Konzernchef Jürgen Weber will wieder Rekordergebnis des Vorjahres erreichen
Streik trifft Lufthansa in einem schwierigen Umfeld

Die Tarifauseinandersetzung mit den oft als "Führungskräfte im Cockpit" gepriesenen Piloten trifft die Deutsche Lufthansa AG in einer schwierigen Phase. Zwar hatte das Unternehmen für letztes Jahr eine glänzende Bilanz vorgelegt, aber die Entwicklung in den ersten Monaten dieses Jahres war von Turbulenzen überschattet.

DÜSSELDORF. Vorstandschef Jürgen Weber gab gleichwohl letzte Woche auf der Bilanzpressekonferenz die Parole aus: "Von einer Wachstumsdelle kann bei Lufthansa keine Rede sein". Das Unternehmen werde sich weiter im Spitzenfeld der Branche bewegen.

Der Absturz nach dem Rekordjahr 2000 war jäh gekommen und hatte selbst kritische Analysten völlig überrascht: Nach einem Umsatzplus von stolzen 20 % und einem Zuwachs beim operativen Gewinn von 44 % ging die Kranich-Airline im ersten Quartal dieses Jahres auf Sturzflug. Der operative Gewinn sank um 95 % auf gerade mal fünf Millionen Euro - und dies bei einer kräftigen Umsatzsteigerung um 15 %. So schlecht war kein Quartalsergebnis seit 1998 ausgefallen. Analysten hatten im Schnitt Gewinnrückgänge von zehn Prozent prognostiziert.

Die Gründe für den Niedergang sind weithin bekannt. Wie alle Fluggesellschaften leidet Lufthansa unter den hohen Kerosinpreisen, die auch noch auf Dollarbasis abgerechnet werden. Die Anfänge dieser Entwicklung hatten die Lufthanseaten noch durch eine geschickte Devisen-Einkaufspolitik abfedern können. Dies gelte auch weiterhin, heißt es im Unternehmen, jedoch auf höherem Preisniveau.

Hohe Vorlaufkosten für E-Business

In diesem Umfeld verhagelten auch die hohen Vorlaufkosten für das E-Business die Zahlen dieses Jahres. Gezielt baut Lufthansa bereits seit längerem Kapazität und Kompetenz in diesem Bereich aus, um über einen neuen Direkt-Vertriebsweg zu verfügen.

Zu den zentralen Problemen des Carriers gehört die wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Dort klagen die Airlines über schlechte Geschäfte und rote Zahlen. Die Geschäftsreise-Klientel, die bislang das Fliegen rentabel machte, ist in Scharen in die preiswertere Economy-Class umgestiegen.

Die Entwicklungen beeinflussen stark das für Lufthansa entscheidende Geschäft auf den Transatlantik-Rennstrecken.

Turbulenzen an der Börse

Vor diesem Hintergrund wiegen die Gehaltsforderungen der Piloten besonders schwer. Bisher peilt der Konzern für 2001 trotz widriger Rahmenbedingungen wie zuvor ein operatives Ergebnis von rund einer Milliarde Euro an. Sollte sich die Vereinigung Cockpit mit ihren Gehaltsvorstellungen in den nächsten Verhandlungsrunden voll durchsetzen, würde fast die Hälfte davon - etwa 450 Mill. Euro - auf die Konten der Piloten fließen. Das Gegenangebot von Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer würde die Bilanz mit 100 Mill. Euro belasten.

An der Börse hat Lufthansa zuletzt wenig begeistert. Die Nachricht vom schwachen Start im ersten Quartal ließ die Aktie bis auf 20,90 Euro abrutschen; gestern dümpelte sie gerade jenseits der 21-Euro-Grenze. Die Analysteneinschätzung ist unterschiedlich - von "verkaufen" des Bankhauses Metzeler letzte Woche bis "kaufen" von Credit Suisse First Boston diese Woche. Letztere glauben: Die Piloten, deren Gehaltsforderungen bei 35 % liegen, würden bei etwa 20 % Zuwachs einlenken.

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