Konzerndschungel behindert
80 Prozent der Holzmann-Stellen gerettet

Nach einer ersten Zwischenbilanz ist der Insolvenzverwalter der Holzmann AG, Ottmar Hermann, überzeugt, weltweit etwa 80 % der einst 23 700 Konzern-Stellen erhalten zu können.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN. Vom Verlust des Arbeitsplatzes sind vor allem Beschäftigte im Inland betroffen. Aber auch hier können trotz der zusammengebrochenen Konzernmutter sowie der Tochtergesellschaft Imbau nach Angaben von Hermann etwa 62 % der Jobs gesichert werden. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrages im Frühjahr gab es insgesamt 10 855 Stellen in Deutschland. Vor allem der Verkauf der Deutschen Asphalt mit 2 400 und der Servicegesellschaft HSG mit 1 950 Mitarbeitern haben dieses günstige Ergebnis gebracht.

Die zentrale Aufgabe für Hermann und seine Mannschaft ist nun, für die amerikanische Tochtergesellschaft Jones einen geeigneten Käufer zu finden. Einzelheiten über den Stand der Verhandlungen wollte er nicht nennen. Neben dem britischen Konzern Balfour Beatty sollen noch zwei andere Interessenten existieren. In den USA ist der Faktor Zeit nicht ganz so entscheidend. In Deutschland drängten die Konkurrenten die Holzmänner unmittelbar nach dem Zusammenbruch aus den meisten Arbeitsgemeinschaften heraus.

Jones mit mehr als 11 500 Beschäftigten hat trotz der Turbulenzen neue Aufträge von der US-Regierung bekommen - darunter zwei Botschaften in Usbekistan und Georgien. Das Unternehmen operiert unabhängig von der Entwicklung in Deutschland. Auch die eigene Finanzierung ist mittelfristig gesichert. Der Insolvenzverwalter ist zuversichtlich, dass 2002 ein Gewinn erzielt wird.

Äußerst schwierig gestalten sich die Verhandlungen mit potenziellen Käufern schon auf Grund des verschachtelten und kaum überschaubaren Holzmann-Dschungels. Allein die US-Tochter hat 144 Töchter und Beteiligungen. Insbesondere die Risikoprüfung erfordert eine Unmenge Zeit, wenn sämtliche Forderungen und Verbindlichkeiten des Firmengewirrs untersucht werden müssen.

Ursprünglich war der Insolvenzverwalter davon ausgegangen, dass an der Muttergesellschaft 410 Töchter beziehungsweise Beteiligungen hängen. Nach Durchsicht der Bücher ist die Zahl mittlerweile auf 505 angestiegen. Schon dieses Geflecht dürfte neben der seit Jahren schlechten Baukonjunktur ein entscheidender Faktor für den Untergang des einst größten deutschen Baukonzerns gewesen sein. "Das ist nicht mehr zu steuern", bilanziert Hermann nüchtern.

Das gesamte Verfahren einschließlich der Verwertung sämtlicher Grundstücke und Immobilien wird allerdings noch einige Jahre dauern. Allein die Prüfung der Forderungen von Gläubigern dürfte noch etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen. Insgesamt wurden Forderungen in Höhe von drei Mrd. Euro angemeldet. Angesichts des äußerst komplexen Verfahrens will Hermann auch keine Prognose wagen, wie viel davon anerkannt wird.

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