Konzernchef Staby lehnt Börsengang ab
Familienzwist belastet die Tchibo Holding

Tchibo-Chef Ludger W. Staby goss mit seiner klaren Absage für einen Börsengang neues Öl ins Feuer des Streits zwischen Anteilseignern und Familienmitgliedern.

lip/HB HAMBURG. Ludger W. Staby, Vorstandsvorsitzender der Tchibo Holding AG in Hamburg, hält sich bedeckt. Ob der Streit zwischen den Anteilseignern und Familienmitgliedern Herz über die Zukunft der Beteiligungs-Holding (Tchibo Röstkaffee, Reemtsma, Beiersdorf) beigelegt ist, wisse er nicht. Doch der Firmenpatriarch und Querschiesser, Günter Herz, der nach einem heftigen Zwist unter den Geschwistern Ende Januar 2001 als Vorstandschef abgesetzt wurde, hält offenbar weiterhin engen Kontakt zur neuen Konzernspitze.

So besitzt der Großaktionär weiterhin ein Büro in der Verwaltung, obwohl ihn dies die Familienmitglieder Wolfgang, Michael und Joachim untersagt hatten. Sie wollten damit vermeiden, dass er sich in das operative Geschäft einmischt. Staby hat aber nichts dagegen: "Die paar Quadratmeter Bürofläche sind nicht kriegsentscheidend", so der Tchibo-Chef. Das seien "Peanuts". Denn der ehemalige Reemtsma-Chef erwartet, dass sich die Anteilseigner demnächst auf einen Nachfolger für die Tchibo-Führung geeinigt haben. Er werde nur bis zum Jahresende die Holding leiten.

Der Tchibo-Konzern befindet sich hierdurch faktisch in einem Schwebezustand: So sondiere Staby zwar alle "denkbaren Portfolio-Alternativen", um den Konzern langfristig für den Wettbewerb fit zu machen. Doch er räumt ein, dass ein kommender Vorstandschef möglicherweise ganz andere Vorstellungen habe und bereits getroffene Entscheidungen revidiere.

Staby: Aktienplatzierung mache keinen Sinn

Neues Öl ins Feuer des Familienzwists goss der Tchibo-Chef mit seiner klaren Absage für einen Börsengang. Der von Günter Herz favorisierte Plan einer Aktienplatzierung der Holding mache nicht so "furchtbar viel Sinn". Die Gesellschaft besitze durch ihre Beteiligungen in den verschiedenen Geschäftsfeldern Kaffee, Zigaretten und Kosmetik/Pharma ein "Konglomeratsproblem". Die wirke bei einer Börseneinführung belastend.

Staby will jedoch von den bestehenden Beteiligungen nicht abrücken. So sei weder ein Verkauf des Aktienpakets von 27,6 % an der Beiersdorf AG noch ein Kauf der Allianz-Anteile vorgesehen. "Am Markt für Beteiligungen tut sich nicht so viel", sagt der Vorstandschef.

Der Tchibo-Konzern hat im Geschäftsjahr 2000 bei einem Umsatzzuwachs von 3,2 % auf 19,7 (19,07) Mrd. DM den Jahresüberschuss um 19,8 % auf 0,767 (0,64) Mrd. DM gesteigert.

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