Konzerne brauchen dringend neue Pipelines: Russland fördert mehr Öl, als es verarbeiten kann

Konzerne brauchen dringend neue Pipelines
Russland fördert mehr Öl, als es verarbeiten kann

Die sibirischen Quellen sprudeln und sprudeln. Russland fördert immer mehr Erdöl - allein im Januar zog die Produktion erneut um 12 % gegenüber dem Vorjahresmonat an. Doch die immer neuen Produktionsrekorde des inzwischen weltweit drittgrößten Erdölförderlandes nutzt einer Stabilisierung des Weltmarktpreises kaum. Denn die Ausfuhr-Kapazitäten sind bisher begrenzt und wachsen deutlich langsamer als Bohrungen und Förderung.

mbr MOSKAU. Das Riesenreich hat im vorigen Jahr seine Rohölförderung von 348,1 auf 379 Mill. Tonnen gesteigert, was laut Internationaler Energieagentur (IEA) 10 % der weltweiten Förderung ausmacht. Die Investitionen russischer Ölkonzerne in zweistelliger Milliarden- Dollar-Höhe zeigen also inzwischen Wirkung. Doch: "Wir fördern mehr, als wir im Land und zum Export gebrauchen können, und die Schere geht immer weiter auseinander", klagt Michail Chodorkowskij, Chef des zweitgrößten russischen Erdölkonzerns Yukos. Denn die Kapazitäten des staatlichen Monopolisten Transneft mit 48 300 Kilometern Pipelines und Transportmöglichkeiten von 3,75 Mill. Barrel am Tag sind ausgeschöpft. Ein Barrel entspricht 159 Litern.

Somit wird der Kreml trotz immer neuer Ölfelder in Sibirien und im Fernen Osten sein Versprechen kaum einhalten können, durch höhere Exportmengen den Weltmarktpreis für Erdöl niedrig zu halten. Das aber hatte Russlands Präsident Wladimir Putin seinen westlichen Partnern mehrmals zugesagt, um die weltweite Konjunktur nicht noch weiter abzuwürgen.

Eine schnelle Exportmengenerhöhung sei Russland nicht möglich, gibt das Moskauer Energieministerium zu. Zwar verfüge Russland im Jahr 2005 über eine Überkapazität von 30 Mill. Tonnen Erdöl jährlich und 2010 von sogar 80 Mill. Tonnen, das Öl könne aber nur abfließen, wenn die von Transneft geplanten Pipelines gebaut werden. Diese sollen vor allem zum Ostsee-Hafen Primorsk und in Richtung China und Japan laufen.

Den von den Ölkonzernen geforderten Bau einer Röhrenleitung in den nordwestrussischen Hafen Murmansk lehnt die Regierung bisher ab. Sie will keine privaten Pipelines. Die Unternehmen hingegen planen, mit der neuen Exportroute den Weg nach Amerika zu eröffnen: Russland wolle künftig mit Öllieferungen von 1,3 Mill. Barrel täglich einen großen Anteil der etwa 9 Mill. Barrel umfassenden amerikanischen Rohölimporte abdecken, sagt Simon Kukes, CEO des russischen Ölkonzerns TNK. Erstmals hatten russische Firmen im vorigen Jahr Erdöl in die USA geliefert - nach Regierungsangaben durchschnittlich 86 000 Barrel täglich. In ein paar Jahren, so hofft das US-Forschungsinstitut Stratfor, werde Russland seine Exporte deutlich ausweiten und "ein größerer Ölexporteur werden, als es Saudi-Arabien je war".

Die russischen Konzerne machen aber nicht nur Druck beim Bau weiterer Pipelines, weil sie den Export forcieren wollen. Ihnen geht es auch um den Heimatmarkt. Dort sind die Preise wegen der Überkapazitäten auf 5 $ pro Barrel gesunken. Zudem wachse bei hohen Weltmarktpreisen die Investitionskonkurrenz für Russland, meint Chodorkowskij: Denn dadurch würden auch bei niedrigen Ölpreisen unattraktive Felder ausgebeutet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%