Konzernchef Thielen: Kein Geld für Rückkauf der Anteile von GBL
Bertelsmann will 2003 in die schwarzen Zahlen

Auch die Direct Group, in der das Endkundengeschäft des Konzerns gebündelt ist, und die Musiktochter Bertelsmann Music Group (BMG) würden 2003 voraussichtlich die Verlustzone verlassen, sagte der Bertelsmann-Chef Gunter Thielen. Sowohl BMG als auch die Direct Group waren im ersten Halbjahr defizitär.

pes FRANKFURT. Finanziell unmöglich ist für das Gütersloher Unternehmen derzeit aber ein Rückkauf von Anteilen, die der belgischen Groupe Bruxelles Lambert (GBL) gehören. "Wir wären dazu aktuell nicht in der Lage", sagt Thielen. GBL hatte mit dem Erwerb der Anteile das Recht erhalten, 25,1 % von Bertelsmann 2005 an die Börse zu bringen. Der mögliche Rückkauf dieser Anteile durch die Bertelsmann-Stiftung und die Familie Mohn war in der Branche diskutiert worden. Der Wert des Pakets wird derzeit auf 5 bis 7 Mrd. Euro geschätzt. Besonders Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn gilt als Kritiker einer breiten Öffnung des Konzerns für Anlegern. Ex-Vorstandschef Thomas Middelhoff war an seinen Börsenplänen für Bertelsmann gescheitert.

Ein Problem für Middelhoffs Nachfolger Thielen dürften die hohen Schulden sein - Ende dieses Jahres dürfte der Wert auf 3,7 Mrd. $ gewachsen sein. "Nur 2 bis 2,5 Milliarden Euro wollen wir haben", lautet Thielens Vorgabe.

Vor allem der Kauf des US-Plattenlabels Zomba belastet den Konzern: Für rund 3 Mrd. Euro soll Bertelsmann den Mehrheitsanteil an der Firma von Clive Calder übernehmen - so lautet eine vor Jahren getroffene Vereinbarung. Annahmen, Bertelsmann versuche, den Kaufpreis zu drücken, wies Thielen zurück. "Noch vor Weihnachten" sei mit einem Ergebnis der Gespräche zwischen Bertelsmann und Zomba zu rechnen.

Die hohe Verschuldung sei der Grund für den geplanten Verkauf des Fachverlags Bertelsmann Springer. Nach Auskunft von Vorstandsmitglied Arnold Bahlmann sollen im November die Verkaufsprospekte an Interessenten verschickt werden. Bertelsmann werde den größten deutschen Fachverlag allerdings nicht unter 1 Mrd. Euro verkaufen, schränkte Thielen ein.

Thielen will künftig das Stammgeschäft in Europa ausbauen und stärker in Asien investieren. Es sei keine Zeit der "ganz großen Visionen", jedoch denke er an Zukäufe im Buchbereich, im Musikgeschäft und bei TV-Sendern

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Das Internet solle nur noch als Distributionskanal, nicht als eigenes Geschäft betrieben werden, so Thielen. Der stark geschrumpfte Internet-Buchhandel BOL solle entweder verkauft oder geschlossen werden. Das Internetportal Lycos werde hingegen weitergeführt, versicherte der Bertelsmann-Chef.

Der Internet-Dienstleister Pixelpark müsse dagegen weiter zurückgeschnitten werden - "Euro am Sonntag" meldet gar unter Berufung auf informierte Kreise, ein Verkauf an die Düsseldorfer Unternehmensberatung Droege & Comp stehe bevor. Allerdings sei man sich noch nicht über den Preis einig. Nach einem möglichen Eigentümerwechsel solle nur noch der profitable Standort Köln erhalten bleiben.

Quelle: Handelsblatt

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