Konzernchef Blocher will Sitz im Verwaltungsrat
Ems-Chemie verstärkt Engagement bei Lonza

Der Schweizer Industrielle Christoph Blocher ist bereit, mehr Verantwortung beim Schweizer Chemie-Konzern Lonza zu übernehmen. Wie weit das Engagement seiner Ems-Chemie reicht, ist jedoch noch offen.

ef ZÜRICH. Die Ems-Chemie ist zu einem stärkeren Engagement beim Schweizer Spezial-Chemie-Konzern Lonza bereit. Die vom Industriellen und Politiker Christoph Blocher kontrollierte Ems-Chemie hat deshalb Put-Optionen auf Lonza-Aktien emittiert. Sie haben eine Laufzeit bis Dezember 2003. Werden diese nicht an der Börse gehandelten Verkaufs-Optionen von den Käufern ausgeübt, würde sich der Anteil der Ems-Chemie an der Lonza Group von jetzt 11,35 % auf 20,07 % erhöhen. Ob es so weit kommt, ist jedoch offen. Denn die Käufer entscheiden, ob sie die Optionen, die sich am derzeitigen schwachen Kurs der Lonza-Aktien orientieren, überhaupt ausüben. Entscheidend wird also sein, welchen Weg der Kurs der Lonza-Papiere einschlägt.

Von der jetzigen Transaktion nicht betroffen ist nach Ems-Angaben das Lonza-Paket von 19,8 %, das die hoch verschuldete BZ-Gruppe des Bankiers Martin Ebner hält. Ebner bietet die Aktien, die nach derzeitigem Kurs etwa 800 Mill. sfr wert sind, seit Freitag vergangener Woche zum Verkauf an. Die Verbindlichkeiten der BZ-Gruppe sollen rund 6 Mrd. sfr betragen.

Ein Ems-Sprecher wies darauf hin, dass die Interessen seines Unternehmens und der BZ-Gruppe unterschiedlich seien. So sei Ebners Finanzholding darauf angewiesen, einen möglichst hohen Preis für das Paket zu erlösen. Dagegen würde sich Blocher die Aktien per Put-Option zum derzeit niedrigen Niveau sichern. Dennoch lässt die Ems-Transaktion Fragen offen. Ein Sprecher der Ems-Chemie sagte dem Handelsblatt nur, dass die Lonza-Beteiligung mehr sei als eine reine Finanzinvestition. Daher strebe Blocher bei der nächsten Generalversammlung einen Sitz im Verwaltungsrat des Basler Spezialchemiekonzerns an.

Klar ist, dass ein starkes Engagement bei Lonza Folgen für Ems-Chemie hätte. Blocher scheint zu zögern, er hat gegenüber den Ems-Aktionären um Bedenkzeit gebeten. Er will später entscheiden, ob er den Mitaktionären ein Abfindungsangebot unterbreitet und damit den Rückzug von der Börse antritt oder ob er den Konzern zu einer echten Publikumsgesellschaft umwandelt. Sollte die Ems-Chemie eine echte Publikumsgesellschaft werden, so wäre die Lonza-Integration ein strategisch wichtiger Schritt. Denn Lonza arbeitet mit höheren Margen als die Ems-Chemie. Trotzdem werden Lonza-Aktien aufgrund des Ebner-Malus mit einem tieferen Kurs-/Gewinn-Verhältnis bewertet. Die Nachricht, dass Blocher Put-Optionen ausgibt, hatte indes gestern keine Wirkung auf den Lonza-Kurs. Blocher hat die Ems-Chemie seit 1983 erfolgreich geführt und im Gegensatz zu anderen Konzernen auf überteuerte Zukäufe verzichtet. Überschüssige Liquidität legte er in Chemie- und Pharma-Aktien an und realisierte dadurch während der Euphoriephase an der Börse hohe Zusatzgewinne.

Blocher war lange ein Weggefährte Ebners. Viele Jahre war er Großaktionär und Präsident von Ebners Pharma-Vision. Deren Mehrheit musste Ebner kürzlich an die Zürcher Kantonalbank (ZKB) verkaufen. Blocher hingegen hat seinen Anteil an der Pharma-Vision bereits vor Jahren verkauft, um sich auf Ems-Chemie zu konzentrieren. Eine Verstimmung zwischen beiden ergab sich daraus nicht. Während Ebner aufgrund der Talfahrt der Börsen darum kämpft, seinen Konzern vor dem Untergang zu bewahren, ist Blocher als Unternehmer und als Politiker erfolgreich. Seine gegen jede EU-Annäherung streitende Schweizerische Volkspartei (SVP) ist gewinnt eine Wahl nach der anderen.

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