Konzernchef Brabeck hält an Wachstumszielen fest
Wechselkurse bremsen Nestlé aus

Der Umsatz des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé ist von Januar bis September 2002 um 6 % auf 66,2 Mrd. sfr gestiegen. Peter Brabeck, Chef des Unternehmens, gab sich bei der Vorstellung der Zahlen am Nestlé-Stammsitz in Vevey optimistisch: "Ich bleibe zuversichtlich, dass wird 2002 insgesamt einen höheren Umsatz und Gewinn erzielen werden als im Jahr zuvor."

jdh VEVEY. Beim internen Wachstum oder Realwachstum, dem wichtigsten Indikator für den Schweizer Multi, hat Nestlé allerdings an Tempo eingebüßt. Im dritten Jahresabschnitt lag dieser Wert, der die Steigerung des Umsatzes - bereinigt um Übernahmen, Preisschwankungen und Wechselkursänderungen - beschreibt, nur bei 3,2 %3,5 %.

Vor allem die wirtschaftlichen Probleme in Südamerika haben deutliche Bremsspuren hinterlassen. Und obwohl sich das Konsumklima weltweit abgekühlt hat, will Nestlé das interne Wachstum in den letzten drei Monaten beschleunigen und für das Gesamtjahr ein Realwachstum von mehr als 3,4 % erreichen.

Brabeck will dabei vor allem die Stärken des Unternehmens ausspielen; schließlich sei der Konzern in fast allen Regionen der Welt vertreten, verfüge über eine breite Produktpalette und habe durchaus Erfahrungen mit "schwierigen Marktbedingungen". Insgesamt, so versicherte Brabeck, halte sein Unternehmen an einem langfristigen internen Wachstum von 4 % fest.

Die Börse reagierte mit einem verhaltenen Kurssprung der Nestlé-Aktie, nachdem das Papier zunächst etwas nachgegeben hatte. Gegen Nachmittag legte der Wert rund 1 % auf gut 314,50 sfr zu. Dennoch gaben sich Händler vom internen Wachstum enttäuscht. Auch Analysten beurteilen die Leistung und die Voraussage des Unternehmens mit einer Portion Skepsis. "Wir haben ein Realwachstum von 3,8 % erwartet", betonte Martina Burysek von der Privatbank Die Zürcher Bank Leu hegt Zweifel, ob Nestle im letzten Quartal noch einmal richtig zulegen kann. Das interne Wachstum von Juli bis September "ist schon enttäuschend", kommentierte Patrick Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank.

Verglichen mit Konkurrenten wie Danone habe der Anbieter von Nescafé, Maggi oder After Eight jetzt doch Federn lassen müssen. Es zeige sich, dass selbst Brachenprimus Nestlé gegen eine schwächelnde Weltwirtschaft nicht immun sei. Zudem sei auch die Entwicklung der Währungen nicht auf der Seite von Nestlé gewesen. Nach Unternehmensangaben wäre das Wachstum bei konstanten Wechselkursen doppelt so hoch ausgefallen. Analysten der Bank Wegelin bezeichnen die Performance Nestlés - gerade im Branchenvergleich - als respektabel.

Geografisch gesehen hat Nestlé in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika sowie in der Region Asien/Ozeanien das Realwachstum gesteigert. Aufgeschlüsselt nach Produktgruppen legten sowohl Getränke und kulinarische Produkte als auch Schokolade und Süßwaren zu: In jedem der Bereiche wurde nach Angaben des Unternehmens ein höheres Realwachstum erzielt als in den beiden ersten Quartalen. Ebenso verkaufte das Schweizer Unternehmen mehr Pharmaartikel.

Brabeck äußerte sich auch zu potenziellen Übernahmen. Nestlé wolle sich von eventuellen Zurückstufungen durch Ratingagenturen nicht beeindrucken lassen und wichtige strategische Aufkäufe durchführen. Eventuelle Übernahmen würden im Bereich Ernährung vorgenommen, betonte der Konzernlenker. Spekulationen, nach denen Nestlé ein Auge auf Adams, Tochter des Pharmakonzerns Pfizer, geworfen habe, kommentierte Brabeck nicht. Allerdings ließ er durchblicken, dass Adams-Kaugummi irgendwann einmal für die Sparten Gesundheit und Ernährung "relevant" sein werde. Nestlé sei in jedem Fall an der US-Lizenz für KitKat interessiert, die derzeit beim US-Hersteller Hershey liegt.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%