Konzernchef übt nach einem starken Gewinneinbruch Selbstkritik
Luxusgüterkonzern Richemont verliert an Glanz

Richemont hat an Glanz verloren. Der zweitgrößte Luxusgüterkonzern der Welt - zu dem auch die deutsche Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne gehört - präsentierte der Öffentlichkeit wenig respektable Zahlen.

jdh GENF. Die Schweizer Gruppe wurde von der globalen wirtschaftlichen Krisenstimmung eingeholt: Jetzt will die Konzernleitung über Kosteneinsparungen zu alter Profitabilität zurückkehren. Der Reingewinn des Unternehmens sackte im Geschäftsjahr 2002/03 (31.3.) gleich um 22 % auf 642 Mill. Euro ab. Dabei schlug noch ein Sondergewinn zu Buche: Richemont hatte Anteile am britischen Tabakkonzerns British American Tobacco (BAT) für rund 300 Mill. Euro abgestoßen. Einen Rückgang des operativen Gewinns um 40 % hatte das Unternehmen schon angekündigt.

Die Erlöse der Gruppe schrumpften in zwei von vier Sparten. Die Sparte "Schmuck" mit den Marken Cartier sowie Van Cleef & Arpels verlor genau so wie der Bereich "Textil und Leder".

Minimal steigerte Richemont den Erlös bei Uhren, unter anderem aus der Produktion von Baume & Mercier, IWC und Vacheron Constantin. Ebenso brachten die Füllfederhalter und Luxus-Kugelschreiber der Marken Montblanc und Montegrappa der Mutterfirma leicht höhere Erlöse.

Insgesamt erzielte Richemont einen Umsatz von 3,65 Mrd. Euro - ein Minus von 5 % gegenüber dem Vorjahr. Auch die ersten Monate des neuen Geschäftsjahres 2003/04, April und Mai, liefen für Richemont eher flau.

Uhrenherstellung zusammenlegen

In dieser Lage sparte Konzernchef Johann Rupert in seinem Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr auch nicht mit Selbstkritik: Richemont sei für den Abschwung schlecht gerüstet gewesen. Auf den Umstand, dass auch bei Edelmarken wie Cartier und Louis Vuitton die Kauflust abnehmen und der Preis plötzlich eine Rolle spielen könnte, habe sich das Unternehmen zu spät eingestellt. "Ich glaube, der Preisdruck wird zunehmen", sagte Rupert. Und dies in einem Geschäft, wo der Preis bisher in vielen Fällen nur eine nachgeordnete Rolle gespielt habe.

Weiter sagte der Konzernchef mit dem südafrikanischen Pass: "Es ist peinlich, das sagen zu müssen, aber Richemont war nicht so gerüstet, wie sie es für die veränderten Umstände hätte sein sollen." Für den Mann vom Kap ist diese Einsicht besonders schmerzlich, da die Rivalen im heiß umkämpften Luxussegment bereits früher den Ernst der Lage erkannt hatten. Der weltweit größte Anbieter von Nobelartikeln, die französische Gruppe LVMH, machte Boutiquen dicht und konnte so den Aktienkurs nach oben treiben. Auch die italienische Konkurrenten Bulgari und Gucci setzten den Rotstift an.

Um rentabler zu werden will Rupert zunächst die Uhrenherstellung zusammenlegen. Als Folge werden in der Schweiz rund 200 Stellen gestrichen. Weitere Einzelheiten der Strategie nannte Richemont nicht.

Allerdings handelte Rupert schon: Das US-Geschäft mit der Marke Lancel im Bereich Textil & Leder wurde eingestellt. Auch unrentable Cartier-Boutiquen müssen die Türen schließen, während gleichzeitig hoffnungsvolle Neueröffnungen für den Herbst geplant sind.

An der Börse wurden die Zahlen zunächst mit leichten Kursverlusten der Richemont-Titel aufgenommen, auch Analysten fragten, ob das Paket zur Kostenreduktion bei einer weiteren schwachen Nachfrageentwicklung ausreiche. Allerdings wird auch darauf verwiesen, dass Rupert ein sehr starkes Eigeninteresse an einer erhöhten Profitabilität habe: Schließlich besitzt seine Familie rund 10 % des Luxusanbieters.

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