Konzernchef Sälzer setzt Tochter auf Sparkurs
Bei Hugo Boss in den USA sind teure Parties erst mal abgesagt

Tony Lucia, der neue Chef des US-Ablegers des Metzinger Herrenschneiders, gilt nicht nur als ein sachlicherer Manager als sein Vorgänger Marty Staff, Partylöwe und Marketing-Genie zugleich.

METZINGEN. Bei der nordamerikanischen Tochter der Hugo Boss AG sind glamouröse Partys vorerst vorbei. "Lucia muss auch auf die Kosten schauen", sagte Bruno Sälzer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Mit dem neuen Chef Lucia hofft Sälzer jetzt, dass bei der US-Tochter wieder Ordnung und Ruhe einkehrt.

Ende Mai kam bei der US-Tochter der Verdacht auf Bilanzmanipulationen auf. Bei einer Inventur ergaben sich für das Jahr 2001 Bestandsdifferenzen, die zu einem Verlust von 6 Mill. ? führten. Der erfolgsverwöhnte Herrenschneider musste eine Gewinnwarnung herausgeben. die Boss-Aktie verlor ein Fünftel ihres Werts.

Die Vorgänge in den USA sind aufgearbeitet und abgeschlossen", betont Sälzer. Staff hat Ende Mai Boss verlassen. In Analystenkreisen wird nun auch mit dem Ausscheiden des amerikanischen Finanzchefs gerechnet, der seit Mitte Mai beurlaubt ist. Sälzer hält von dem neuen US-Chef viel Bevor Lucia 1998 zu Boss kam, habe er bei Giorgio Armani und Donna Karan gearbeitet und kenne die Industrie ähnlich tief greifend wie Staff. Die amerikanischen Großkunden hätten bisher sehr wohlwollend auf den Wechsel reagiert.

Sälzer führt die US-Verluste auf mehrere Fehler zurück. Bei Boss gebe es, wie in der Branche üblich, zwei Inventuren pro Jahr, jeweils zu Saisonende im Oktober und im April. Bei der April-Inventur seien zu niedrige Warenbestände bei gleichzeitig zu hoher Bewertung fest gestellt worden. Eine weitere Fehlerquelle sei das neue Logistiksystems gewesen. Beides habe etwa 2 Mill. ? Verlust verursacht. Außerdem seien die Garantieansprüche und Retouren der Kunden zu niedrig verbucht worden, was zu 4 Mill. ? Verlust geführt habe.

"Die Wirtschaftsprüfer hatten keine Chance, das zu erkennen", sagte Sälzer. Das Management jedoch "hat es nicht erkennen müssen, aber erkennen können". Er betont, dass sich niemand bereichert habe, auch nicht an den für 2001 zu hoch ausgewiesenen Umsätzen der US-Tochter. "Staff hat sich bei der US-Tantieme keinen Dollar besser gestellt. Das war absolut nicht der Fall", betont er.

Die "Stuttgarter Zeitung" hatte in Ihrer Samstagsausbabe berichtet, dass Staff Geld verschwendet und Umsätze künstlich aufgebläht haben soll. Das wird von Hugo Boss zurückgewiesen. "Nach dem Zusammenbruch der New Economy und nach dem Terroranschlag des 11. Septembers war der amerikanische Einzelhandel strapaziert", erklärte Firmensprecher Philipp Wolff. Die Branche hat darauf mit Preisnachlässen und Sonderverkäufen reagiert.

Sälzer selbst hatte das Marketinggenie Staff 1998 zu Boss geholt. Staff und Lucia haben den Umsatz in den USA auf 179 Mill. ? mehr als verdoppelt, lobt er das Team auch heute noch. Der jetzt festgestellte Verlust von 6 Mill. Euro jedoch hat den Gewinn der vergangen zwei Jahre mehr als aufgezehrt. Denn laut Geschäftsbericht hat Hugo Boss USA 1,2 Mill. ? im vergangenen Jahr und 3,4 Mill. ? im Jahr 2000 verdient. Sälzer will das so nicht stehen lassen, räumt aber ein, dass die USA wegen der starken Macht großer Handelsketten nicht so profitabel sei wie andere Märkte. Dennoch würde Boss in den USA Geld verdienen. Man müsse dabei auch den gesamten Firmenverbund und die Verrechnungspreise mit einbeziehen.

Der US-Markt macht den Metzingern auch 2002 wenig Freude. Im ersten Quartal brach der US-Umsatz von Boss sogar um 19 % ein. Die US-Tochter hat jetzt einen Sparkurs begonnen und jede zehnte Stelle in der Verwaltung bereits gestrichen. Man denke auch darüber nach, weniger Boss-Shops in diesem Jahr in den USA zu eröffnen, sagt Sälzer.

Doch nicht nur in den USA macht den Metzingern die Kaufzurückhaltung der Kunden zu schaffen. Auch die Märkte in Europa und Japan sind schwierig. Der Boss-Chef hat sich deshalb im Konzern nach den vergangenen Jahren des rasanten Wachstums "Effizienzsteigerungen und eine Optimierung der Geschäftsprozesse vorgenommen". Damit Boss in den nächsten Jahren wieder den Gewinn schneller als den Umsatz steigern kann.

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