Konzern will unverändert in Frankfurt/Oder investieren
Intel-Chef unterstützt Chipfabrik

Der größte Chiphersteller der Welt glaubt nach wie vor an die geplante Chipfabrik in Frankfurt/Oder. Intel-Chef Craig Barrett ist optimistisch, dass das Werk schnell gebaut wird, obwohl die Finanzierung noch nicht steht. Intel investiere jetzt, um gewappnet zu sein, wenn die Konjunktur wieder anspringt.

MÜNCHEN. "Hoffentlich kommt der Deal zu Stande", betonte Craig Barrett am Wochenende in München. Wie bei allen Investitionen in der dynamischen Halbleiterbranche sei es auch hier wichtig, schnell zu sein. Zusammen mit dem Institut für Halbleiterphysik IHP und dem Emirat Dubai will Intel in Frankfurt/Oder eine Chipfabrik bauen. Anfang 2003 soll die Produktion starten.

Für das 3 Mrd. DM teure Vorhaben sucht die Deutsche Bank derzeit allerdings noch Investoren. Intel selbst hat seinen Anteil bislang immer vage auf "unter 25 %" beziffert. Ob der US-Konzern seinen Anteil aufstocken würde, falls sich keine weiteren Beteiligten fänden, ließ Barrett offen. Sollten sich Änderungen ergeben, müsste man darüber nachdenken, sagte der Manager dem Handelsblatt. In der Regel beteiligt sich Intel an Unternehmen mit nicht mehr als 10 %.

In München traf sich Barrett am Freitag auch zu einer Unterredung mit Brandenburgs Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU), der seit Monaten für das Projekt auf Investoren-Werbung ist. Die Bauarbeiten auf dem Gelände im Osten Brandenburgs haben bereits begonnen. Die geplante offizielle Grundsteinlegung wurde wegen der unsicheren Finanzierung allerdings jüngst verschoben.

Keine weiteren Investitionen in deutsche Werke

Barrett betonte, dass Intel keine weiteren Pläne für eine große Investition in ein deutsches Werk habe. Die Kalifornier sind über ihre Risiko-Kapital-Tochter allerdings in zahlreiche kleinere Firmen hier zu Lande eingestiegen.

Barrett machte gleichzeitig klar, dass sein Unternehmen trotz der derzeit schlechten Lage weiter kräftig investieren werde. "Wir brauchen die Kapazitäten, wenn es wieder aufwärts geht", so der Konzernlenker, der seit 1974 für Intel arbeitet. "Es hat sich schon in der Vergangenheit ausgezahlt, darauf zu setzen, dass man die Fabriken, die man baut, irgendwann auch auslasten kann." Intel steckt im laufenden Jahr unverändert rund 7,5 Mrd. $ in die Produktion und 4,2 Mrd. $ in Forschung und Entwicklung.

Andere Chip-Hersteller mit kräftigen Einschnitten

Andere Chip-Hersteller haben in den vergangenen Wochen kräftige Einschnitte bekannt gegeben. Zuletzt hat der deutsche Chip-Hersteller Infineon am Mittwoch eine starke Ausgabenkürzung angekündigt. "Wir sind in einer Rezession", gestand freilich auch Barrett ein. Allerdings habe sich die Krise, vor allem der verarbeitenden Industrie in den USA, bislang nicht auf andere Länder übertragen.

Chancen, dass es bald wieder aufwärts geht, sieht Barrett vor allem bei Computer-Chips. Halbleiter für die Telekommunikation seien dagegen vermutlich länger nicht gefragt, da die Unternehmen in diesem Bereich mehr Material auf Lager hätten. In Frankfurt/Oder sollen Bauteile hergestellt werden, die unter anderem für die drahtlose Verbindung ins Internet genutzt werden.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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