Konzern will Umsatz im E-Business verdreifachen
Karstadt Quelle macht Neuanfang im Internet

fbs DÜSSELDORF. Der Essener Warenhauskonzern Karstadt Quelle macht einen Neuanfang im Internet. Im Herbst wird das Online-Kaufhaus "My World" vom Netz genommen, die Online-Aktivitäten sollen unter dem Namen www.karstadt.de weitergeführt werden. Das verkündete Konzernchef Walter Deuss bei der Bilanzkonferenz am Dienstag in Essen.

Der inzwischen durch die Fusion mit dem Versandhändler Quelle gewachsene Handelsriese will in den kommenden fünf Jahren 400 Mill. DM in seine Internet-Aktivitäten investieren. Die Ziele sind hoch gesteckt: Noch in diesem Jahr will der Konzern den bisherigen E-Commerce-Umsatz verdreifachen und 700 Mill. DM umsetzen.

My World war im Oktober 1996 gestartet. Trotz mehrerer Überarbeitungen blieb das Online-Kaufhaus ein Flop. "Wir haben den Fehler gemacht, die Internetfirma mit einem neuen Namen zu belegen. Dabei haben wir die Zugkraft der eigenen Marke außer acht gelassen", gibt Karstadt-Sprecher Elmar Kratz zu. In Zukunft will Karstadt auf die Kraft des eigenen Namens setzen. Unter der Adresse www.karstadt.de will der Konzern nun sein Online-Shop-Konzept weiter entwickeln und seine "Offline-Kunden in die Online-Welt führen".

Ein weiterer entscheidender Fehler: Das Kaufhaus hatte - wie andere Online-Anbieter in den Anfangszeiten des E-Commerce - auch versucht, das ganze Sortiment im Internet zu zeigen. "Wir wollten das gesamte Warenhaus 1:1 abbilden", so Kretz. Und das ist schlicht nicht möglich.

Das Unternehmen habe bei seinem ersten Ausflug ins Internet mit My World auch wichtige Erfahrungen gesammelt, betont Kratz weiter. Zum Beispiel wie Kunden im Internet agieren - eben nicht wie im stationären Geschäft.



My World wird im Herbst vom Netz genommen

Im Herbst wird das alte digitale Karstadt-Warenhaus my world.de vom Netz genommen. Bis dahin will Karstadt Quelle ein neues Internet-Konzept entwickelt haben. Bisher waren die E-Commerce-Ankündigungen des Konzerns allerdings recht schwammig. Das Internet mache ein "neues Geschäftsmodell nötig, dass sich nur über Kooperationen erreichen lasse", sagte kürzlich Finanzvorstand Wolfgang Urban, der die E-Commerce-Sparte betreut. Auf der Hauptversammlung legte Konzernchef Deuss nach. Der Konzern sei "offen für sinnvolle Partnerschaften im Internet". Man führe Gespräche "mit einem großen deutschen Medienkonzern", bestätigte auch Urban. Mit welchem Konzern der Handelsriese zusammenarbeiten will, ließ er allerdings offen.

Bei dem neuen Auftritt will Karstadt Quelle alles besser machen. Welche Waren Karstadt in die Regale des Online-Kaufhauses stecken will, will Kratz noch nicht verraten. "Es werden 10 bis 12 Sortimentlinien sein". Vorstellbar seien unter anderem Angebote aus dem Bereich Multimedia. Auch der Food-Bereich soll vertreten sein - beispielsweise der lukrative Onlinehandel mit Wein.



Neues Sport-Portal im Internet

"Wir werden rechtzeitig bis zum Weihnachtsgeschäft starten", versprach Konzernchef Deuss in Essen. Ab Herbst sollen die Bereiche sukkzessive an den Start gehen. Als erstes geht das Karstadt Sporthaus online. Unter "www.karstadtsport.de" soll den Internet-Nutzern ein ausgewähltes Sortiment präsentiert werden. Vernetzt mit den 23 Sporthäusern soll der Auftritt die Verbindung zwischen stationärem und elektronischem Geschäft voranbringen. Auf der Sportseite sollen nicht nur Waren verkauft werden, sondern auch Inhalte, etwa Sportmeldungen oder Ähnliches angeboten werden. "Es soll ein richtiges Portal geben", so Kratz.

Im virtuellen Sportbereich wird in den nächsten fünf Jahren ein Umsatz von rund einer halben Mrd. DM angestrebt. Die Musikkette WOM (World of Music www.wom.de), die Mitte August ebenfalls mit einem neuen Portal im Internet starten soll, werde in diesem Zeitraum rund 100 Mill. DM Umsatz einspielen.



Versandhäuser stark im Onlinehandel

1999 hat Karstadt Quelle 214 Mill. Umsatz im Internet gemacht. Der Beitrag von My World war mit 15 Mill. DM recht bescheiden. Den restlichen Umsatz - rund 200 Mill. DM - teilten sich die beiden Versandhäuser Neckermann und der Partner Quelle, der nun mit im Boot sitzt. Bei Quelle bestellten die Kunden im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 150 Mill. DM. Auch im laufenden Jahr soll vor allem der Internet-Handel über das Kölner Versandhaus einen großen Anteil zu den Einkünften im Bereich E-Commerce beitragen. Konkrete Umsatzplanungen für das neue Karstadt-Online-Kaufhaus gibt es noch nicht.

Der Karstadt Quelle-Konzern gibt sich zuversichtlich, dass sich die insgesamt knapp 18 Millionen Kunden aus dem Versandhandel und Kundenkartengeschäft über kurz oder lang vom Online-Handel überzeugen lassen. "Im Prinzip machen sie Online-Bestellung ja auch nichts anderes als beim Versand", sagt Kratz. Durch diese Kundenbasis sei Karstadt Quelle für eine dynamische Entwicklung des E-Commerce "hervorragend aufgestellt", gab sich Urban zuversichtlich. Insgesamt seien alle notwendigen Kapazitäten - von den Systemen bis zur Logistik - vorhanden. Der Konzern sei offen für "sinnvolle" Partnerschaften im Internethandel, ergänzte Karstadt-Chef Deuss.



Analysten suchen Vergleich zu Metro

Analysten sehen insgesamt günstige Voraussetzungen für den Internet-Handel. Mit den Versandhaus-Töchtern Quelle und Neckermann nehme Karstadt Quelle in Deutschland eine starke Marktposition ein. Der Konzern verfüge im Versandhandel über einen hohen Kundenstamm. Entscheidend sei aber, ob die Schnittmenge zwischen Versandhauskunden und Internetnutzern hinreichend groß sei. Auch nehme sich die Internet-Investitionen Karstadts im Vergleich zu dem Kölner Konkurrenten Metro AG bescheiden aus. Die Kölner hatten Ende Mai angekündigt, allein in diesem Jahr insgesamt eine Viertelmilliarde Mark in E-Commerce-Projekte zu pumpen.



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