Konzernchef Sihler deutet weitere Stellenstreichungen an
Telekom muss eisern sparen

Die Telekom will ihren Schuldenberg von 64 Milliarden Euro deutlich abbauen. Konzernchef Sihler setzt daher auf neue Einschnitte. Sein Motto: Alles gehört auf den Prüfstand.

slo BONN. Der Interimschef der Deutschen Telekom, Helmut Sihler, hat am Mittwoch die Anleger und Analysten vertröstet. Die lang erwarteten neuen Lösungen für das drängende Schuldenproblem oder gar einen Strategiewechsel konnte er bei der Vorlage der Halbjahreszahlen nicht präsentieren. "Zurzeit steht alles auf dem Prüfstand", sagte Sihler, "und es wird dabei keine heiligen Kühe geben." Erste Ergebnisse der Prüfung stellte er erst für November dieses Jahres in Aussicht, wenn die Telekom ihre Zahlen für das dritte Quartal vorstellt.

"Die Situation ist ernst. Die Telekom muss sich anstrengen, ihre finanzielle Handlungsfähigkeit wiederzugewinnen", sagte Sihler. Doch kurzfristige und überstürzte Maßnahmen oder Notverkäufe werde es nicht geben.

Sein Sparprogramm für die Telekom fällt daher bisher noch eher verhalten aus. Durch Kürzungen bei Investitionen und anderen Ausgaben sollen jährlich 1,5 Mrd. Euro eingespart werden, die dem Schuldenabbau zugute kommen. In den nächsten eineinhalb Jahren will der Konzern seine Verbindlichkeiten um 14 Mrd. Euro abbauen, unter anderem durch den Verkauf von Immobilien und TV-Kabelnetzen. Doch auch dann fehlen dem Unternehmen noch immer einige Milliarden, um das Schuldenziel von 50 Mrd. Euro zu erreichen. Analysten fordern daher noch härtere Eingriffe - unter anderem beim Personal und bei der internationalen Ausrichtung des Konzerns.

Dass solche Einschnitte anstehen könnten, deutete Sihler am Mittwoch nur an: Demnach sei es durchaus wahrscheinlich, dass die Telekom mehr als die bisher mit den Gewerkschaften vereinbarten Arbeitsplätze abbaut. Der Konzern will bislang bis Ende 2004 rund 22 000 Stellen streichen. Nach Ansicht von Analysten könnten bis zu 20 000 weitere Stellen ohne Qualitätseinbußen wegfallen.

Mit Blick auf die künftige Strategie des Konzerns bei der US-Mobilfunktochter Voicestream reagierte Sihler ebenfalls zurückhaltend: Es gebe Überlegungen und Gespräche, aber noch keine Verhandlungen. Aus Unternehmenskreisen verlautete in den vergangenen Tagen, dass die Telekom mit AT&T Wireless und mit Cingular über eine Fusion mit Voicestream spricht.

Im Unternehmen werden darüber hinaus harte Einschnitte bei der IT-Dienstleistungssparte T-Systems befürchtet. Möglicherweise werde der Zukauf des Debis Systemhauses zumindest in Teilen wieder rückgängig gemacht, heißt es in Unternehmenskreisen. Möglich sei auch der Verkauf der bisher defizitären Töchter der Telekom-Internetsparte in Frankreich und Spanien. Entschieden sei aber noch gar nichts.

Einige unpopuläre Entscheidungen fällt Sihler möglicherweise erst mit seinem Nachfolger, vermuten Branchenexperten. "Sihler kann schließlich nicht heute schon die Strategie völlig ändern und damit seinen Nachfolger vor vollendete Tatsachen stellen", sagte ein Londoner Analyst.

Quelle: Handelsblatt

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