Konzernchef: USA verschlafen Entwicklung
Sony-Chef konzentriert Kräfte auf Multimedia

Sinkende Margen in der Elektronik, Billig-Konkurrenz aus China und Raubkopien von Musik und Videos im Internet - Sony hat es nicht leicht. Den Problemen von heute will der japanische Elektronikriese nun über eine bedingungslose Ausrichtung auf Multimedia begegnen. Elektronik- und Mediengeschäft sollen zusammenrücken.

bas TOKIO. Sony-Chef Nobuyuki Idei hat seinen gesamten Konzern ein neues Ziel vorgegeben: die Vernetzung. Damit will er die verlustreiche Elektroniksparte wieder in die schwarzen Zahlen führen und der Billig-Konkurrenz aus China begegnen. Ob Laptop, Spielkonsole oder Fernseher, Handy oder digitaler Assistent - die Elektronikgeräte sollen sich zu alleskönnenden "Zugangstoren" in die Multimedia-Welt entwickeln, die über schnelle Breitband-Technologie zur Eroberung einladen soll. Hier sieht Idei seinen Konzern in einer herausgehobenen Startposition: Schließlich gehören auch die Hollywood-Größe Columbia Tristar sowie weltweit zweitgrößte Musikanbieter Sony Music zu seinem Konzern. Sony habe somit Elektronik und Medieninhalte wie Filme und Musik aus einer Hand zu bieten.

Vernetzte Gesellschaft in fünf bis zehn Jahren

In fünf bis zehn Jahren hat die schnelle Breitbandtechnologie dem Sony-Chef zufolge für "vernetzte Gesellschaften" gesorgt. Elektronikgeräte- und Inhaltegeschäft würden dann verschmelzen. "Wenn Sie sich Musik oder Bilder aus dem Internet ziehen, kann es sein, dass sie dafür nichts bezahlen. Aber Sie brauchen die Geräte zum Herunterladen. Hardware- und Inhalte-Geschäft kann man als Unternehmen deshalb nicht mehr trennen", argumentierte er gestern in Tokio. Deshalb sollen die verschiedenen Sony-Geschäftsbereiche stärker miteinander verbunden werden. Ein neu gegründeter Sektor soll sich darum kümmern, strategische Allianzen zwischen ihnen zu fördern. Als Kernkompetenzen des Konzerns sieht Idei künftig Elektronikgeschäft, Spiele und Inhalte wie Musik oder Filme.

Bei seiner Breitband-Strategie geht es dem Sony-Chef aber trotz der wichtigen Inhalte vor allem darum, seiner Elektroniksparte, mit einem Umsatzanteil von 70 % der weitaus größte Brocken im Konzern, neue Geschäfte zu bescheren. Im vergangenen Geschäftsjahr (31. März) war Sony mit dem Elektronikgeschäft wegen der Probleme im Halbleitersektor und bei der Tochter Aiwa operativ in die Verlustzone gerutscht. Die Erholung im Spielegeschäft kompensierte dies nur zum Teil, so dass der operative Gewinn insgesamt um gut 40 % auf 135 Mrd. Yen (1,16 Mrd. Euro) einbrach - bei einem Umsatz von 7,58 Billionen Yen (65,33 Mrd. Euro).

Analysten sind skeptischer

Während Sony auf Grund der Vernetzung von 2003 an neue Wachstumseffekte für die Elektronikindustrie erwartet, sind Analysten skeptischer. "Prinzipiell zielt Sony mit seiner Strategie in die richtige Richtung", sagt etwa Bond-Analyst Naoki Takahashi von der Ratingagentur Moodys in Tokio. "Bis aber das Breitbandgeschäft mit 100 Megabyte und mehr pro Sekunde startet, werden noch ein paar Jahre vergehen." So lange sei nicht klar, ob sich die hohen Investitionen auszahlten. Deshalb ist Moody?s zurückhaltend, der Ausblick für Sony ist trotz einer guten Note von AA3 negativ.

Sonys Strategie ist insofern eine Flucht nach vorn. Als eine zentrale Bedrohung für den mittlerweile global präsenten Konzern sieht Idei lokale Elektronikhersteller etwa aus China. "Mit deren Lohnkosten können wir einfach nicht konkurrieren." Deswegen müsse Sony über neue Technologien neue Märkte entwickeln.

Microsoft denkt ähnlich

Auch Spielekonsolen-Konkurrent Microsoft denkt ähnlich. Insgesamt jedoch, sagte Idei, verschliefen die USA die Breitband-Entwicklung und seien bald abgehängt, wenn sie nicht aufpassten. "Die Medien sehen so viele Probleme in der japanischen Wirtschaft, ich sehe sie in der US-Wirtschaft." Noch immer habe man sich dort nicht auf einen Mobilfunkstandard geeinigt. Kabelfirmen blockierten die Breitband-Verbreitung. Auch die US-Regierung habe keine Strategie für die neue Technik und sei zu sehr mit der Terroristenjagd beschäftigt.

Zudem gebe es in der weltgrößten Volkswirtschaft im Unterschied zu Japan und vielen europäischen Ländern immer noch keinen ausreichenden Schutz für Urheberrechte auf Inhalte, die über das Internet vertrieben würden. Für die asiatischen Länder wie Japan, Korea oder Singapur sei die Breitbandtechnologie deshalb eine große Chance. "Japan hat hier sicher den Vorteil, klein zu sein, und schnell mit einer neuen Infrastruktur wie DSL ausgestattet werden zu können."

Quelle: Handelsblatt

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