Konzernchef Chris Gent kämpft gegen sinkende Gewinnspannen - Börse reagiert trotz guter Jahresbilanz enttäuschend
Vodafone stoppt Einkaufstour

Die Übernahmen im vergangenen Geschäftsjahr haben dem weltgrößten Mobilfunkanbieter Vodafone Milliarden-Verluste beschert. Ohne diese Kosten allerdings erfüllte der britische Konzern die Erwartungen.

and LONDON. Der weltweit größte Mobilfunkanbieter Vodafone Plc tritt nach seiner Einkaufstour in Europa und Asien auf die Expansionsbremse. Konzernchef Chris Gent kündigte gestern bei der Vorlage der Bilanz in London an, dass der britische Konzern in keine weiteren neuen Märkte einsteigen werde. Er betonte jedoch, dass Vodafone vor allem in Asien weitere Anteile von Konkurrenten übernehmen will, um seine Macht auszubauen. Neben Japan sei vor allem China der Markt der Zukunft "mit über 52 Millionen Kunden".

Vorantreiben will Vodafone auch den Start des ersten Multimedia-Handys (GPRS-Technik), mit dem der Kunde - anders als bei WAP - ständig online ist. Das Angebot soll noch im Herbst und damit rechtzeitig zum wichtigen Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen. Der Vodafone-Chef beklagte allerdings erneut, dass die Gerätehersteller die neuen GPRS-Handys nicht bieten können.



Die zahlreichen Zukäufe des Konzerns in den vergangenen zwei Jahren haben erstmals Schrammen in der Bilanz des Vodafone-Konzerns hinterlassen. Als Vorsteuerergebnis musste Vodafone im abgelaufenen Geschäftsjahr (31. März) einen Verlust von 8,1 Mrd. £ ausweisen, da für die Übernahmen Rückstellungen in Höhe von 11,88 Mrd. £ nötig waren. Insgesamt erfüllte aber Vodafone die Erwartungen der Analysten. Ohne die Rückstellungen stieg das Ergebnis vor Steuern, Zinsen Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) um 28 % auf 7 Mrd. £. Die Umsätze legten in ähnlicher Größenordnung auf 21,4 Mrd. £ zu.



Gent erklärte, weitere Zukäufe würden nicht mehr wie bisher mit Aktien finanziert. Diese Finanzierung hatte den Vodafone-Kurs in den vergangenen Monaten neben der Marktschwäche für Telekomwerte weiter verwässert. Zu schaffen machen dem im kleinen Ort Newbury bei London angesiedelten Welt-Riesen zudem die sinkenden Gewinnspannen. Vodafone kündigte vor allem in Deutschland Aktionen bei der Vodafone-Tochter D2 an, um die stark gestiegenen Kosten pro Neukunden zu senken und die Gewinnstruktur zu verbessern. Vor allem den subventionerten Verkauf von Mobiltelefonen werde es nicht mehr geben. "Auch wenn dies den Verlust von Marktanteilen bedeutet", sagte Gent.



Vor allem der deutsche Handy-Markt hat sich nach der Mannesmann-Übernahme keineswegs so positiv entwickelt wie erwartet. Zwar hat der Mobilfunkboom des vergangenen Jahres dem britischen Unternehmen in Deutschland einen starken Kundenzuwachs beschert, jedoch telefonieren von den rund 21 Millionen D2-Kunden heute 60 % mit im Voraus bezahlten Telefonkartenhandys. Diese Kunden vertelefonieren im Monat durchschnittlich nur 14,80 Euro, gegenüber 57 Euro bei den Kunden mit Zwei-Jahres-Vertrag. Die Wenigtelefonierer drücken auf die Gewinnmarge, die bei Vodafone im ersten Halbjahr bei 40% gelegen hatte und im Jahresschnitt auf 35 % gesunken ist.



Die Quittung dafür bekam Vodafone am Dienstag an der Börse in London zu spüren: Obwohl der Konzern die Erwartungen erfüllte und das Ende der teuren Einkaufstouren ankündigte, sank der Kurs gegen den Markttrend in London um mehr als 3 % unter 200 Pence. Vodafone ist der stärkste Wert im Londoner FTSE-100-Index. Zwar sahen trotz des Kurseinbruchs viele Analysten keinen Grund zur Panik. "Ich glaube, man darf nicht zu viel in die Kursreaktion hineinlesen", meinte etwa Jim McCafferty von SG Securities. Andere warnten jedoch mit Blick auf die Margen, dass die Handy-Märkte ihre erste Sättigung erleben. Dennoch steht Vodafone im Vergleich finanziell recht gut da. Während etwa Konkurrent British Telecom mit radikalen Schritten versucht, einen Schuldenberg von 30 Mrd. £ abzubauen, fällt bei Vodafone die Nettoverschuldung mit 6,7 Mrd. £ vergleichweise niedrig aus. UBS Warburg erneuerte denn auch seine Empfehlung "Strong Buy". Vodafone hat inzwischen weltweit 83 Millionen Kunden, davon 62 Millionen in Europa.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%