Konzernchefin droht Gefängnisstrafe
Staatsanwalt klagt Martha Stewart an

Sie verband den Traum vom großen Geld mit dem Image der braven Hausfrau. Aus Fernseh- Kochshows und einem bunten Monatsmagazin schmiedete sie ein börsennotiertes Medien-Imperium. Doch nun droht Martha Stewart, Gründerin und Chefin von Martha Stewart Living Omnimedia, eine Gefängnisstrafe. Der für New York zuständige Bundestaatsanwalt, John Comey, wirft ihr Behinderung der Justiz, Wertpapierbetrug und Falschaussagen vor.

NEW YORK. Unter großem Medienrummel begleiteten Polizeibeamte die 61jährige Geschäftsfrau gestern zum Bundesgericht in Manhattan. Nach zehnminütiger Anhörung durfte sie vorerst wieder gehen. Allerdings muss sie Auslandsreisen künftig mit den Behörden absprechen. Auf Behinderung der Justiz stehen in den USA bis zu fünf Jahre Gefängnis und bis zu 250 000 $ Geldstrafe. "Falls das Gericht sie der Anklagepunkte für schuldig erklärt, droht ihr mit Sicherheit eine Gefängnisstrafe", sagte Staatsanwalt Comey gestern.

Ein einziger Aktiendeal könnte ihre abrupt beenden. Es geht um 3 928 Aktien der Biotechnologiefirma Imclone, die Martha Stewart am 27. Dezember 2001 verkaufte. Einen Tag später meldete Imclone, dass die US-Gesundheitsbehörde einem wichtigen Krebsmedikament die Zulassung verweigerte. Die Aktie stürzte ab.

Der Verdacht: Stewart erhielt vorab einen Insider-Tipp - entweder von Imclone-Gründer Samuel Waksal, mit dem sie befreundet ist, oder von ihrem damaligen Wertpapierhändler bei Merrill Lynch. Dieser teilte ihr laut der Anklage telefonisch mit, dass Waksal und Mitglieder seiner Familie ihre Aktien verkauften. Im gleichen Telefonat habe Stewart angeordnet, auch ihre Aktien abzustoßen. Der inzwischen entlassene Aktienhändler Peter Bacanovic sitzt mit auf der Anklagebank. Ihm werden Meineid und Behinderung der Justiz vorgeworfen. Neben dem strafrechtlichen Verfahren plant die Börsenaufsicht SEC auch eine Zivilklage wegen Insiderhandels.

Der Fall schlägt in den USA hohe Wellen. Denn Martha Stewart hat eine treue Fangemeinde. "Ich bin traurig, dass man an ihr offenbar ein Exempel statuieren will", sagte am Dienstag eine Aktionärin vor der Hauptversammlung von Martha Stewart Living Omnimedia dem Sender CNBC. Sie werde ihre Aktien behalten. Obwohl Stewart sich bei dem Aktionärstreffen in ihren Ämtern als Chairwoman und Chief Executive Officer bestätigen ließ, erwarten Experten ihren baldigen Rücktritt.

Vorerst behält die agile Geschäftsfrau jedoch die Fäden ihres Konzerns in der Hand, den sie auf dem Höhepunkt des Aktienbooms der 90er an die Börse brachte. Seit dem Boom ist der Wert ihrer Anteile von zwischenzeitlich einer Milliarde Dollar auf rund 300 Mill. $ gefallen, meldet die New York Times. Demgegenüber wirkt der Erlös aus dem anrüchigen Imclone-Deal von 228 000 $ fast lächerlich gering.

Ihr Freund Waksal hat gestanden, dass er selbst Vorteile aus seinen Insiderinformationen zog. Stewart hingegen streitet die Vorwürfe ab. "Nicht schuldig", antwortete sie gestern auf die Frage des Richters nach ihrer Haltung zu den Vorwürfen.

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