Konzernchef Walter Kielholz rechnet mit einer Belastung von 250 Millionen Schweizer Franken durch Flutschäden
Aktien von Swiss Re brechen ein

Die Abschreibungen auf Aktien überlagerten das Prämienwachstum und das gute Ergebnis im Versicherungsbereich. Im zweiten Halbjahr könnten die Zahlen allerdings besser ausfallen.

ef ZÜRICH. Lange Gesichter an der Börse in Zürich: Der Konzerngewinn der Schweizerischen Rückversicherungs-Gesellschaft (Swiss Re) brach im ersten Halbjahr 2002 um 91 % auf nur noch 118 Mill. sfr ein. Die Folge: Die Aktien des weltweit zweit größten Rückversicherungskonzerns gaben bis Donnerstag Mittag um über 10 % auf nur noch 110 sfr nach und zogen auch die Aktien der übrigen eidgenössischen Assekuranzkonzerne mit in die Tiefe. Seit Jahresbeginn haben die Titel der Swiss Re damit rund 35 % ihres Kurswertes verloren.

Aktie zurückgestuft

Als Konsequenz dieser Entwicklung stufte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gestern die Titel von bisher "Market Outperformer" auf "Market Performer" zurück. In diesem Jahr erwartet die LBBW nur noch einen Gewinn pro Aktie von 5,50 nach zuvor 11 Schweizer Franken (sfr). Und auch für 2003 wurde die Erwartung von 12,80 auf 9,30 sfr zurück genommen. Die Entwicklung der Aktien der Swiss Re verdeutlichen die Malaise der Branche: Schwindende Kapitalerträge fressen die operativen Verbesserungen auf.

Dabei befindet sich die Swiss Re noch in einer recht starken Position: Von den beiden US-Agenturen werden die langfristigen Verbindlichkeiten des Konzerns mit der Bestnote "AAA" bewertet, was der Swiss Re den Abschluss von Geschäften erleichtert: Bei den Erstversicherern hat eine Flucht in die Qualität eingesetzt. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 konnten zudem die zuvor teilweise ungenügenden Prämien deutlich angehoben und auch die Konditionen verbessert werden. Die Position der Swiss Re scheint auch deshalb solide, weil der Schwankungsrückstellung im ersten Halbjahr wieder 110 Mill. sfr zugeführt wurden, nachdem im Vergleichszeitraum des Vorjahres 485 Mill. sfr und in der zweiten Jahreshälfte sogar 1,45 Mrd sfr entnommen wurden.

Konzernchef Kielholz setzt auf organisches Wachstum

Konzernchef Walter B. Kielholz will voll auf organisches Wachstum setzen, obwohl er einen Konsolidierungsprozess in der Branche erwartet. "Wir wollen unsere ganze Kraft auf die Gespräche mit den Kunden und nicht mit den Investmentbanken konzentrieren", verdeutlichte er diese Strategie. Er geht davon aus, dass sich das Wachstum der verdienten Prämien ähnlich wie in den ersten sechs Monaten fortsetzen werde. Die Konditionen sollten sich weiter verbessern.

Im ersten Halbjahr hatten die Versicherungsprämien der Swiss Re um 16 % auf 13,84 Mrd. sfr zugelegt. Wird die Abschwächung von Dollar und Euro berücksichtigt, lag das Wachstum noch höher. In der Sachrückversicherung werde das verbesserte versicherungstechnische Resultat aufrecht erhalten werden können, meinte Kielholz. Die Schäden durch die Überflutungen in Deutschland dürften die Swiss Re nur mit "überschaubaren" 250 Mill. sfr belasten.

Konzernchef rechnet mit einer weiteren stabilen Entwicklung

In der Lebens- und Krankenrückversicherung, die bereits 42 % zu den Prämien beisteuert, rechnet der Swiss-Re-Chef mit einer weiter stabilen Entwicklung. Erfreulich sei gewesen, dass der Konzern im ersten Halbjahr den Kostensatz um 1,1 % auf 9,0 % gesenkt habe. Entscheidend für das Jahresergebnis bleibt aber die Entwicklung der Kapitalerträge. Die Swiss Re erwartet zwar eine verhalten positive Entwicklung der Aktienmärkte. Sollte das Kursniveau jedoch auf dem niedrigen Niveau von Ende Juni verharren, so müsse mit weiteren Abschreibungen auf die Aktienbestände gerechnet werden, da diese dann nicht mehr als vorübergehend eingestuft werden könnten, erklärte Finanzchef John H. Fitzpatrick. Er verwies aber darauf, dass die Aktien in wesentlichem Umfang gegen einen weiteren Kursverfall abgesichert seien.

Die Rendite der Kapitalanlagen, die sich von 95,9 Mrd. auf 89,9 Mrd. sfr zurück bildeten, erreichte im ersten Halbjahr nur noch 4,8 % und lag damit seit vielen Jahren erstmals wieder unter Zielmarke von 6,7 %. 18 % der Kapitalanlagen waren in Aktien investiert. Damit hat sich die Quote in den letzten vier Jahren halbiert.

Konzernchef Kielholz unterstrich, dass die Aktienbestände bei der Swiss Re grundsätzlich nicht die Höhe des Eigenkapitals übersteigen sollen, um das Risiko zu begrenzen. Die eigenen Mittel gingen im Berichtszeitraum wegen der Kursentwicklung um 19 % auf 18,3 Mrd. sfr zurück.

Quelle: Handelsblatt

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