Konzernchef sagt vor New Yorker Staatsanwaltschaft aus
Citigroup-Chef Weill droht eine Klage

Die Auseinandersetzung zwischen Staatsanwalt Eliot Spitzer und den US-Investmentbanken gewinnt an Dynamik. Citigroup-Chef Sanford Weill wird in der Untersuchung Spitzers über Research-Praktiken aussagen. Neue Beweise bringen Weill wohl auch persönlich in Bedrängnis. Doch der Konzern-Chef weist alle Vorwürfe zurück.

NEW YORK. Der Druck auf Citigroup-Chef Sandford Weill nimmt zu. Nach Informationen des Wall Street Journal wird Weill demnächst vor den Mitarbeitern des gefürchteten New Yorker Staatsanwalts Eliot Spitzer aussagen. In einer breit gefassten Untersuchung über die Research-Aktivitätendes weltweit größten Finanzkonzerns seien neue Beweise gesammelt worden. Der Schritt signalisiere, dass sein Büro rechtliche Aktionen gegen Weill persönlich und auch gegen die Citigroup in Erwägung ziehen könnte.

Die Staatsanwälte sollen den Anwälten der Citigroup mitgeteilt haben, dass in der Untersuchung die Interessen des Vorstandsvorsitzenden und jene der Bank voneinander abweichen könnten.

Weill betonte in einem Schreiben an seine Mitarbeiter, dass er aus eigenen Stücken bereit war, vor Spitzer auszusagen: "Als Teil unserer Kooperation mit den Untersuchungen, habe ich erwartet, dass der New Yorker Staatsanwalt mich persönlich hören wollte. Folglich habe ich freiwillig angeboten, auszusagen, um die Untersuchung zu einem Abschluss zu bringen". Er weist auch jede Unterscheidung zwischen seinen persönlichen Interessen und denen der Bank zurück.

Weills Anwalt und langjähriger Freund Martin Lipton sagte: "Der Gedanke, dass es irgendeine Klage gegen Sandy Weill geben könnte, ist unvorstellbar. Es gibt keine Abweichung zwischen den Interessen von Sandy und Citigroup". Lipton ist Gründer der Kanzlei Wachtell, Lipton, Rosen & Katz, die Weill damit beauftragt hat, ihn zu vertreten.

Anlass für die Untersuchungen der Spitzer-Truppe war vor allem der lukrative Börsengang der AT&T - Mobilfunktochter, AT&T Wireless, im April 2000. Die New Yorker Staatsanwaltschaft untersucht, ob die Citigroups Investmentbank-Tochter Salomon Smith Barney den Auftrag erhalten hat, weil der Top-Telekom-Analyst des Hauses, Jack Grubman, die Aktie von AT&T im November 1999 als "Kauf" nach oben gestuft hatte. Grubman hatte das Telekom-Unternehmen zuvor jahrelang negativ bewertet und auch sechs Monate nach dem Börsengang wieder herabgestuft. Die Staatsanwälte wollen herausfinden, inwieweit der Citigroup-Chef den Analysten dazu aufgefordert hat, seine Bewertung zu ändern. Grubman, der mittlerweile mit der Staatsanwalt zusammenarbeitet, sagte aus, er habe den Willen von Weill befolgt. Weill sitzt im Aufsichtsrat von AT&T, hat aber jüngst angekündigt, er wolle dort zurücktreten. Weill weist Vorwürfe zurück, er hätte den Analysten beeinflusst. "Ich habe nie irgendeinem Analysten gesagt, was er oder sie zu schreiben hat - und ich würde es nie tun. Mein Verhalten war vollkommen angemessen", sagte Weill.

Die Untersuchung über die Citigroup ist Teil einer breiter angelegten Überprüfung der Research-Praktiken bei amerikanischen Investmentbanken. Die Frage ist, ob nicht Interessenkonflikte bei den Research-Abteilungen der Banken eine unabhängige Arbeit der Analysten verhindern. In diesem Zusammenhang sind auch andere Banken wie Merrill Lynch oder Morgan Stanley in das Visier der Spitzer-Truppe geraten.

Zu dem Thema der Interessenkonflikte, und wie man am besten unabhängiges Research garantieren kann, werden sich am heutigen Donnerstag zum ersten Mal die verschiedenen Regulierungsbehörden mit Vertretern von mehreren Investmentbanken zusammensetzen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg werden sich Vertreter der US-Börsenaufsicht SEC und anderer Aufsichtsbehörden auf Bundes- und Länder-Ebene unter der Leitung von Spitzer mit den Anwälten von zehn der größten Wertpapierhäuser treffen. Das Ziel: neue Regeln, um Investoren unabhängiges Research zu garantieren.

Nach Informationen von Bloomberg wird die staatliche Seite darauf drängen, dass Citigroup, die Investmentbank Goldman Sachs und andere Wall Street-Firmen eine unabhängige Research-Organisation gründen. Ein anderer Vorschlag geht nicht ganz so weit und will nur eine strikte Trennung der Geschäftsbereiche innerhalb der Finanzhäuser durchsetzen.

Quelle: Handelsblatt

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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