Konzernchef Lindahl erwägt Abspaltung einzelner Geschäftsbereiche
ABB-Töchter peilen Börse an

Der schwedisch-schweizerische Technologiekonzern ABB erwägt einen Börsengang einzelner Tochtergesellschaften. "Für uns ist das eine Alternative, die wir nicht ausschließen", sagte ABB-Chef Göran Lindahl, in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt".

LONDON. ABB gehört mit einem Umsatz von rund 23 Mrd. $ und einem Börsenwert von knapp 40 Mrd. Euro zu den weltgrößten Elektrokonzernen.
Denkbare Börsenneulinge wären etwa Tochtergesellschaften in den Bereichen Energieverteilung und-übertragung sowie in der Sparte Gebäudetechnik. Das sehr erfolgreiche Kerngeschäft Prozessautomatisierung zählt Lindahl hingegen nicht zu den Kandidaten für einen Börsengang. Ende 1998 avancierte ABB in diesem Geschäft mit der Übernahme des holländischen Herstellers Elsag Bailey zum Weltmarktführer.



Siemens als Vorbild

ABB

folgt mit diesen Überlegungen Unternehmen seines Konkurrenten Siemens, der seit Ende vergangenen Jahres höchst erfolgreich Teile der Bereiche Passive Bauelemente (Epcos) und Halbleiter (Infineon) an die Börse gebracht hat. Neben stark steigenden Kursen der Börsenneulinge hat das auch der Siemens-Aktie gut getan: Ihr Wert hat sich seit der Epcos-Börseneinführung im Oktober vergangenen Jahres mehr als verdoppelt. Damit hängt die Siemens-Aktie den ABB-Titel klar ab.



Unterschiedliche Analystenmeinungen

Analysten würden daher Abspaltungen ("spinn-offs") auch bei ABB begrüßen. "Das würde dem ABB-Kurs mit Sicherheit noch einmal Schwung verleihen", urteilt Stefan Steib, Analyst bei der WGZ-Bank, und begründet das mit der verbesserten Übersichtlichkeit. Die Märkte dürften es positiv aufnehmen, wenn aus Gemischtwarenläden fokussierte Unternehmen würden. Allerdings müsse mit dem going public eine größere Flexibilität für die Töchter verbunden sein und das zufließende Kapital zur Wachstumsfinanzierung verwendet werden. Beispiele wie Infineon zeigten, dass sich eine enorme Dynamik entwickeln könne.

Frank Rothauge von Sal. Oppenheim gibt allerdings zu bedenken, dass ABB in Geschäftssegmenten aktiv sei, die derzeit nicht en vogue seien. Es fehle der "Touch" der New Economy. Er glaubt daher nicht, dass ABB durch einen spinn-off im Vergleich zum Unternehmensverbund "großen Zusatzwert" generieren könne.

Eine Abspaltung kommt für Lindahl nur dann in Frage, wenn es für das Geschäft sinnvoll sei. "Diese Bedingung ist dann erfüllt, wenn durch einen separaten Börsengang einer Tochter mehr Wert geschaffen werden kann als im bisherigen Unternehmensverbund." Dies gelte in der Prozessautomatisierung aber nicht.

Nach Ansicht von Lindahl hat es ABB nicht nötig, Töchter an die Börse zu bringen, nur um zusätzliche Finanzmittel zu generieren. "Wir haben eine sehr solide Bilanz, die uns vieles ermöglicht", lautet der Kommentar des 55-Jährigen Schweden, der seit 1997 an der Spitze des Konzerns steht. Auch plagen ihn keine Ängste, dass ABB übernommen werden könne. "Vieles kann passieren, aber eine Übernahme von ABB ist derzeit nicht zu befürchten."

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