Konzernchef bekräftigt operative Stärken
Vivendi schafft in der Bilanz ein Stückchen Ordnung

Frankreichs schillernder Mischkonzern hält die Kapitalmärkte in Atem. Mit horrenden Ausgaben hat er sich eine Mediensparte geleistet, die international mitspielen kann, für die aber jetzt hohe Abschreibungen fällig werden. Analysten bemängeln überdies die immer stärkere Intransparenz, die auch auf Vivendis Kurs drückt.

HB PARIS. Der rasante und teure Wachstumskurs des französischen Versorgungs- und Medienkonzerns Vivendi Universal S.A. offenbart jetzt seine Schattenseiten. Für das abgelaufene Geschäftsjahr weist der weltweit zweitgrößte Medienkonzern einen Jahresfehlbetrag von 13,6 Mrd. Euro aus. Der Verlust kommt zu Stande, weil Vivendi eine Sonderabschreibung auf die Zukäufe der vergangenen Jahre vornimmt. Gleichzeitig bekräftigte Konzernchef Jean-Marie Messier trotz des Rekordverlusts die operativen Stärken seines Konzerns: Das operative Ergebnis betrage 3,8 Mrd. Euro. Vivendi sei das einzige große Medienunternehmen, das bislang keine Gewinnwarnung herausgegeben habe.

Die Investoren hatten auf entsprechende Gerüchte bereits am Morgen reagiert. Ihre Verkäufe drückten den Vivendi-Kurs zwischenzeitlich um bis zu 2 %, dann beruhigte sich der Kurs aber wieder.

Den Rekordverlust begründete Messier mit dem Bestreben, mehr Klarheit in der Bilanz zu schaffen. Der Konzern, der bereits für das laufende Jahr nach den US-Regel GAAP bilanzieren will, wäre spätestens im neuen Jahr gezwungen gewesen, die Milliardenabschreibungen vorzunehmen. Nun nutzt der Konzern dafür dieses Jahr, in dem man verglichen mit der Konkurrenz gut dastehe, hieß es.

Dem Jahresfehlbetrag von 13,6 Mrd. Euro stellte Messier jedoch einen neuen Goodwill von 13 Mrd. Euro in der künftigen US-GAAP-konformen Rechnung gegenüber. "Hinter der Abschreibung steht keinerlei Abfluss von Mitteln aus dem Unternehmen", erläuterte er. Mit diesem Schritt beweise man vielmehr "Bereitschaft zur Transparenz." Der Konzernumsatz betrug 57,4 (Vorjahr pro forma: 41,6) Mrd. Euro, auf Grund der Einmalposten ergibt sich daraus ein Konzernjahresfehlbetrag von 1,1 Mrd. Euro. Ohne die Operation hätte der Konzern ein positives Jahresergebnis abgeliefert.

Mehr Transparenz ist eine der wesentlichen Forderungen, die Analysten an den Vivendi-Chef stellen. Denn in sechs Jahren Messier-Regiment ist aus dem ehemaligen Wasserversorger Générale des Eaux ein konglomerater Konzern entstanden, der fast alle Zweige des Medien- und Kommunikationsgeschäfts abdeckt. Seit Messier vor vier Jahren den Aufbruch in die Medienwelt zur Chefsache machte, hat die Gruppe nach Berechnungen von Bloomberg 115 Mrd. Euro für Akquisitionen ausgegeben. "Messier ist eher ein Investmentbanker denn ein Konzernchef", kritisierte ein Pariser Vermögensberater.

Da Messier die meisten Deals während des High-Tech-Börsenbooms einfädelte, haben sich in Vivendis Bilanz Überbewertungen von Anlagen (Goodwill) in Höhe von über 50 Mrd. Euro angesammelt. Angesichts der Börsenbewertung des Konzerns von knapp 50 Mrd. Euro bleiben viele Analysten allerdings den Folgen eines solchen Schrittes gegenüber gelassen. So führt Dresdner Kleinwort Wasserstein Vivendi Universal immer noch als Kauf. Bei Merrill Lynch schätzt man Messiers jüngste Medien-Coups. Die Stream-Vollübernahme in Italien werde sich positiv auf die Ertragskraft des Fernsehgeschäfts auswirken, meint Medienanalyst Neil Blackley. Er schätzt, dass Vivendis Kurs von jetzt 47 Euro bis zum nächsten Jahr auf 67 Euro steigen wird, warnt aber vor Kursschwankungen.

Weniger im Blick hat er dabei offenbar die hohe Verschuldung des Gesamtkonzerns. Zwar hatte Messier die rund 15 Mrd. Euro Nettoverschuldung vor der Fusion mit dem kanadischen Getränke- und Medienkonzern Seagram bei der Versorgertochter Vivendi Environnement untergebracht. Doch diese wird weiterhin voll konsolidiert und trägt schwer an dem Schuldendienst. "Die dürfen auch nicht einen ihrer Großkontrakte verlieren", meint ein Branchenbeobachter.

Überdies dürfte die Umstellung der Bilanzrichtlinien auch Verpflichtungen bei der Muttergesellschaft und Mediensparte Vivendi Universal sichtbar werden lassen. Diese hatte das Management bisher nahezu schuldenfrei gehalten. So hat die Gruppe in großem Umfang Wandelanleihen begeben. Experten schätzen, dass die auf 33 Mrd. Euro taxierten Verbindlichkeiten um bis zu 9 Mrd. Euro steigen könnten. Die größte Gefahr geht für Pariser Finanzkreise indes von der undurchsichtigen Struktur des Konzerns aus. Unter dem Vivendi-Dach arbeiteten schätzungsweise 3 500 Firmen mit-, neben- und gegeneinander.

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