Konzernchef Pischetsrieder greift durch: VW-Vertriebsvorstand muss gehen

Konzernchef Pischetsrieder greift durch
VW-Vertriebsvorstand muss gehen

Gerüchte über Änderungen im Vorstand des Volkswagen-Konzerns gibt es, seit Bernd Pischetsrieder im vergangenen Frühjahr den Chefsessel erklommen hat. Bislang hatte der Chef diese vehement dementiert. Bis gestern: Die abrupte Trennung vom Vertriebsvorstand soll Pischetsrieders Führungsstärke beweisen.

hof FRANKFURT/M. Bernd Pischetsrieder, Vorstandschef von Volkswagen, hat Ernst gemacht: Der Konzern trennt sich mit sofortiger Wirkung von seinem Vertriebs- und Marketingvorstand Robert Büchelhofer. Als Grund für die abrupte Trennung gab der Wolfsburger Automobilhersteller am Dienstagabend "unterschiedliche Auffassungen über die Vertriebspolitik" an. Zu Details wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Es habe aber keinen akuten Anlass für die Trennung gegeben, sagte ein Sprecher. Büchelhofer selbst war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Offiziell hieß es, man habe sich in "beiderseitigem Einvernehmen" getrennt. Letztlich dürfte es jedoch Pischetsrieder gewesen sein, der dem 60-jährigen Büchelhofer das Vertrauen entzogen hat. Seit der Berufung Pischetsrieders auf den VW-Chefsessel im vergangenen Jahr gab es Gerüchte, dass die Chemie zwischen den beiden Vorständen nicht stimme.

Büchelhofer wurde zuletzt auch die schleppende Einführung des Luxusmodells Phaeton zur Last gelegt, der sich deutlich schlechter verkauft als geplant. Der Vertriebsvorstand hatte dabei - den Vorbildern aus dem automobilen Oberhaus folgend - versucht, das Auto mit einer kleinen handverlesenen Händlerschaft am Markt zu etablieren.

Der Ex-BMW-Manager Büchelhofer, der vor Jahren unter der Ägide des damaligen BMW-Chefs Pischetsrieder von Bayern nach Niedersachsen gewechselt war, war bei VW auch zuständig für die angekündigte Trennung der Marken VW und Audi. Von der neuen Struktur ist aber noch nicht viel zu erkennen.

Die sofortige Trennung von Büchelhofer gilt zwar als Zeichen nach außen, vor allem aber nach innen. Mit ihm wolle der Konzernchef Führungsstärke unter Beweis stellen, sagen Beobachter. Bislang hatte sich Pischetsrieder stets demonstrativ vor seine Vorstandsmannschaft gestellt. Doch immer häufiger wurde ihm der Versuch, alles einvernehmlich im Team zu lösen, als Führungsschwäche ausgelegt - auch intern. Diese Stimmen hat Pischetsrieder nun wohl erst einmal zum Schweigen gebracht. Dass der Vorstandschef Büchelhofers Aufgaben vorerst selbst übernimmt, zeigt jedoch, dass die Trennung wohl nicht von langer Hand geplant war. Details der Trennung wollte VW allerdings nicht erläutern.

VW brauche gerade jetzt eine klare Vertriebsstruktur mit einer klaren Führung, sagen Unternehmenskenner. Denn neben den allgemeinen Problemen der Branche, die auf wichtigen Märkten mit einem Absatzrückgang kämpft, hat der Konzern hausgemachte Schwierigkeiten durch seine Modellpolitik. Diese hat zwar Büchelhofer nicht in erster Linie zu verantworten. Doch er hat es als Vertriebs- und Marketingvorstand anscheinend nach Meinung von Pischetsrieder nicht verstanden, die Marktchancen der vorhandenen Modelle optimal zu nutzen. So musste Pischetsrieder bei der Vorlage der Bilanz vor einem Monat über einen schwachen Geschäftsverlauf im ersten Quartal berichten und einräumen, dass der Ertrag im Gesamtjahr voraussichtlich geringer ausfallen wird als 2002.

Mit der Trennung von Büchelhofer hat der Chef von Europas größtem Automobilkonzern nun die zweite Weiche im Vorstand gestellt. 2004 wird Finanzchef Bruno Adelt vom ehemaligen Vorstandschef der Dürr AG, Hans Dieter Pötsch, abgelöst.

Quelle: Handelsblatt

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