Konzernchef reagiert gelassen auf Chrysler-Forderung – Automobilrezession nicht in Sicht
Keine neue Eiszeit zwischen Autobauern und Zulieferern

Die Robert Bosch GmbH setzt auf die Zusammenarbeit mit ihren Kunden, um dem Druck der Industrie Stand zu halten. Chryslers einseitig geforderte Preissenkung sei ein absoluter Ausnahmefall.

STUTTGART. Hermann Scholl neigt nicht zu Aufgeregtheit. Dem Chef der Robert Bosch GmbH, des weltweit zweitgrößten Automobilzulieferers, ist es trotz der Gewinnwarnungen und rückläufiger Absatzprognosen wichtiger Kunden nicht bange. Er rechnet für dieses Jahr nur mit einem leichten Rückgang der weltweiten Automobilproduktion um 1 bis 2 % auf etwas unter 57 Mill. Einheiten.

Zwar werde die Kraftfahrzeugproduktion im Nafta-Raum stärker zurückgehen - möglicherweise nicht nur um 6%, wie bislang geschätzt wurde; sondern vielleicht sogar um 10 %. Doch das bedeute nur, "dass wir uns nach zwei sehr guten Jahren in Richtung der gar nicht so schlechten Jahre 1997 und 1998 bewegen", sagte Scholl im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Nach Ansicht des Bosch-Chefs ist es nicht der Rückgang der Stückzahlen, der den drei großen US-Autoherstellern General Motors, Ford und Chrysler die großen Schwierigkeiten macht. Problematisch sei der scharfe Preiswettbewerb mit hohen Rabatten. Die Folgen träfen auch die Zulieferer, die teilweise schon Gewinnwarnungen abgaben. "Sicherlich werden auch wir in den USA erhebliche Ertragsprobleme bekommen", kündigte Scholl an. Beliefert werden die amerikanischen Kunden zu rund 75 % aus US-Produktion. Darum profitiert Bosch allenfalls bescheiden vom Dollarkurs.

Scholl glaubt nicht, dass die Forderung des Chrysler-Chefs Dieter Zetsche, die Zulieferer müssten sofort 5 % Nachlass einräumen, Schule machen wird. Er betrachtet sie als Ausnahme, als "singuläres Ereignis". Schließlich wolle auch General Motors niedrigere Preise durchsetzen, gehe dabei aber ganz anders vor, als Chrysler. Dennoch ist Scholl zuversichtlich, mit Chrysler Einverständnis zu erzielen: "Wir werden uns mit Sicherheit einigen".

Weniger Aufregung hat bei Bosch Zetsches Ankündigung ausgelöst, die Materialkosten für Chrysler müssten innerhalb der kommenden zwei Jahre um weitere 10 Prozent sinken. Zwar sei dies ein "sehr sehr scharfes Ziel". Doch es gebe Möglichkeiten, dieses zu erreichen. So könnten gleiche Teile für unterschiedliche Typen verwendet werden, um größere Serien zu erreichen. "Es hängt davon ab, ob der Kunde bereit ist, technisch mitzuarbeiten", erklärte Scholl.

Chryslers Versuch, einseitig die Preise zu drücken, sei kein Rückfall in die Zeiten eines José Ignacio Lopéz, der Anfang der 90er Jahre zuerst für Opel und dann für VW rücksichtslos Preissenkungen durchgesetzt hatte. So gebe es mit den europäischen Autoherstellern Gespräche darüber, wie die Zulieferer einen Teil ihrer stark gestiegenen Materialkosten weitergeben könnten. Scholl nennt ein Beispiel: Alleine elektronische Bauelemente seien für Bosch im Jahr 2000 um 300 bis 350 Mill. DM teurer geworden.

"Wir sind mit unserer Bitte nicht auf taube Ohren gestoßen", sagt der Bosch-Chef. Dennoch rechnet er damit, dass der Druck auf die Preise der Zulieferer bleibt. In den vergangenen Jahren habe man im Schnitt pro Jahr um 2 bis 3 % nachlassen müssen. Wollten die Zulieferer diesen Preisdruck auffangen, hätten sie folgende Alternativen: Technisch überlegene Produkte mit einem zeitlichen Vorsprung in großen Mengen zu fertigen oder "mit neuen Ideen selbst einen Markt zu machen".

Letzteres sei Bosch mit ABS gelungen. Beigetragen habe Bosch mit neuen Produkten auch zum Dieselboom. Die Alternative - Kostenvorteile über hohe Stückzahlen - habe Bosch mit der Produktionsverlagerung nach Tschechien gewählt.

In der Entwicklung orientiert sich Bosch neu. Der Zulieferriese will sein Know-How über die Engineering-Tochter Asset verstärkt Dritten anbieten. "Das ist eine Wachstumsbranche", sagte Scholl. Erfahrungen mit externen Dienstleistungen machen die Stuttgarter bereits mit der Tochter Etas, die mit Software inzwischen einen Umsatz von rund 150 Mill. DM erzielt. Der Bosch-Chef kann sich vorstellen, die Töchter an die Börse zu bringen - oder die Mitarbeiter zu beteiligen. Konkrete Pläne gebe es aber nicht. Scholl: "Das sind für uns Optionen."

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