Konzernchef Ulrich Schumacher bestreitet Liquiditätsprobleme – Harter Preiskampf bei Speicherchips
Nur Mobilfunk macht Infineon Hoffnung

Trotz hoher Verluste und Schulden hält Infineon-Chef Ulrich Schumacher das Unternehmen für besser postiert als viele Konkurrenten. Die Zahlungsfähigkeit sei gesichert. Entscheidend wird sein, wann sich der Chipmarkt wieder erholt und der starke Preisverfall nachlässt.

HB DÜSSELDORF. Seit drei Tagen steigt der Kurs der Infineon-Aktie rasant. Und dies, obwohl Analysten wie zuletzt Goldman Sachs das Unternehmen weiter skeptisch beurteilen. Der Kursgewinn von über 10 % in nur wenigen Tagen wird Ulrich Schumacher, den Chef des Chipherstellers, freuen. Denn in den vergangenen Wochen war die Aktie im Einklang mit der gesamten Technologiebranche auf bedrohlicher Talfahrt. Nach einem Ausgabekurs von 35 Euro zum Börsengang im vergangenen Jahr und einem zwischenzeitlichen Hoch von 92,50 Euro fiel das Papier bis auf 12,10 Euro. Jetzt notiert Infineon wieder über 16 Euro.

Schumacher hält den Kursverfall für übertrieben: "Wir sind besser, als es in der Öffentlichkeit und an der Börse den Anschein hat", sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Der aktuelle Kurs ist mindestens so irrational wie die 92,50 Euro, die wir auf dem Höhepunkt hatten."

Gerüchte über einen drohenden Liquiditätsengpass des Unternehmens, an dem Siemens immer noch die Mehrheit hält, weist Schumacher zurück. "Unsere Liquidität ist besser als bei vielen Konkurrenten", betont der Manager. Das Guthaben von Infineon wird auf 500 Mill. Euro geschätzt, daneben besteht eine Kreditlinie von 2 Mrd. Euro. "Damit sind wir gut gerüstet", betont Schumacher.

Das sehen einige Analysten allerdings anders. Goldman Sachs behält Infineon zwar auf seiner Empfehlungsliste, erwartet aber einen höheren Verlust pro Aktie. Karsten Iltgen von der WestLB Panmure schätzt die Liquidität des französischen Konkurrenten ST Microelectronics als wesentlich besser ein. "STM hat einen positiven Cash-Flow, und auch die Ertragslage ist besser als bei Infineon", kommentiert dies der Analyst.

Infineon hat bereits mit einem scharfen Sparkurs auf die schlechte Lage reagiert. 2 500 Mitarbeiter in den Werken München und Regensburg müssen sechs Monate kurzarbeiten. Außerdem streicht der Konzern rund 5 000 Arbeitsplätze. Die Investitionen werden von 2,5 Mrd. auf 900 Mill. Euro zusammengestrichen. Verkäufe von Unternehmensteilen bessern die Kasse auf. So brachte der Verkauf der Anteile am Gemeinschaftsunternehmen Osram Opto Semiconductors an Osram rund 700 Mill. Euro. "Selbst wenn die Preise für Speicherchips so tief bleiben, können wir ohne weitere Kapitalmaßnahmen ein Jahr durchhalten", gibt sich Schumacher selbstsicher. "Dann wären viele unserer Konkurrenten nicht mehr am Markt." Auch aus der Kapitalerhöhung von 1,5 Mrd. Euro im vergangenen Juli dürfte noch etwas übrig sein, selbst wenn Infineon allein für das Ende Juni beendete dritte Quartal des Geschäftsjahres 2000/01 einen Verlust (Ebit) von 598 Mill. Euro ausgewiesen hat.

Entscheidend wird sein, wann sich der weltweite Chipmarkt von seiner bisher schwersten Krise erholt. Hier ist Schumacher skeptisch. "Der Preisdruck besonders durch die Koreaner hält an." Bei Herstellungskosten von rund 6 $ werden Speicherchips zurzeit zu knapp über 1 $ auf den Markt geworfen. Schumacher vermutet einen Verdrängungswettbewerb. Marktführer Samsung kann dies länger durchhalten. Der andere koreanische Konkurrent Hynix ist eigentlich bereits pleite, wird aber offenbar künstlich am Leben erhalten und mischt im Preispoker fleißig mit. Besonders Infineon und Micron leiden unter diesem Verdrängungskampf. Die Folge: Infineon verbuchte in seinem größten Geschäftsbereich im dritten Quartal einen Verlust von 340 Mill. Euro.

Im Geschäft mit den Mobilfunkern sieht Infineon dagegen erste Impulse einer Besserung. Im Chipkartenbereich hofft der Infineon-Chef vom nächsten Jahr an auf mehr Aufträge, da einige Kreditinstitute große Projekte angekündigt haben.

Pessimistisch bleibt Schumacher dagegen für den Geschäftsbereich drahtgebundene Kommunikation, obwohl durch die Einführung des schnellen Datendienstes DSL ein Nachholbedarf herrsche. Das traditionelle Geschäft mit den Telekomgesellschaften und besonders der früher so hoch eingeschätzte Bereich Glasfaser seien praktisch nicht mehr vorhanden. "Die Kunden sind immer noch sehr zurückhaltend." Auch das Geschäft mit der Automobilindustrie steht unter Druck. Hier hat Infineon im dritten Quartal aber keine roten Zahlen geschrieben.

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