Konzernchef gedämpft zuversichtlich
US-Geschäft erfreut Siemens

Deutschlands drittgrößter Industriekonzern blickt mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft. Angesichts der schlechten Weltkonjunktur erwartet Siemens zwar einen Rückgang des Umsatzes. Doch die operativen Ergebnisse sollen sich verbessern.

cbu MÜNCHEN. Siemens-Chef Heinrich von Pierer betätigte sich mal wieder als Verkäufer. Stolz hielt er gestern bei der Präsentation der Bilanz für 2001/02 nicht nur das jüngste Mobiltelefon des Konzerns in die Kameras. Diesmal hatte er auch eine Gasturbinenschaufel, ein Minimodell eines Computer-Tomographen und ein Diesel-Einspritzventil mitgebracht.

Siemens ist breit aufgestellt und deshalb wenig verwundbar, sollte die Botschaft von Pierers lauten. Der Konzernchef zeigte sich bei seinem Ausblick "gedämpft optimistisch". Das wirtschaftliche Umfeld werde "anspruchsvoll bleiben". Deshalb erwarte er einen erneuten Umsatzrückgang. Im Geschäftsjahr 2001/02 war der Umsatz bereits um 3 % auf 84 Mrd. Euro gesunken, der Auftragseingang rutschte sogar um immerhin 7 % ab.

Eine Prognose für das Gesamtjahr 2002/03 wollte von Pierer nicht geben. Es gilt aber derzeit als zweifelhaft, ob Siemens den Gewinn halten kann. 2001/02 hat das Unternehmen ein Nachsteuerergebnis von 2,6 Mrd. Euro erzielt. Analysten rechnen im Moment für 2002/03 mit einem Rückgang auf einen Wert zwischen 1,6 und 2,4 Mrd. Euro. Der Grund: Im Vorjahr gab es Sondereffekte aus Verkäufen - etwa von Infineon-Aktien - von rund einer Mrd. Euro. "Hier erwarten wir im Vergleich zum Vorjahr geringere Sondererträge und deutlich höhere Belastungen aus den in- und ausländischen Pensionsplänen", sagte von Pierer. Letzteres werde die Gewinnrechnung mit etwa 500 Mill. Euro belasten, fügte Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger an. Die Siemens-Aktie hielt sich gestern zunächst ganz gut, bis zum Abend rutschte das Papier dann jedoch in schwachem Umfeld um gut 5 % ab.

Neubürger zeigte sich überrascht darüber, dass der Kreditbewerter Moody's am Vortag seinenRatingausblick für Siemens von "stabil" auf "negativ" gesenkt hatte. Man habe zuvor weitere Gespräche vereinbart, berichtete der Finanzchef. Moody's hatte erklärt, trotz der starken Liquiditätsposition des Konzerns spiegle der negative Ausblick den Abstufungsdruck wider, den Siemens spüren werde, falls der Konzern hinter seinen Profitabilitätszielen zurückbleibe.

Siemens peilt im laufenden Geschäftsjahr zwar eine Verbesserung der operativen Erträge an. Dies kann aber einen Gewinnrückgang möglicherweise nicht verhindern. Neubürger und von Pierer wollten dazu nicht Stellung nehmen. "Wir sind auf gutem Weg, und das macht mir Freude", demonstrierte von Pierer trotzdem Zuversicht. Die Ertragssäulen im Konzern - Kraftwerksbau, Medizintechnik, Verkehrstechnik - seien gut aufgestellt. Die Bereiche Automatisierung und Osram seien nahe dran, die Renditevorgaben zu erreichen. Bei den übrigen Bereichen sieht von Pierer Fortschritte. Zuletzt wurden neben den drei Sparten Mobilfunk (ICM), Festnetze (ICN) und IT-Dienstleistungen (SBS) auch den Bereichen Industrielösungen und Siemens Dematic (Logistik) ein Jahr mehr Zeit eingeräumt, die Renditevorgaben zu erreichen.

Lob hatte von Pierer für das bisher mit Problemen kämpfende US-Geschäft parat. Sanierer Klaus Kleinfeld habe die Wende geschafft. Für 2001/02 wird ein Nachsteuergewinn von 823 Mill. Euro ausgewiesen. Inklusive hoher Abschreibungen auf Firmenwerte war im Vorjahr noch ein Minus von rund 600 Mill. Euro erwirtschaftet worden. Die USA sind mit einem Umsatz von rund 20 Mrd. Euro der mit Abstand wichtigste Markt für Siemens. Hier will von Pierer den Wettbewerber General Electric (GE) attackieren. Insbesondere die Bereiche Medizintechnik und Energieerzeugung erzielten in den USA "exzellente Ergebnisse". Allerdings hat Siemens mit einem Abkühlung im US-Gasturbinengeschäft zu kämpfen.

Siemens beschäftigt rund 426 000 Mitarbeiter weltweit, davon in Deutschland 175 000.Zur Spekulation, wer sein Nachfolger an der Siemens-Spitze werden könnte, äußerte sich von Pierer nicht. Der Vertrag des 61-Jährigen läuft noch bis Ende 2004.

Quelle: Handelsblatt

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