gesamtjahr 2002 vorauszusagen. Die vor eineinhalb Jahren und damit vor den Anschlägen in den USA und der Einführung des Euro gemachte Ankündigung, bis 2003 den Gewinn vor Steuern fast zu verdreifachen, stellte Urban in Frage. Der Konzern tue weiterhin alles, um das geplante Ergebnisniveau zu erreichen. "Sollte jedoch die Einzelhandelskonjunktur und damit unsere Umsatzentwicklung in den nächsten Monaten schwach bleiben, müssen wir natürlich auch unser Ergebnisziel 2003 überarbeiten."

Der Konzern will 2003 nach Urbans Worten deutlich mehr als 160 Mill. ? sparen. Geplant sei, die Gehälter der Mitarbeiter an den Erfolg des Unternehmens zu koppeln. Darüber werde mit dem Betriebsrat verhandelt, sagte Urban, während vor dem Gebäude die Gewerkschaft Verdi gegen die vom Unternehmen schon umgesetzte Halbierung der freiwilligen Zusatzleistungen protestierte. Verdi bezifferte die Ersparnis durch diese Kürzungen für den Warenhausbereich auf 60 Mill. ?. "Urban hat diese Vorschläge einfach auf den Tisch gepackt und umgesetzt", kritisierte Verdi-Bundesvorstand Gertrud Tippel-Kluth. Über das Paket sei nicht mit den Arbeitnehmern verhandelt worden. Den geplanten Personalkostenanteil am Umsatz für 2002 bezifferte Tippel-Kluth mit 15 %. Im Vorjahr lag die Quote nach Verdi-Angaben bei 16,5 %.

Konzernchef Urban will den Umbau zu einem integrierten Handels- und Dienstleistungskonzern beschleunigen. Es seien Kooperationen in "verschiedensten Formen" sowie Zukäufe geplant. Bislang betreibt KarstadtQuelle Gemeinschaftunternehmen mit der Deutschen Telekom bei der Kundenkarte, führt mit dem US-Konzern Starbucks Kaffee-Shops und bietet mit der Ergo-Versicherung Finanzdienstleistungen an. Zudem soll das E-Commerce-Geschäft ausgebaut werden.

Branchenkenner nannten es vor Beginn eines Analystentreffens sinnvoll, wenn Urban das Ergebnisziel für 2003 nach unten korrigieren würde. Urban habe viele gute Ansätze genannt, doch dürfe er sich nicht verzetteln, sagte eine Fondsmanagerin, die nicht zitiert werden wollte.

Thomas Cook zieht Karstadt-Quelle tiefer in die Verlustzone

Die Konjunkturflaute und die damit einhergehenden Verluste bei der Reisetochter Thomas Cook bescherten Karstadt im ersten für den Handel traditionell schwachen Jahresviertel einen im Vergleich zum Vorjahr größeren Verlust. Nach vorläufigen Zahlen stieg der Verlust vor Steuern (Ebt) auf 120 Mill. ? nach einem Fehlbetrag von 80 Mill. ? im Vorjahreszeitraum. Ohne die Einbeziehung der mit der Lufthansa betriebenen Reisetochter wäre das Quartalsergebnis indessen ausgeglichen gewesen. Den Umsatzrückgang im ersten Quartal bezifferte Karstadt mit 4,7 %.

Urban: Versandhandel weiter erfreulich

Urban bekräftigte Aussagen, das Umsatzminus sei im April leicht zurückgegangen. Vor allem dazu beigetragen habe der Versandhandel mit seinen Jubiläumsangeboten bei Quelle. Demgegenüber zeige der stationäre Einzelhandel einen "unverändert schleppenden" Umsatzverlauf. Zum Mai sagte Urban, im stationären Einzelhandel sei die Lage weiter schwierig, während der Versand sich "weiterhin erfreulich" entwickele.

Der Kurs der im MDax notierten Karstadt-Quelle-Aktie verlor in einem schwächeren Gesamtmarkt 2,25 % auf 33,48 ?.

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