Konzernchef Richard Brown will den Mittelstand erobern
IT-Dienstleister EDS ist in Deutschland aufgewacht

EDS ist mit 21 Milliarden Dollar Umsatz der zweitgrößte Dienstleister für Informationstechnologie der Welt. Spezialisiert auf das Outsourcing für Konzerne, haben die Texaner in Deutschland das Projektgeschäft verschlafen. Durch den Kauf von Systematics hat der Konzern aber deutlich aufgeholt - die Konkurrenz ist beunruhigt.

FRANKFURT/M. Der texanische IT Electronic Data Systems-Dienstleister (EDS) Corp. will stärker in das Geschäft mit großen Mittelständlern einsteigen. "Unsere Zielgruppe sind nicht mehr ausschließlich die größten 500 globalen Unternehmen, sondern die Top 5 000", kündigte Vorstandschef Chef Richard H. Brown im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

Mit 21 Mrd. $ Umsatz 2001 ist EDS weltweit der zweitgrößte Anbieter von Dienstleistungen für die Informationstechnologie (IT) - hinter dem Computerkonzern IBM Corp. Im vierten Quartal 2001 erwirtschaftete EDS einen Gewinn von 405 Mill. $ bei 5,9 Mrd. $ Umsatz. Das ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Umsatzplus von 14 %. Konkurrent IBM hat von Oktober bis Dezember 2001 einen Rückgang seines Service-Geschäfts um 1,4 % hinnehmen müssen. In Deutschland rangiert EDS derzeit auf Rang 4 in der Hitliste der IT-Dienstleister - geht es nach Brown, wird das aber nicht so bleiben.

Um das versprochene Wachstum halten zu können, müssen Service-Riesen wie EDS und IBM nun vermehrt kleinere Unternehmen als Kunden gewinnen. EDS-Chef Brown sagt, bei der Umsetzung dieser Strategie spiele der deutsche Markt "eine Schlüsselrolle". Hier hat der Konzern vor allem im profitablen Projektgeschäft - zum Beispiel mit SAP-Installationen - Nachholbedarf: "EDS hat die 90er Jahre verschlafen und vor zwei Jahren eine Aufholjagd begonnen", urteilt Christophe Chalons, Geschäftsführer des auf IT-Dienstleister spezialisierten Marktforschers PAC.

Doch nach einem radikalen Umbau, der Übernahme des Hamburger IT Systematics AG-Dienstleisters sowie einer besseren Verzahnung der Sparten mit der konzerneigenen Unternehmensberatung A.T. Kearney sei EDS inzwischen zu einem der schärfsten Konkurrenten für die Marktführer geworden. Im vierten Quartal 2001 habe EDS in Deutschland stärker zulegen können als T-Systems, CSC Ploenzke AG und Siemens Business Services (SBS). Dort beobachtet man die Aktivitäten der Texaner denn auch mit wachsender Unruhe: "Wir verfolgen derzeit sehr genau, was EDS auf dem deutschen Markt tut", sagt ein Konkurrent.

Allerdings will Brown den Konzern nicht durch weitere Übernahmen, "sondern organisch" vergrößern - obwohl auch er eine Konsolidierung des deutschen Marktes erwartet. "Wir müssen nichts mehr kaufen", sagt der EDS-Chef. "Natürlich werden wir sich bietende Chancen nutzen."

Brown dürfte auch noch eine Rechnung mit der Deutsche Telekom AG offen haben. Vor zwei Jahren interessierte sich EDS für das zum Verkauf stehende Systemhaus des Autokonzerns Daimler-Chrysler AG, Debis. Doch Debis ging an die Telekom, die mit ihrem Systemhaus T-Systems zum größten IT-Dienstleister in Europa aufstieg.

Für Brown, Ex-Chef des Telekom-Konzerns Cable & Wireless, ist die Strategie, Telekommunikation und IT-Dienste in einem Konzern zu vereinen, aber verfehlt: "Nach meiner Erfahrung als Chef großer Firmen in beiden Märkten glaube ich nicht, dass es für EDS sinnvoll wäre, ins Telekom-Geschäft einzusteigen. Die Märkte funktionieren völlig unterschiedlich."

Trotz der guten Umsätze im vergangenen Jahr erntete EDS Kritik von Analysten: Die Zahl der neuen Aufträge im vierten Quartal lag niedriger als erhofft. Einige Verträge seien nicht rechtzeitig fertig geworden, sagt Brown. Nach seiner Aussage ist die Zahl der möglichen Neuaufträge um 55 % höher als 2001. Er erwartet deshalb für 2002 einen Umsatzanstieg von 13 bis 16 % und rechnet damit, dass auch A.T. Kearney wieder zulegen wird. Die Beratungstochter hat im vierten Quartal 2001 einen Umsatzeinbruch von 12 % hinnehmen müssen.

Analysten von Forrester Research sagen allerdings voraus, dass der IT-Service-Markt in Europa erst 2003 wieder zweistellige Wachstumsraten erreicht. EDS will seine Bekanntheit in diesem zweitwichtigsten Markt ab April mit einer breit angelegten Imagekampagne erhöhen.

Analysten der Investmentbank Goldman Sachs gehen davon aus, dass sich die "Sales-Pipeline des Konzerns in Europa im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt hat". So sei EDS derzeit in vier Bieterverfahren für Outsourcing-Aufträge, von denen jeder einzelne ein Volumen von mehr als 5 Mrd. $ habe.

Kein Interesse hat EDS am Milliarden-Auftrag der deutschen Bundeswehr, deren IT- und Telekommunikationsnetze erneuert werden sollen. "Wir glauben nicht, dass in Deutschland ein Konkurrent gegen das Bieterkonsortium aus Deutscher Telekom, Siemens und IBM eine Chance hat", begründet Holger Grams, Mitglied der deutschen Geschäftsführung von EDS.

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